BDEW, VDA und ZVEI fordern umfassendes Konzept zur Elektromobilität

Erstmals haben sich die drei großen Branchenverbände BDEW, VDA und ZVEI für ein koordiniertes Vorgehen bei der Einführung der Elektromobilität ausgesprochen.

»Vor einer breiten Einführung von Elektrofahrzeugen sind zahlreiche politische, regulatorische, technische und infrastrukturelle Voraussetzungen zu schaffen, die einen Schulterschluss von Politik, Industrie und Energiewirtschaft erfordern«, heißt es in einem gemeinsam verabschiedeten Positionspapier.

Die Verbände regen eine gemeinsame Plattform der Bundesregierung sowie der Verbände und Unternehmen der Automobilindustrie, der Energieversorgung, der chemischen und der elektrotechnischen Industrie sowie der Batteriehersteller an. Sie würde dazu beitragen, die industrielle Basis Deutschlands bei dieser weltweit bedeutenden Zukunftstechnologie zu stärken.

Die Elektromobilität erbringe einen wesentlichen Beitrag zur Minderung der CO2-Emissionen und müsse deshalb eine Querschnittsaufgabe für die beteiligten Industrien, die Wissenschaft und die Politik sein. »In der Regel werden Stromversorgungsunternehmen für diese Elektrizitätsanwendung Tarife anbieten, die ausschließlich die Verwendung von regenerativ erzeugter Energie vorsehen«, heißt es in dem Positionspapier. Grüner Fahrstrom, so die Forderung, dürfe künftig steuerlich nicht zusätzlich belastet werden.

Die Elektromobilität, so die drei Branchenverbände, könne einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige zukunftsgerichtete Mobilität im Rahmen aller künftigen Antriebskonzepte leisten. Hierzu sei ein umfassendes Mobilitätskonzept notwendig, das dem Kunden unter anderem die Wahlfreiheit seines Stromversorgers und die Kontrolle über die Batterieladung belässt.

BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft), VDA (Verband der Automobilwirtschaft) und ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) sprechen sich allerdings auch für realistische Erwartungen an die Elektromobilität aus: »Aus heutiger Sicht werden Verbrennungsmotoren die Mobilität noch über eine lange Übergangsphase gewährleisten«, die Fragen der Reichweite, der Ladezeit und Kosten der Batterie werden die Marktdurchdringung beeinflussen. Auch die notwendige kundenorientierte Infrastruktur müsse erst noch geschaffen werden. Zudem werde aus heutiger Sicht die Domäne reiner Elektrofahrzeuge in näherer Zukunft zunächst eher im Nahbereich liegen.

Längerfristig betrachtet, könne die breite Einführung von Elektrofahrzeugen die Option einer geeigneten Speichermöglichkeit bieten, um das häufig schwankende Angebot von regenerativ erzeugtem Strom in das bestehende Versorgungssystem sinnvoll zu integrieren.

BDEW, VDA und ZVEI sprechen sich für eine Standardisierung aller für das elektrische Fahren benötigten Komponenten aus. Es gelte, übergreifende Standards und Normen zu erarbeiten, die den Anschluss der Fahrzeuge an das Stromnetz zum Zwecke der Aufladung des Energiespeichers sicherzustellen. Dabei seien europäische, möglichst weltweite Standards anzustreben.

Von der Regierung erwarten die drei Verbände eine langfristige und sichere Perspektive für die weitere Entwicklung der Elektromobilität. Bislang bearbeiten vier Ministerien, die Ressorts Verkehr (BVBS), Umwelt (BMU), Wirtschaft (BMWi) und Forschung (BMBF), dieses Thema. Die Verbände regen deshalb an, einen hochrangigen Beauftragten für Elektromobilität bei der Bundesregierung einzusetzen, um eine Straffung der Arbeit zu erreichen.
Ziel sei es, Deutschland weltweit in eine führende Position im Zukunftsmarkt Elektromobilität zu bringen. Eine entsprechende Forschungsförderung der elektrischen Energiespeicherung müsse Deutschland zum globalen Innovationsstandort für diese Technologie machen. Diese Chance, fordern die drei Verbände, müsse genutzt werden.