Pluspunkte fürs Image-Konto

Nach Jahren der Um- und Restrukturierung suchen Unternehmen wieder verstärkt den Wettbewerb um die besten Köpfe und feilen an ihrer Arbeitgeber- Attraktivität. Mit Erfolg: Elektronikunternehmen konnten bei den jüngsten Benchmarking-Wettbewerben punkten.

Wie beliebt bin ich als Arbeitgeber? Ist meine Personalarbeit besser oder schlechter als die der Konkurrenz, die um die gleichen Ingenieure wirbt? Um solche Fragen zu klären, können sich Unternehmen in Deutschland an verschiedenen Wettbewerben beteiligen. Bereits viermal schon hat zum Beispiel die Zollner AG aus dem oberpfälzischen Zandt bei »Top Job« mitgemacht. Top Job richtet sich an mittelständische Firmen unterschiedlicher Größe. Zweimal schon kam Zollner hier unter die Finalisten. Dieses Jahr hat es der Elektronik-Spezialist ganz nach oben geschafft: Top-Job-Mentor, Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, kürte die Zollner AG zum »Arbeitgeber des Jahres 2005«. »Die ausgewogene, zukunftsorientierte Gesamtkonzeption Zollners und deren Umsetzung in einer Kultur des Miteinanders ist nachahmenswürdig.«, lobte die Jury. Neben dem Titel »Arbeitgeber des Jahres« erhielt Zollner zudem den ersten Preis in der Kategorie Vision & Führung.

Den nach jedem Wettbewerb ausgehändigten Benchmarking-Report wertet Zollner-Vorstand Johann Weber stets akribisch aus, um möglichst viel von den Jury- Ratschlägen umzusetzen. Offenbar erfolgreich, denn nun, im vierten Jahr der Teilnahme, hat es der Elektronik-Dienstleister auf dem Siegertreppchen ganz nach oben geschafft.

Zollner, angesiedelt in der vergleichsweise strukturschwachen Region Oberpfalz, begann schon frühzeitig damit, Mitarbeiter zu gewinnen, ständig zu qualifizieren und langfristig zu binden. Um die zu erwartenden demographischen Auswirkungen auf die Region Oberpfalz zu erkennen, wurde extra ein Trainee mit der Untersuchung beauftragt. Und das Ergebnis? Zollner: »Schlimm. Das Fachkräfteangebot wird hier bei uns stark schrumpfen.«

Ein Grund mehr für Zollner vorzulegen. Die Ausbildungsquote liegt bei guten 8 Prozent. Ein neues Ausbildungszentrum wurde gebaut, zusätzliche Ausbilder eingestellt. Zudem legt Zollner großen Wert auf »Networking« mit Schulen und Universitäten. Diplomanden können in der Praxis forschen und werden nach ihrem Abschluss oft zu neuen Mitarbeitern. Neue Mitarbeiter bekommen einen Paten, der sie betreut und ihnen den Einstieg erleichtert. Mitarbeiterbefragungen sind ein fester Bestandteil der Personalarbeit.

Aber auch andere Elektronik-Unternehmen haben Vorbildliches vorzuweisen: Sieger in der Kategorie »Mitarbeiterförderung« bei Top Job wurde der Steckverbinderspezialist Phoenix Contact. Für Geschäftsführer Dr. Gunther Olesch ist dies einerseits Teil einer nachhaltigen Strategie, um dem drohenden Fachkräftemangel frühzeitig zu begegnen. Andererseits aber auch eine Selbstverständlichkeit: »Instrumente der Personalarbeit wie moderne Arbeitszeitmodelle, Arbeitsplatzgestaltung oder Weiterentwicklung sind wichtig, tragen aber zum Erfolg nur etwa 30 Prozent bei. Viel wesentlicher, nämlich 70 Prozent, ist die Kultur eines Unternehmens und die Frage, wie man miteinander umgeht. Wenn der Mensch im Fokus steht, kommt der Erfolg von ganz alleine! Doch echte Wertschätzung, das fehlt heute oft. Dabei wachsen Mitarbeiter am stärksten, wenn man ihnen Vertrauen und Zutrauen schenkt!« Als Olesch 1989 zu Phoenix Contact kam, musste er für solche Sätze erst Überzeugungsarbeit leisten. Heute liegt die Ausbildungsquote bei 9,2 Prozent, und das enorme Wachstum, das sein Unternehmen seitdem vorgelegt hat, hat den promovierten Psychologen Olesch im Nachhinein bestätigt. Heute gehört PC zu den Marktführern in seinem Bereich, mit weltweit 7000 Mitarbeitern.

Freilich ist Wertschätzung allein nicht alles. Die Blomberger bieten ihren Leuten ein umfangreiches Programm zur fachlichen und persönlichen Entwicklung, das vier Bausteine umfasst: interne Seminare, externe Seminare, maßgeschneiderte Sonderseminare sowie teamorientierte Angebote. Die Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung werden im hauseigenen Bildungswerk »Phoenix Contact College« gebündelt, das andere Firmen der Region ebenfalls nutzen. Ein Konzept, das nicht nur für die Fachkräfte von morgen sorgt (Olesch: »Die demographische Entwicklung gehört zu unseren gewaltigsten Herausforderungen der Zukunft!«), sondern sich auch wirtschaftlich rechnet. Ein firmeneigenes Gesundheitszentrum nennt Phoenix Contact ebenfalls sein Eigen: Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung stehen dabei im Mittelpunkt. Ältere Arbeitnehmer, anderswo ausgemustert, werden bei PC zu Mechatronikern weitergebildet.

Zudem bildet man seit 2003 über den Bedarf hinaus junge Menschen aus – allein am Standort Blomberg mit 3.500 Beschäftigten lernen 230 Auszubildende in elf verschiedenen Berufen der Elektrotechnikbranche. Außerdem versucht PC, mehr weibliche Arbeitskräfte für technische Berufe zu begeistern. Neben dem ersten Rang im Bereich Personalentwicklung sicherte sich Phoenix Contact deshalb auch in anderen Kategorien einen Platz unter den ersten Zehn: in Vision & Führung, Kultur & Kommunikation sowie Familien- und Sozialorientierung.

Der Systemtechnik-Anbieter SMA Technologie wurde beim Wettbewerb »Deutschlands beste Arbeitgeber 2006«, das jährlich vom Institut »Great Place To Work« in Zusammenarbeit mit »Capital« veranstaltet wird, zweiter in der Unternehmensgröße 500 bis 5000 Mitarbeiter. Zudem wurde sein Weiterbildungsprogramm ausgezeichnet. Personalleiter Jürgen Dolle fühlt sich bestätigt: »Ein ’Great place to work’ ist ein Arbeitsplatz, an dem man als Mitarbeiter denen vertraut, für die man arbeitet, stolz ist auf das, was man tut, und Freude hat an der Zusammenarbeit mit den anderen. Wir wurden ausgezeichnet für unsere Leistungen in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist.« Das Vertrauen der Mitarbeiter ehrt ihn auch: »Die Bewertung beruht zu zwei Dritteln auf einer anonymen Umfrage unter 250 nach Zufallsprinzip ausgewählten Mitarbeitern. « Unter dem Stichwort »Kooperative Unternehmensführung« arbeite man seit der Gründung des Unternehmens vor 25 Jahren daran, die Arbeitsbeziehungen so gestalten, dass man sowohl Spaß an der Arbeit haben, als auch Eigenverantwortung zeigen könne. Dolle: »Dass unser Konzept aufgeht, zeigt der wirtschaftliche Erfolg, den wir als Unternehmen haben. Aber ob unsere Mitarbeiter das Unternehmen auch so sehen, wie wir als Verantwortliche das gerne hätten, konnten wir bisher nur vermuten.«

Arbeitgeberwettbewerbe sind für Dolle ein probates Mittel, um gute Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen. »Gegenüber unserer Hauptzielgruppe ist es ein langfristig wirksames, zusätzliches Pfund, mit dem wir wuchern können.« SMA setzt nun wie Zollner auf die interne Umsetzung der Benchmarking-Ergebnisse. Intern wurde das Projekt »Greater place to work« aufgesetzt.

Rohde & Schwarz wurde dritter in der Größenklasse über 5000 Mitarbeiter beim selben Wettbewerb, hinter SAP und Dow Chemical Deutschland. »Wir haben besonders gute Bewertungen erhalten für die Identifikation bzw. den Stolz der Mitarbeiter, im Unternehmen zu arbeiten und für die Teamorientierung: gute Arbeitsatmosphäre, Spaß an der Aufgabe und an der Zusammenarbeit mit den Kollegen«, freut sich Nicole Julien, die bei Rohde & Schwarz für das Personalmanagement zuständig ist. »Aus Marketing-Sicht sind diese Wettbewerbe sehr wertvoll, denn das Logo auf Stellenanzeigen sorgt für hohe Aufmerksamkeit, wie wir von Bewerbern wissen«, sagt Julien. Und natürlich würden die Ergebnisse nun intern umgesetzt: »Es wäre ein großes Versäumnis, die Erkenntnisse nicht für Verbesserungen zu nutzen und zu schauen, an welchen Schrauben wir noch drehen können, um als Arbeitgeber noch attraktiver zu werden!«

Laut Julien spüre Rohde & Schwarz deutlich, dass das Angebot an hochqualifizierten Fachkräften eng werde, der Arbeitsmarkt nicht mehr soviel hergebe. »Employer Branding gewinnt deswegen zunehmend an Bedeutung. Wir stellen unsere Personalmarketing-Maßnahmen daraufhin ab und werben gezielt mit der Arbeitgebermarke Rohde & Schwarz«. Und noch einer siegte bei »Deutschlands beste Arbeitgeber«: Der Sensorspezialist Sick erhielt einen Sonderpreis in der Kategorie »Förderung älterer Mitarbeiter«.

Groß = sicherer Arbeitsplatz?
Alle untersuchten Top-Job-Teilnehmer gaben durchschnittlich 1,2 Prozent ihres Umsatzes jährlich für Weiterbildung aus.

71 Prozent liegen mit ihrem Umsatzwachstum über dem Durchschnitt ihrer jeweiligen Branche.

Größere Mittelständler bieten dreimal häufiger Heimarbeit, Sabbatical und Jahresarbeitszeitkonten als kleinere Unternehmen. Größere beschäftigen Führungskräfte auch in Teilzeitpositionen.

ABER:
Große Mittelständler haben Mitarbeiter entlassen, kleinere eingestellt.

Die Großen sparen an der Weiterbildung: Gemessen am Umsatz, gebendie größeren Top-Job-Unternehmen mit 0,6 Prozent zurzeit deutlich weniger aus als die kleineren.

Verbesserungsbedarf: Größere Mittelständler setzen nur halb so viele Verbesserungsvorschläge ihrer Mitarbeiter um wie ihre kleineren Konkurrenten.

Arbeitgeber-Wettbewerbe

Die Auszeichnung »Arbeitgeber des Jahres« erfolgt im Rahmen eines Benchmarking-Projektes für Mittelständler namens »Top Job«. Der Wettbewerb und steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Axel Schmidt vom Institut für Mittelstandsökonomie (Inmit) in Trier. Das Siegel und der Preis werden im Rahmen der gleichnamigen bundesweiten Vergleichsstudie verliehen. Prämiert werden zudem Sieger in den Kategorien Vision & Führung, Personalentwicklung, Kultur & Kommunikation, Entlohnungskonzepte und Familien & Sozialorientierung. Ziel von Top Job ist es, mittelständische Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt bekannt zu machen. Gewinner des Wettbewerbs dürfen das Gütesiegel »Top Arbeitgeber im deutschen Mittelstand« für Marketingzwecke, Stellenanzeigen etc. verwenden. Der Wettbewerb startet im März erneut. Interessierte Unternehmen erhalten ab sofort ein kostenloses Info-Paket. Weitere Informationen unter www.topjob.de.

Der Preis »Deutschlands Beste Arbeitgeber« wird vom »Great Place to Work Institute Deutschland« verliehen. Basis sind u.a. anonyme Mitarbeiterbefragungen zu den Punkten Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Teamgeist. Infos unter www.greatplacetowork.de

Der »Bestpersaward« (www.bestpersaward.de) untersucht die Qualität mittelständischer Personalarbeit in zehn Kategorien und ist ein Projekt des Saarbrücker Personalexperten Prof. Dr. Christian Scholz. Die Zollner AG schaffte es hier im Jahr 2005 auf den dritten Platz.