»PLM-Software unterstützt Entwicklungsprozesse«

Eine Herausforderung für Medizintechnikhersteller ist die Organisation und Dokumentation des Entwicklungsprozesses. Elektronik-Redakteur Jens Würtenberg sprach mit dem alpha-board-Marketingleiter Gregor Groß über den Einsatz von PLM-Software.

Werden Geräte für die Medizintechnik entwickelt, dann müssen die Produktversionen so dokumentiert werden, dass sich die Entwicklung jederzeit für ein Gerät oder auch eine bestimmte Variante nachvollziehen lässt. Diese "Rückverfolgbarkeit" ist ohne festgelegte Prozeduren und Verfahren nicht zu realisieren, insbesondere bei Änderungen des Designs in der Entwicklung oder bei einem späteren Re-Design.

Zur Entwicklungsunterstützung stehen mittlerweile Software-Tools und -Pakete zur Verfügung, deren Anschaffung für kleinere Unternehmen aber häufig nicht wirtschaftlich ist. Die Firma alpha-board bietet ihren Kunden die Nutzung einer Software für das "Product Lifecycle Management" bei der gemeinsamen Entwicklung von Produkten.

Elektronik: Herr Groß, alpha-board nutzt PLM intern für alle Kundenprojekte. Wie profitiert der Kunde direkt vom PLM-System und wie gestaltet sich die Arbeit damit?

Gregor Groß: Sämtliche Entwicklungspartner, Kunden und Lieferanten können im PLM-System in alle entscheidenden Arbeitsschritte des Entwicklungsprozesses eingebunden werden. Dazu gehören Design, Änderungen, Freigaben, Reviews und die Produktion. PLM bietet Vorteile für alle, die an der Produktentwicklung beteiligt sind. Entwicklungsingenieure können damit sicherstellen, keine Freigabe zu vergessen oder keine unerlaubte Änderung vorzunehmen.

Die Lieferanten können den jeweiligen Datenstatus abrufen und ermitteln, ob Bestelldaten in Bearbeitung oder bereits freigegeben sind. Schließlich können die Kunden oder Anwender sicher sein, dass ihr Gerät genau den Anforderungen entspricht, die im Vorfeld der Entwicklung festgelegt wurden. Es gibt die Transparenz über Versionen, Freigaben und Konfigurationen.

Dies ist auch für die Produktpflege oder Wartung möglich, wenn beispielsweise ein Kunde nach der Entwicklung noch eine Änderung vornehmen möchte. Wir organisieren die Produktdaten für alle von uns entwickelten Systeme, Subsysteme und Komponenten stets in unserem PLM-System. Unsere Kunden können ihre Produktdaten einpflegen und alle Informationen "in ein Paket schnüren". So behalten sie den Überblick und können in allen Bereichen von der lückenlosen Dokumentation profitieren

Ist für PLM eine Software überhaupt erforderlich und welche Vorteile bieten sich gegenüber nicht-toolgestütztem PLM?

Natürlich können Sie in einem Unternehmen PLM auch ohne Software machen. Dafür müssen die Prozesse aber genau festgelegt sein und fehlerfrei durchgeführt werden. Dies ist in der Praxis in aller Regel nicht möglich. Hier kommt die Software zum Einsatz -- durch definierte Workflows für die Freigabe von Produkten und Dokumenten und ein rollen-basierendes Eskalationsmanagement sind Prozessabweichungen ausgeschlossen -- dies wird durch die workflow-basierte Datenbank sichergestellt.

Kleine und mittelständische Zulieferer und Hersteller, die so genannten KMU, profitieren von unserem PLM-System, indem sie mit uns gemeinsam ihre Produkte verwalten, entwickeln und dokumentieren. Unsere Projekte im Bereich der Luft- und Raumfahrt stellen die gleichen hohen Anforderungen an Qualität, Zuverlässigkeit und Rückverfolgbarkeit wie die Medizintechnik.