Photovoltaik im Boom

Auf der »2008 Taiwan International Photovoltaic Forum and Exhibition« in Taipei stellten Hersteller entlang der gesamten photovoltaischen Wertschöpfungskette aus. Auch deutsche Institute und Unternehmen präsentierten sich dort dem asiatischen Markt.

Auf der begleitenden Konferenz gab der President der taiwanischen Firma Gintech Energy Corporation, Ellick Liao, eine allgemeine Marktübersicht. Nach seinen Angaben lag die weltweite Nachfrage nach elektrischer Energie im Jahr 2007 bei 17,2 Billiarden kWh, die photoelektrische Solar-Energie konnte mit 15 Milliarden kWh lediglich 0,09 Prozent zur Deckung des Gesamtbedarfs beisteuern.

Allerdings wird nach seiner Einschätzung die Solar-Industrie 2016 weltweit mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz machen. Dazu müsste die Industrie jedes Jahr um 30 Prozent wachsen, die Voraussetzung dafür ist eine Finanzierung über die Einspeisevergütung für mehr als 60 Prozent der erzeugten elektrischen Solarenergie zu einem festen Preis. In den nächsten sechs Jahren wären dafür 68 Mrd. Dollar erforderlich.

Dr. Tsai Chin-Yao, Chairman und CEO der taiwanesischen Auria Solar, gab das Entwicklungsziel vor: Ein US-Dollar pro Watt für ein Solar-Modul. Dafür müssten die Herstellungskosten einer Zelle unter 0,5 Dollar, die eines Moduls unter 0,25 Dollar/Watt sinken, die 6-Zoll-Zellen aus »Solar grade«-Silzium einen Wirkungsgrad von 20 Prozent erreichen, und das Rohmaterial mit dem Reinheitsgrad 99,9999 Prozent dürfe nicht mehr als 20 Dollar pro kg kosten.

Extreme Anforderungen an Solar-Module

Ein im Freien montiertes Solar-Modul muss mindestens zehn Jahre lang einen täglichen thermischen Zyklus und eine erhebliche UV-Licht-Einstrahlung ohne Degradation aushalten und durchaus aggressiven Umweltbedingungen widerstehen. Das hierzu erforderliche Know-how muss dabei praktisch im Blindflug erworben werden. Daher greifen die Hersteller auf das Dienstleistungsangebot von Unternehmen wie dem Photovoltaik-Institut Berlin zurück, die sich ebenfalls auf der Messe in Taipeh präsentierten. Hierzu zählen auch die taiwanesische Niederlassung der TÜV Rheinland Group, die in Taiwan elf Zertifizierungs-Laboratorien betreibt, unter anderem ein »WEEE Laboratory«.

Nach Auskunft eines Insiders wurden 2008 weltweit mehr als 20 Fertigungslinien für Dünnschicht-Solar-Module in Betrieb genommen. Dementsprechend waren in der kleinen Messehalle gegenüber dem Kongresszentrum allein im Segment »PV-Fertigungseinrichtungen« mehr als 50 Aussteller vertreten. Auffallend im Nebeneinander der Messestände war eine deutsche Firma: Gebr. Schmid. Frank Tinnefeld, Direktor für Verkauf und neue Geschäftsfelder, berichtete über aussichtsreiche Kundenkontakte. Über die Fertigungseinrichtungen für die Wertschöpfungskette »Solar-Module« hinaus bietet der Mittelständler aus Freudenstadt auch den Prozess für die Herstellung von »Solar grade«-Silizium und Wafern.

Ein typischer Aussteller aus Taiwan ist E-Ton Solar Tech, der für die Herstellung seiner monokristallinen Silizium-Zellen einen plasmagestützten CVD-Prozess (Chemical Vapor Deposition) nutzt und das Glas mit einer Sol-Gel-Beschichtung entspiegelt. 2008 hat das Unternehmen Module mit einer Gesamtleistung von 320 MW produziert, gegenüber der Vorjahresproduktion eine Steigerung um 60 Prozent.