Party Time

In jeder glücklichen Ehe gibt es schöne Augenblicke – am Wochenende zum Wertstoffhof, Weihnachten zu den Schwiegereltern und bisweilen auf Partys, wie ich sie Ihnen kurz beschreiben möchte.

Wir sind vorgeladen – Samstagabend, halb acht, kurz vor Ende der Sportschau, dann wenn gerade Bayern kommt, Sacklzement*: Geburtstagsfeier bei Jaqueline und Jerome Eberl (Name von der Redaktion beibehalten!). Sie wohnen im Grünen gleich hinter der Autobahnausfahrt direkt neben dem Gemeindekindergarten „Horst Seehofer“.
 
Gefunden. Wir klopfen an der mit einem Blumengesteck individualisierten Reihenhaustür. Tür auf.  Mit einem beschwingten „Zieht bitte eure Schuhe aus!“ werden wir von der Gastgeberin empfangen. Als Mann bin ich da schon froh, wenn die linke und rechte Socke farblich einigermaßen abgestimmt sind. Bei Damen hingegen kann diese Anweisung das gesamte Styling-Arrangement ruinieren. Stöckelschuhe aus und in Sekundenschnelle acht Zentimeter kleiner, das bringt selbst das beste Chanel-Kostüm aus der Fassung. Von irgendwelchen gemeinen Laufmaschen oder gar Wolfowitz´schen Löchern in den Nylons ganz zu schweigen.
 
Ein erlesener Kreis steht verloren rum – lauter erfolgreiche Jungdynamiker. Ich kenne kein Schwein. Auf der mexikanisch-schwedischen Anrichte gibt´s  Canapées – weder zum Rauchen noch zum Sitzen, sondern einfach nur so zum Essen.
 
Der Gaga – der Gastgebergatte – vertieft mich in einen relativ einseitigen Dialog. Mit seinem fliederfarbenen Flanell-Sakko und einem Batik-Hemd von erschreckender Buntheit sieht er ein bisschen aus wie der Begrüßungsbär vom Holidaypark. Er ist Anwalt im Freizeitlook und hat sein 2. Staatsexamen offenbar bei Richterin Barbara Salesch auf Sat1 erworben. Der Rechtsberater ist bereits sternhagelvoll – also ein so genannter Volljurist. Ich stoße mit ihm an. Meine Frau trinkt nix und wird mich frohen Mutes nach Hause chauffieren. Was wäre ich nur ohne meine Frau – wahrscheinlich unverheiratet!
 
Wenn es am schönsten ist, soll man gehen. Wir sind trotzdem noch ein bisschen länger geblieben.  Als wir an den neuchinesischen Dung-Vasen vorbei zur Tür raus schleichen, sage ich noch zu meiner Frau: „Interessante Leute, deine Freunde Jaqueline und Jerome!“ Worauf sie verdutzt antwortet: „Wieso meine Freunde, ich dachte, du kennst die?“
 
Feiern Sie schön,
Ihr
 
Matthäus Hose