Sind OLEDs reif für die Industrie?

Die OLED-Forschung und -Entwicklung läuft auf Hochtouren und in Consumer-Produkten sind die organischen Displays bereits gut vertreten. Auch auf die Industrie ist der »OLED-Funken« mittlerweile übergesprungen.

Holger Mohrhof, Produktmanager bei Glyn betont: »Wir beobachten bei unseren Kunden eine starke Nachfrage und Bereitschaft, AMOLEDs in industriellen Anwendungen einzusetzen.« Die Vorteile von AMOLEDs (Aktiv-Matrix-OLEDs) sind mittlerweile hinreichend bekannt: Ihre brillanten optischen Eigenschaften, der geringe Leistungsbedarf sowie ihre Effizienz bezüglich Platzbedarf und Sichtfläche erreichen andere Technologien ebenso wenig wie ihr vorteilhaftes Verhalten bei tiefen Temperaturen.

»Durch intensive Beratung und Kundenbesuche zusammen mit dem OLED-Hersteller CMEL konnten wir die Skepsis gegenüber OLEDs, die noch vor zwei Jahren vorherrschte, weitgehend beseitigen«, sagt Mohrhof. Glyn hat seit Mai 2007 als einziger Distributor einen Vertrag mit CMEL und vertreibt die Produkte in Europa, Neuseeland und Australien. Die Beratungs- und Planungsphase ist für den Einsatz von AMOLEDs äußerst wichtig, »denn bei der Entwicklung ist ein anderes Vorgehen nötig, als beim Einsatz von LC-Displays, um für den Kunden ein optimales Visualisierungsergebnis zu erzielen«, weiß Mohrhof.

Anders als bei der Darstellung auf einem TFT, geht es bei einem AMOLED darum, die einzelnen Pixel zu betrachten und die Darstellungsoptionen im nächsten Schritt darauf abzustimmen. Dies macht sich vor allem im Leistungsbedarf bemerkbar, denn ein Pixel, das nicht angesteuert wird, verbraucht auch keinen Strom. »Die Entwickler des GUIs (Graphic User Interface) haben also einen erheblichen Anteil am erfolgreichen Einsatz des OLEDs in einer Applikation und sollten um mit den typischen Eigenschaften des OLEDs vertraut sein«, erklärt Holger Mohrhof.

Eine neue Entwicklung von CMEL, die Auto-Current-Limitation-Funktion (ACL) hilft ebenfalls dabei, den Leistungsbedarf so gering wie möglich zu halten. Dabei werden die einzelnen Pixel analysiert und die Helligkeit der hellsten Pixel dem Gesamtbild proportional angepasst. Die ACL-Technologie hat CMEL erstmals in das kürzlich lancierte 7,6-Zoll-AMOLED integriert; weitere Displays mit dieser Funktion wie das neue 6,0-Zoll AMOLED folgen.

»Kinderkrankheiten« müssen nicht sein

Die geringe Lebensdauer von durchschnittlich nur rund 10.000 Stunden bremste die Akzeptanz von OLEDs vor allem im Industriesektor. Mittlerweile verspricht CMEL in seiner Standardspezifikation bereits 30.000 Stunden. Testmuster einer neuen Serie, die auf einem neuartigen OLED-Material basiert, sollen es sogar auf 50.000 Stunden bringen.

Die Lebensdauer wird analog zu den LC-Displays definiert, d.h. nach 50.000 Stunden Laufzeit sind 50 Prozent der Anfangshelligkeit erreicht. Die Lebensdauer der OLEDs hängt in erster Linie von den Materialeigenschaften ab; demnach liegt das Hauptaugenmerk der Hersteller darauf, diese Materialien entsprechend zu optimieren. Holger Mohrhof erläutert: »CMEL arbeitet an »lebensverlängernden« Maßnahmen und konnte die Strukturen der OLED-Zelle bereits entscheidend verfeinern.«

Um die Effizienz der OLED zu steigern, greift CMEL zu einer »Micro-Cavity-Struktur« und asynchronem Pixel-Design. Diese Maßnahmen verbessern nicht nur die Lebensdauer, sondern wirken sich auch positiv auf die Leistungsaufnahme aus. Außerdem tragen sie zu einer Minderung des »Image-Sticking-Effekts« bei. Dabei handelt es sich um Bildinhalte, die beim Bildwechsel als sogenannte »Geisterbilder« hängen bleiben und sich »einbrennen«. D.h. einzelne Bildpunkte werden stärker bzw. länger beansprucht und das Material verbraucht sich an diesen Stellen schneller.