Seiko Epson verkauft Großteil der Display-Tochter an Sony

Gut drei Monate nach der Absichtserklärung ist der Display-Vertrag zwischen Seiko Epson und Sony unter Dach und Fach: Das klassische Industrie-TFT-Geschäft der Epson-Tochter Epson Imaging Devices (EID) geht auf die Sony Mobile Display Corporation (SMD) über.

Bei EID bleiben der Vertrieb und die Entwicklung von HTPS-3-LCDs und OLEDs. EID und SMD entwickeln und produzieren kleine bis mittelgroße TFT-LCDs für den Industrie-Sektor. Das Spektrum von EID umfasst amorphe TFTs sowie LTPS-(Niedrigtemperatur-Polysilizium-) und HTPS-(Hochtemperatur-Polysilizium-)LCD-Panels. Sony setzt dagegen ausschließlich auf die LTPS-Technologie.

Beide Firmen operierten im Bereich kleiner und mittelgroßer LCDs bislang mit ähnlich geringen Marktanteilen von knapp 5 (EID) und gut 7 (SMD) Prozent. Das war für beide als Einzelkämpfer offenbar zu wenig, um Mitbewerbern wie Sharp, NEC und Samsung im dicht besiedelten Industrie-LCD-Markt die Stirn bieten zu können. Dabei hat EID unter anderem mit »Vista-Rich« (eine Technologie, die sehr große Betrachtungswinkel ermöglicht) einiges zu bieten. Von der Umstrukturierung wollen nun beide profitieren: EID soll sich auf die Zukunftstechnologien HTPS und OLED konzentrieren und damit neue Kunden gewinnen, während die Sony-Tochter durch den Zugewinn der Epson-Produktpalette ihre Marktposition im LTPS-Bereich entscheidend stärken könnte.

Bis 2010 soll EID personelle Kapazitäten, Fertigungslinien und Patente an Sony übertragen. Um den Vertrieb aufrechtzuerhalten, will Sony kurzfristig die für den verkauften Bereich zuständigen Vertriebsmitarbeiter von EID übernehmen. Im Anschluss sollen Gebäude, Maschinen und Patente folgen. Die Produktion und damit die Verfügbarkeit ist gesichert, heißt es. Ob auch die Distributorenverträge mit EID auf SMD übergehen, gab das Unternehmen nicht bekannt.

Bereits seit Herbst 2008 verhandeln die Mutterkonzerne Seiko Epson und Sony mit dem Ziel, die Geschäftsaktivitäten beider Hersteller im TFT-LCD-Segment zu bündeln. Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hatten beide Display-Töchter wegen mangelnder Produktionsauslastung zu kämpfen und waren gezwungen, ihre Ressourcen zu konsolidieren. Seiko Epson hatte kürzlich das Werk in Gifu, eine von zwei LCD-Produktionsstätten in Japan, geschlossen sowie personelle Einsparungen im japanischen Headquarter angekündigt.

Zwar sind LCDs weniger stark vom Abschwung betroffen als andere Bauelemente, dennoch gehören die über Jahre andauernden kräftigen Zuwachsraten der Vergangenheit an. Laut Branchenangaben werden die Stückzahlen für kleinere und mittlere Displays ungefähr auf dem Niveau von 2008 stagnieren, bevor sich der Markt 2010 wieder stabilisiert. Als Hoffnungsträger gilt neben dem Industriesektor vor allem der Automotive-Markt, da die Anzahl der Displays pro Auto steigt und damit die sinkende Anzahl der produzierten Fahrzeuge überkompensiert.