Organische Elektronik: Ein Milliarden-Euro-Markt kurz vor der Entfaltung

»Jede Branche der Wirtschaft wird vom Einsatz organischer und gedruckter Elektronik betroffen sein«, sagt Wolfgang Mildner, Vorsitzender der OE-A (Organic Electronics Association) und Geschäftsführer von PolyIC.

Für einige Bereiche sei sogar »mit revolutionären Veränderungen« zu rechnen. Deutschen Firmen attestiert Mildner dabei viel Potenzial: »Wir sind in der gesamten Wertschöpfungskette mit Top-Materiallieferanten, Maschinenbauern und führenden Forschungsinstituten sehr gut vertreten.«

Die Kombination neuer leitfähiger Materialien – in vielen Fällen Polymere – mit Massenproduktionsverfahren wie der Drucktechnik ermöglicht es, dünne, flexible und sehr kostengünstige Elektronik herzustellen. Mit ihrer jüngst veröffentlichten Roadmap zeigt die VDMA-Arbeitsgemeinschaft OE-A auf, welche Anwendungen für organische und gedruckte Elektronik schon heute möglich und erhältlich sind, und gibt einen Ausblick auf künftige Produktgenerationen bis 2025: »Der Markt für organische und gedruckte Elektronik wird in den nächsten zehn Jahren zu einem Multimilliardenmarkt wachsen«, meint Mildner.

Als die mittelfristig größten Wachstumsfelder sieht die OE-A organische Fotovoltaik, flexible Displays, OLED-Beleuchtung, Datenspeicher und Schaltungen für RFID-Tags. »Mit der nun bereits dritten Ausgabe der OE-A-Roadmap unterstützen wir die Industrie, die Öffentliche Hand und die Wissenschaft bei der Planung ihrer Produkte sowie der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten«, so Mildner.

Die Welt der organischen und gedruckten Elektronik verändert sich sehr schnell. Basierend auf den rasanten Fortschritten bei Materialien, Prozessen, der Produktionstechnik und den Anwendungen wird derzeit massiv in den Aufbau von Produktionslinien investiert. Die Roadmap erhält neueste Demonstratoren der OEA vom gedruckten elektronischen Spiel bis hin zum flexiblen Display mit organischer Solarzelle.

Damit die organische und gedruckte Elektronik allerdings ihr Potenzial voll entfalten kann, gilt es noch einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen: »Wir brauchen jetzt den Schritt in den Markt – den Sprung von der reinen Technologie zum einsatzfähigen Produkt«, fordert Mildner. Doch gerade das sei aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit schwierig, so Mildner: »Die Kunden scheuen sich momentan davor, neue Technologien einzusetzen, das Risikoempfinden ist noch relativ hoch.«

Abhilfe könnte ein Umdenken der Förderträger bringen, indem nicht nur – wie meist der Fall – die Forschung und Entwicklung gefördert wird, sondern weitergehend auch der Applikationseinsatz solcher Technologien beim Kunden. »Wichtig wäre jetzt, dass wir zusammen mit dem Kunden in Politphasen gehen und Erfahrungen sammeln können, wie sich diese Technologien vorteilhaft einsetzen lassen und wo die Grenzen sind«, erklärt Mildner und appelliert vor allem an die Politik auf Bundes- und Europa-Ebene, sich stärker für solche praxisbezogene Forschung einzusetzen.

Die Roadmap sowie weitere Informationen zu den Demonstrations- Beispielen sind nachzulesen in der neuen OE-A Broschüre »Organic and Printed Electronics«, die unter www.oe-a.org als Download zur Verfügung steht oder über den VDMA bestellbar ist.

Organic Electronics Association (OE-A)

Die OE-A ist eine seit 2004 bestehende internationale Arbeitsgemeinschaft des VDMA. Sie gilt als die führende Interessenvertretung der organischen und gedruckten Elektronik und repräsentiert die gesamte Wertschöpfungskette dieser jungen Industrie. Die Mitglieder setzen sich zusammen aus etwa 120 Firmen und Forschungs-Instituten. Ziel ist, den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Infrastruktur für die Produktion von organischer Elektronik zu fördern und dabei eine Brücke zwischen Wissenschaft, Technologie und Anwendung zu schlagen.