Displays: Forschung & Entwicklung trotzen der Krise

Die electronic displays Conference findet bereits zum dritten Mal im Rahmen der embedded world statt. Forschung & Entwicklung bei Displays werden trotz Wirtschaftsund Finanzkrise weiter ungebrochen voranschreiten, davon ist der Vorsitzende der Displays Conference, Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach, Hochschule Pforzheim, überzeugt.

Markt&Technik: Auch die Displaybranche ist von der Krise nicht verschont geblieben. Wie lautet Ihre Prognose?

Prof. Dr. Karlheinz Blankenbach: Das industrielle und automobile Umfeld spürt natürlich auch die ökonomischen Rahmenbedingungen. Werden weniger Autos produziert, benötigt man ja auch weniger Displays. Insgesamt sehe ich die Lage hier jedoch positiver als im Consumer-Bereich. Ferner könnten die Preise für Displays in professionellen Anwendungen durch den geringeren Absatz in Monitoren, Laptops, Handys etc. wegen der entstehenden Überkapazitäten sinken.

Mit Innovationen gegen die Krise, so die Parole vieler Hersteller. Wie sehen Sie das aus Sicht der Forschung & Entwicklung bei Displays?

Die Aktivitäten rund um elektronische Displays werden teilweise noch verstärkt, da der Trend zu höherwertigen und höher auflösenden Anzeigen ungebrochen ist. Im F&E-Bereich ist man ja weniger direkt von Produktionseinbrüchen betroffen.

Inwieweit tangiert die Krise dennoch Forschung & Entwicklung?

Sparmaßnahmen wirken sich letztendlich auch auf Bereiche außerhalb der Produktion aus. Im industriellen Umfeld findet bei einigen Firmen eine personelle Verschiebung von Vor- zu Serienentwicklung statt, um neue Produkte schneller auf den Markt bringen zu können. Von den so entstehenden Lücken und Produktoffensiven konnten wir in einigen Kooperationen sogar profitieren.

Ist die Weiterentwicklung von Displays im Automotive-Bereich durch den Einbruch des Automobilmarktes Ihrer Meinung nach gefährdet?

Hier kommt es auf den Blickwinkel an: Die heute in der Oberklasse verbauten Displays werden in einigen Jahren Standard bei Mittelklasse-Fahrzeugen sein. In diesem Fall bestehen die Herausforderungen in der Optimierung der Preise – sprich letztendlich auch der (Produktions-)Technologien. Der Oberklasse-Kunde erwartet dann wiederum aber entsprechende Innovationen bei seinem Neufahrzeug.

Wohin gehen die Trends bei Kfz-Displays?

Zusammengefasst sind das größere Diagonalen bei besserer Umgebungslicht-Ablesbarkeit und sinkende Preise. Dies gilt für die etablierten LCDs ebenso wie für die in den automobilen Markt verstärkt eintretenden OLEDs. Darüber hinaus werden neue technologische Ansätze wie reflektive (E-Paper-)Displays intensiv auf ihre Tauglichkeit im Automobilbereich untersucht. Head-up-Displays stehen auch aus ergonomischen Gründen im Fokus der F&E-Anstrengungen.

Ein Thema auf der Displays Conference lautet »Visions meets Solutions Technologies for Next Generation TFT LCDs«. Wo geht die Entwicklung bei TFT-LCDs hin?

Salopp ausgedrückt: sich den Stärken der OLEDs wie geringe Bautiefe, geringer Stromverbrauch und weniger Gewicht weiter annähern. Neue Anwendungen und Designmöglichkeiten ergeben sich durch flexible und nicht-rechteckige LCDs. Lange Zeit war die Blickwinkelabhängigkeit eine Schwäche der LCDs. Diese ist nunmehr fast beseitigt, aber auch der Wunsch nach Privatsphäre beim Display-Einsatz entstanden. Praxistaugliche Lösungen sollten hier den Blickwinkel elektronisch beeinflussen können. Folienbasierte abnehmbare Filter haben nur eine relativ geringe Verbreitung gefunden.

Der Trend zu Multiview-Displays, bei dem auf einem Display mehreren Betrachtern unterschiedliche Bildinhalte gezeigt werden, wird sich wohl verstärkt fortsetzen – zumal diese Technik ab Sommer 2009 in einem Oberklasse-Fahrzeug erhältlich sein wird. Das könnte einen ähnlichen Durchbruch in der öffentlichen Wahrnehmung für Multiview-Displays bedeuten wie das iPhone für Touch-Screens. Bei letzteren gibt es intensive F&E-Arbeiten, diese Funktionalität in die LCD-Zelle zu integrieren. Das reduziert die Kosten bei gleichzeitig verbesserter Umgebungslicht-Ablesbarkeit.

Wie beurteilen Sie die Zukunft der Mikrodisplays?

Die Perspektiven der Mikrodisplays gehen in zwei unterschiedliche Richtungen bzw. Applikationen: Zum einen Near-to-Eye in Brillen-ähnlicher Form und zum anderen als Lichtmodulator in Pico-Projektoren. Video-Brillen sind schon seit längerem auf dem Markt, meiner Meinung nach haben aber Preis und visuelle Abkapselung von der Umgebung bisher nicht zum Durchbruch geführt. Dagegen wird den Pico-Projektoren eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Ich selbst hatte auf der electronica 2008 einen der ersten kommerziell erhältlichen batteriegetriebenen Minibeamer mit eingebautem Speicher und Mediaplayer dabei. So konnte ich in Gesprächen immer ohne große Vorbereitung und Wartezeit entsprechende Dinge visualisieren – ganz nach dem Motto »ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, eine Animation/ Video mehr als 1000 Bilder«. Eine etwa DIN-A4-große Projektionsfläche fand sich praktisch immer sofort.