LCDs Displays einfach abschneiden

Die üblichen Abmessungen von Displays sind nicht für alle Anwendungen optimal. Wer andere Seitenverhältnisse haben will, muss sehr große Stückzahlen bestellen, damit sich sein Projekt rechnet. Ein kreativer Querdenker hat sich eine Radikallösung einfallen lassen: Er schneidet Serien-Displays einfach passend ab.

Wegen des hohen Kostendrucks, unter dem jede LC-Display-Fertigung heute steht, wird die Motherglass-Fläche bis zum letzten Quadratzentimeter ausgenutzt, und zwar fast nur mit Formaten, die in großen Massen verlangt werden: für Fernseher, Computermonitore, Tablets, Handys usw. Einige Spezialanwender haben aber andere Wünsche. So braucht die Luftfahrtindustrie häufig quadratische Formate, andere wie z.B. die Bahn hätten gern lange, schmale. Wer derartige Sonderformate haben will, auf den kommen Grundkosten in sechsstelliger Höhe zu. Damit bleiben Kleinanwender außen vor.

Diese Marktlücke erkannt hat ein Amerikaner namens Lawrence E. Tannas. Schon vor vielen Jahren kam er auf die revolutionäre Idee, kostengünstige Serien-Displays zu kaufen und diese einfach auf die gewünschte Größe abzuschneiden. Er ließ sich seine Erfindung patentieren (Nr. US 6204906) und gründete seine eigene Firma im kalifornischen Orange, in der er seine Technik bis zur Serienreife durchentwickelte.

Die Aktion besteht im Wesentlichen aus fünf Schritten: TFT-Monitor auseinandernehmen, Leiterplatte zerschneiden, LC-Display in passende Größe schneiden, Kanten verschließen, testen. Die genaue technische Vorgehensweise ist nicht zu erfahren; bekannt ist aber so viel, dass größere Formate (ab 10 Zoll) mit einem Laser geschnitten werden, kleinere mit einem Diamanten. Die außen auf dem Glas sitzenden Kunststoff-Polarisationsfolien müssen zuvor abgezogen werden.

Die Praxis zeigt, dass der Flüssigkristall aus dem wenige µm engen Zwischenraum so schnell nicht ausläuft. Auch die Gefahr, dass sich der Abstand der Glasplatten verändert, ist relativ gering, da innen Glaskügelchen als Distanzhalter dazwischen sitzen und von außen der Luftdruck wirkt. Ein geeigneter Kleber versiegelt die offene Kante. Der gesamte Vorgang dauert ungefähr zwei Stunden. Die technischen Daten des Displays bleiben (mit Ausnahme der Pixel-Zahl) praktisch unverändert.

Geeignet sind dafür - zumindest im Prinzip - alle LC-Displays, die von zwei benachbarten Seiten her über flexible Leiterbahn-folien kontaktiert werden. An den beiden der Ansteuerung gegenüber liegenden Seiten können Streifen abgeschnitten werden, ohne dass der verbleibende Teil Schaden nimmt. Aus einem großen Display wird demnach immer nur ein einziges kleineres. Der abgeschnittene Teil hat keine Ansteuerung mehr und ist Abfall. Am Ende der Prozedur steht ein sorgfältiger Test. Mittlerweile funktioniert das Verfahren so zuverlässig, dass es sogar die Luftfahrt-Anforderungen erfüllt.

Auch schräge Schnitte sind möglich

Was dabei zu beachten ist: Die Zeilen und Spalten sind in der Praxis immer zu mehreren Untergruppen zusammengefasst (z.B. 3 cm breit), für die jeweils ein eigener Treiberbaustein zuständig ist. Daher sind Schnitte nicht an beliebigen Stellen möglich, sondern immer nur zwischen zwei Treibern. Für exotische Designs sind auch schräge Schnitte möglich - an der einen Ecke zwischen den beiden nicht kontaktierten Kanten.

Tannas hat Lizenzen an eine Reihe von anderen Firmen vergeben, bei denen man sich Displays nach Maß anfertigen lassen kann. Eine davon ist STI (Systems Technology, Inc.) in Südkorea mit engen Kontakten zu vielen Display-Herstellern. Möchte jetzt ein Kunde ein -bestimmtes Format haben, dann ermittelt STI aufgrund der angelegten Datenbank, welcher Display-Typ die dafür am besten passende Treiberanordnung hat. Nicht in jedem Fall wird der Wunsch millimetergenau erfüllbar sein. Der Kunde muss einen gewissen Toleranzbereich angeben. Dazu kann er dann eine passende Hinterleuchtung anfertigen lassen, bei Bedarf auch eine Touchscreen-Folie sowie ein geeignetes Gehäuse.

Wer hierzulande Displays in Sonderformaten benötigt, der braucht aber nicht in Korea anzufragen, sondern kann sich bei der Firma Elektrosil in Hamburg beraten lassen. Im direkten Kontakt verlaufen die Vorbereitungsgespräche weitaus einfacher. Die hiesigen Mitarbeiter bereiten alles passend vor und fragen dann bei STI an, was machbar ist. So kommt der Kunde im Endeffekt auch bei kleinen Stückzahlen sehr viel kostengünstiger und schneller an seine gewünschten Displays, als wenn er sie direkt bei einem Großhersteller bestellen würde.