Die LED sucht noch nach dem Standard

Auf dem Fachforum »FutureLED Berlin 2008« erlangten die Teilnehmer neueste Erkenntnisse über die LED in der Allgemeinbeleuchtung. Neben vielen Fragen, welche die Vorträge beantworteten, wurden auch die Probleme laut, die die weiße LED daran hindern, um im General-Lighting-Markt anzukommen.

»Thermisches Management ist ein Problem, die Versorgungstechnik, die Temperatur innerhalb der Leuchte, Reflektoren, welche Farbstoffe verwende ich, welche Farbtemperatur – all das muss in einem Standardsystem realisiert sein«, weiß Dr. Adrian Mahlkow vom Optotransmitter Umwelt-Technologie (OUT) e.V. und fachlicher Leiter des Forums. »Und eben dieses standardisierte Komplettsystem, das man benötigt, um eine LED als universelle Lichtquelle zu nutzen, gibt es noch nicht. Es gibt nur Einzellösungen, die entsprechend den Kundenanforderungen entwickelt und gebaut werden«, so der Forscher weiter. Insgesamt 26 Teilnehmer – Leuchtenherstellern und Distributoren – reisten aus ganz Deutschland sowie aus Österreich nach Berlin, um sich über den neuesten Stand der Entwicklungen auf dem LED-Sektor zu informieren.

Bei dem Fachforum war es Dr. Mahlkow wichtig, den kompletten Bogen von der LED-Idee bis zum Produkt abzustecken. So umfasste das Programm etwa Vorträge zu den allgemeinen Grundlagen der LED, zum thermischen Management, zu integrierten RGB-Farbsensoren, Leiterplatten und zu Lichtmesssystemen für LEDs. Aber auch Themen aus der Praxis, etwa Beiträge von Osram und Philips zum aktuellen Entwicklungsstand weißer Hochleistungs-LEDs und Chips, standen auf dem Programm. Großes Interesse fand darüber hinaus auch der Vortrag von Andreas Danler vom Martenbach Lichtlabor in Innsbruck, der innovative Großprojekte der Fassaden- und Innenraumbeleuchtung und deren Herausforderungen vorstellte als auch die neuesten LED-Operationsleuchten.

Dr. Matthias Lindemann von der physikalisch technischen Bundesanstalt in Braunschweig referierte über die Photometrie an LEDs mit Fokus auf Einheitentransfer, Normung und Standardisierung. Bei der Frage nach der LED-Entwicklung machte der Forscher auf einige Schwierigkeiten aufmerksam, was insbesondere die spektrale Verteilung des Lichtes angeht. Nach seinem Kenntnisstand spielen zudem gesundheitliche Probleme eine nicht unwesentliche Rolle: »Der große Blauanteil kann problematisch werden. Es gibt Hinweise dafür, dass wenn der Blauanteil in der Strahlungsverteilung der LED zu hoch ist, dies den Hormonhaushalt negativ beeinflusst. Und das kann zu Schlafstörungen führen sowie Zivilisationskrankheiten wie beispielsweise Herz- und Kreislauferkrankungen begünstigen. Dieses Problem muss gelöst werden, bevor die Produkte großflächig vertrieben werden«, warnt der Experte.

Geht es vor allem darum, lediglich weißes Licht zu erzeugen, um beispielsweise eine große Werkshalle zu beleuchten, wird die LED aus Sicht von Experten die Leuchtstoffröhre oder auch die Hochdruckentladungslampe auch in Zukunft nicht ablösen. »Sie ist zehn Mal teurer als eine Energiesparlampe und liefert genauso viel Licht«, so Dr. Mahlkow. Zudem fehle ihr das Standardsystem auf breiter Front, damit sich problemlos Leuchtmittel austauschen lassen. »Wenn ich knallhart rechne: Woher bekomme ich gutes Licht für wenig Geld und wenig Energieverbrauch, dann hat die LED zurzeit keine Chance«, ist Dr. Mahlkow überzeugt.

Wo hingegen die LED gegenüber ihren Konkurrenten eine große Chance habe, ist sich der Forscher sicher, sei über ihr Alleinstellungsmerkmal, nämlich die Ansteuerbarkeit, die Dimmbarkeit ohne Farbigkeit zu verlieren, und ihre weitaus höhere Lebensdauer. Dieser Mehrwert mache die LED für viele Bereiche attraktiv, zum Beispiel dort, wo eine Farbstimmung erzeugt werden soll, etwa auf Langstreckenflügen. Im Innern des Flugzeugs können mit roten, gelben, grünen und blauen LEDs Tag und Nacht simuliert werden, eine untergehende Sonne oder auch ein Sternenhimmel. Auch wo Gewicht und geringer Platzbedarf eine Rolle spielen, habe die LED eine Chance, etwa in der Cockpitbeleuchtung, so der Experte.