Resistive Touchpanels Auslaufmodell oder sinnvolle Alternative?

Kapazitive Touch-Displays sind heute in zahlreichen Consumer-Geräten verbaut. Sie ermöglichen eine komfortable Multi-Berührungs- bzw. Gestensteuerung. Aber eignen sie sich auch für industrielle Anwendungen? Oder haben dort resistive Touchpanels nicht doch technische und ökonomische Vorteile?

von Dr. Hagen Ploog, technischer Leiter, und Michael Beu, Marketing, beide bei admatec.

Durch ihre zunehmende Verbreitung haben Smartphones und Tablets dazu geführt, dass sich viele von uns an die Haptik und die Funktionsweise kapazitiver Touchpanels gewöhnt haben. Daher liegt es nahe, auch im Bereich von Industrieapplikationen derartige Mensch-Maschine-Schnittstellen zu diskutieren. Kapazitive Touchpanels (CTP) bieten gegenüber resistiven Lösungen dem Anwender einige Vorteile. So lässt sich zum Beispiel durch den Einsatz von chemisch behandeltem Frontglas eine Oberflächenhärte von bis zu 9H realisieren. Darüber hinaus sind CTPs grundsätzlich multitouchfähig.

Was vielen Entscheidungsträgern dabei nicht klar ist, ist, dass neun von zehn Anwendungsfälle kostensensibler, aber ebenso effektiv mit resistiven Touchpanels gelöst werden könnten. Um zu verstehen, warum das so ist, und wo die Risiken beim Einsatz eines kapazitiven Touchpanels liegen, ist es nützlich, die Funktionsweise der beiden Ansätze näher zu betrachten.

Probleme bei kapazitiven Touchpanels

beide

Die Funktionsweise eines CTPs basiert auf der Messung und der Auswertung eines sich verändernden elektrischen Feldes. Dieses Feld wird mithilfe von Wechselspannung auf der ITO-beschichteten Seite (Indium-Zinnoxid) des kapazitiven Touchpanels erzeugt. Nähert sich ein elektrisch leitfähiges Medium, zum Beispiel ein Finger, verändert sich das erzeugte elektrische Feld (Bild 1). Es bildet sich eine zusätzliche Kapazität aus und Elektronen beginnen durch das Feld in das leitende Medium zu fließen. Diesen Abfluss von Elektronen über Elektroden misst und bewertet ein Sensorchip. Diese Arbeitsweise erübrigt jeglichen mechanischen Kraftaufwand zur Bedienung, birgt jedoch auch einige Risiken beim Einsatz. So können andere leitende Medien, beispielsweise Regentropfen, in den Einflussbereich des CTPs geraten und eine Kapazität aufbauen, was zu einer ungewollten Eingabe führen kann.