Chinesischer LED-Markt im Umbruch Analysten erwarten massives Wachstum

Die Top-LED-Lieferanten wie Nichia, Osram, Lumileds und Cree haben bisher nur einen geringen Einfluss der chinesischen Anbieter auf ihren Umsatz gesehen. Das könnte sich – vor allem auf dem europäischen und amerikanischen Markt – in den kommenden Jahren allerdings drastisch ändern.

Chinas massive Investitionen in LED-Fertigungskapazitäten scheinen sich auszuzahlen. In der aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts IHS Technology hat es nämlich erstmals ein chinesisches Unternehmen in die Top 10 des Weltmarktes für gehäuste LEDs geschafft: MLS Electronics kletterte von Platz 14 im Jahr 2012 auf Platz 10 in 2013 und reihte sich in das bislang von Herstellern aus Japan, Deutschland, Südkorea, den USA und Taiwan beherrschte Feld ein.

Für die IHS-Analysten ist das nur eine konsequente und durchaus zu erwartende Entwicklung. »Weltweit betrachtet entfiel der größte Anteil der seit 2011 durchgeführten Ausbauten der LED-Produktionskapazitäten auf China«, erklärt Jamie Fox, Hauptanalyst für LED-Technik bei IHS. »Daher war es quasi unvermeidlich, dass chinesische Unternehmen in die Reihen der Top-10-LED-Lieferanten vordringen. MLS war der erste, der sich in die globale Elite einreihen konnte, nachdem sich das Unternehmen unter anderem dank der starken Inlandsnachfrage als klarer Marktführer auf dem chinesischen Markt etabliert hat.« Für den Analysten ist damit auch klar, dass sich chinesische Firmen bald schon zu ernsthaften Konkurrenten im weltweiten LED-Markt entwickeln werden.

Konsolidierung eines fragmentierten Marktes

Derzeit stellt sich der chinesische Markt noch stark fragmentiert dar, mit tausenden kleiner Hersteller, die jedoch in der Weltrangliste keine Rolle spielen. Kennzeichnend für diesen Markt ist, dass MLS als lokaler Marktführer im Jahr 2013 nicht einmal 10 Prozent des chinesischen LED-Umsatzes für sich verbuchen konnte, die nächsten fünf größten LED-Lieferanten vertreten zusammen ebenfalls nur etwa 20 Prozent des Marktes. MLS und die kleineren chinesischen Lieferanten konkurrieren untereinander um einen Anteil am großen inländischen LED-Markt, der internationale Umsatzanteil dieser Unternehmen hingegen ist noch sehr klein.

Auf der anderen Seite machen die extrem niedrigen Preise auf dem chinesischen Markt das Land nahezu unzugänglich für ausländische Lieferanten. Daher begegnen die Marktgrößen Nichia, Osram, Lumileds und Cree den chinesischen Konkurrenten nicht sehr oft. Aber das könnte sich schnell ändern: IHS erwartet, dass der LED-Umsatz der chinesischen Hersteller mit der florierenden Wirtschaft des Landes konstant wachsen wird und die chinesischen LED-Lieferanten im Zuge dessen auch immer häufiger ins Ausland verkaufen werden.

Mit dem massiven Ausbau der LED-Produktionskapazitäten in China werden auch Bedenken in Bezug auf Überkapazitäten laut. Ein Teil der Ausrüstung für die metallorganische chemische Gasphasenabscheidung (MOCVD) – dem wichtigsten Prozessschritt in der LED-Produktion – befindet sich bereits jetzt in China im Leerlauf. Beobachter gehen davon aus, dass die Überkapazitäten für einige chinesische Lieferanten das Aus bedeuten wird.