next!-Kommentar von Matthäus Hose: „Früher war die Zukunft auch besser“...

...sagte einst der bayerische Philosoph und Kabarettist Karl Valentin. Und wenn man die Massenmedien nutzt, wird es einem leicht gemacht, betrübt in die Zukunft zu blicken.

Denn seit nunmehr einem Jahr werden wir bombardiert mit Horrormeldungen à la „globaler Abschwung, Deutsche Exporte stürzen ab wie seit 15 Jahren nicht mehr, ganz Europa versinkt in Rezession, Deutschland steht vor einem düsteren Jahr, Automanager erwarten fünf düstere Jahre, negatives Wachstum allerorten...“

Wobei ich die Bezeichnung negatives Wachstum ein wenig zu pessimistisch finde. Anstatt von negativem Wachstum zu sprechen, würde ich die Formulierung „Positiver Rückgang“ treffender finden. Ich bin Optimist.

Die Ursachen für den gefühlten schlechtesten Ifo-Geschäftsklimaindex seit dem 30-jährigen Krieg sind vielfältig und komplex. Ich persönlich glaube, dass einige Massenmedien eine Mitschuld an der miesen Stimmung trifft.

Jeder, der schon mal autogenes Training gemacht hat, weiß wie Autosuggestion wirkt. Und so ist es kein Wunder, dass die negative Berichterstattung, die im Übrigen schon lange vor 9/15, also der Lehman- Pleite, einsetzte, zu einem Musterbeispiel von „Selffulfi lling prophecy“ führte.

Denn bereits etliche Monate vor Lehman, Kaupthing, Hypo Real Estate und anderen Desastern warnten Propheten unablässig vor dem Abschwung und einer drohenden Krise unüberschaubaren Ausmaßes. Welche Leistung. Jeder Erstsemestler, der nur mal vor einer BWL- oder VWL-Fakultät geparkt hat, weiß, dass im Konjunkturzyklus nach Aufschwung und Boomphase der Abschwung folgt. Nur dass dieses „Theorem“ in diesem Zyklus dermaßen aufgebauscht wird, überrascht mich doch sehr.

Und durch das Mantra von der Rekordrezession sind selbst die optimistischsten und mutigsten Manager ins Grübeln gekommen. „Können wir die geplanten Investitionen wirklich noch finanzieren?“, „handle ich verantwortungsbewusst, wenn ich all diese Horrormeldungen ignoriere, nur weil es bei uns gut läuft – noch?“

Es passierte, was passieren musste. Die Investitionen wurden zurückgefahren: Und in irgendeiner Branche musste es dann garantiert einschlagen. Ganz an vorderster Front stand diesmal die Automobilzulieferindustrie, ein Rückgrat unserer Wirtschaftsmacht.

Dann haben wir den Salat gehabt. „Wenn es da schon so stark bergab geht, wann erwischt es dann uns?“ Die Würze für den Salat – ich hoffe, Sie verzeihen mir die kulinarische Metapher – waren dann nachrichtentechnische Knaller wie diverse Landesbankenskandale, gierige Bonus-Banker, Frau Conti-Schaeffl er mit Tränen im Auge und Nerz am Hals und natürlich die allgegenwärtige Opel-Krise. („Opelopelkaravanniemandwillnenopelfahrn“ hieß es bereits in den 70er Jahren).

Und jetzt? Wie viel Spielraum nach unten bleibt der Medienberichterstattung bei Spiegel, SZ und Konsorten noch? Wie lange können noch Rekordrückgänge ins Volk getragen werden bis der Rekordtiefststand endlich erreicht wird?

Pessimisten gewinnen immer. Geht es schlecht aus, haben sie es ja schon immer gewusst. Geht es gut aus, können die Pessimisten immer noch sagen: „Es ging ja nur so aus, weil ich rechtzeitig davor gewarnt habe, dass es auch schlecht ausgehen könnte.“ Pessimisten sind flexibel. So darf ich heute am 9. April 2009 auf spiegel.de lesen: „Keine Anzeichen für wirtschaftliche Erholung.“ Ich glaube, es geht bald aufwärts.