National Semiconductor: »Die Energiekrise bietet uns ganz neue Chancen«

Brian Halla, CEO von National Semiconductor, im Gespräch mit Markt&Technik über Zukunftschancen und neue Märkte.

Brian Halla betritt das Konferenzzimmer, das darauf hin etwas kleiner wirkt. Gern unterstreicht er mit raumgreifenden Gesten seine Antworten. Er liebt es, das Gespräch immer wieder mit Anekdoten aus seiner langen Zeit als Manager in der Halbleiterbranche zu würzen. Und er sprüht vor Optimismus. Ölpreise, Rezession, Dollarkurs? Alles lenke nur von der großen Chance ab, sich der wirklichen Herausforderung zu stellen: der Energiekrise. »Und die können wir lösen!«, ruft er siegesgewiss aus.

Markt & Technik: Derzeit sprechen fast alle Unternehmen von der Notwendigkeit, Energie zu sparen und streichen sich eifrig grün an, von den FPGA-Herstellern über die Prozessorhersteller mit Multicore-Ansätzen bis zu Ihren Wettbewerbern im analogen und Power-Management-Bereich. Was unterscheidet National Semiconductor?

Brian Halla: Ja, gerade die Hersteller von FPGAs, Controllern, DSPs und Prozessoren sprechen gerne von Energieeffizienz. Sie können die Taktfrequenz nicht weiter erhöhen, sind mehr oder weniger gezwungen, auf Multicore-Systeme und parallele Verarbeitung überzugehen und verkaufen das als energieeffizient. Das sind aber oft nur Lippenbekenntnisse. Denn sie arbeiten meist schon mit der maximalen Leistungsdichte.

Wirtschaftlich befinden sich die USA in einer eher schwierigen Situation, hier seien nur Dollarkurs und Ölpreis erwähnt. Wird National die Planungen deshalb eher nach unten korrigieren müssen? 

Mittelfristig sehen wir keinerlei Grund zum Pessimismus. Der hohe Ölpreis bietet uns sogar Chancen. Wir müssen Solarenergie, Windenergie und weitere Alternativen weiter entwickeln. Der Wirkungsgrad der Photovoltaik ist noch relativ gering, da haben wir bisher nur an der Oberfläche gekratzt. Energieeffizienz spielt sich für uns auf mehreren Ebenen ab. Für unsere energieeffizienten Lösungen, sowohl auf Produkt- wie auch auf Systemebene, haben wir das Label »PowerWise« eingeführt, um sie für die Kunden sofort erkennbar zu machen.

Energie durch höhere Effizienz zu sparen ist die eine Seite. In vielen Anwendungen wäre es wünschenswert, Energie direkt aus der Umgebung zu gewinnen, beispielsweise könnten dann Knoten in drahtlosen Sensornetzwerken autark arbeiten, ohne auf Batterien angewiesen zu sein. Ist das ebenfalls ein Bereich, den Sie zur Energieeffizienz zählen?

Ich habe kürzlich ein Patent genau dafür erhalten: Drahtlose Sensornetzwerke. Wir müssen uns alle Möglichkeiten, Energie zu sparen oder aus der Umgebung zu gewinnen, genau anschauen. Die Sensoren spielen dabei eine wichtige Rolle. Bisher nehmen sie die Signale auf, die A/D-Wandlung findet dort häufig im Anschluss statt und dann werden sie zur weiteren Verarbeitung an einen DSP weitergeleitet.

Es wird also viel Energie verbrannt, um viele Daten zu übertragen, die dann erst analysiert werden und von denen viele gar nicht wichtig sind. Wir wollen den Weg beschreiten, ein intelligentes Frontend aufzubauen, das die Signale schon vorab analysiert, und zwar auf analogem Weg, ähnlich wie auch das Gehirn Daten verarbeitet. Das ist nämlich eine effizientere Art, als sie erst in den digitalen Bereich zu wandeln und dann im DSP zu verarbeiten.