Moxa plant Firmengründung im Industrial-Wireless-Segment

Auf der gestrigen Pressekonferenz gab Martin Jones, Sales Director von Moxa, bekannt, dass das koreanische Unternehmen zur Jahreswende eine Firmengründung im Industrial-Wireless-Sektor plant.

Es muss nicht immer Draht sein: Mit WiMAX (Worldwide Interoperability for Microwave Access) steht ein Funk-Standard für Mittelstrecken-Funknetze zur Verfügung, der etwa ab 2007/2008 bei uns sehr häufig eingesetzt werden wird – einerseits als DSL-Alternative, andererseits als Großflächen-WLAN. Hier ein „Status quo“.

Das neu entstehende Tochterunternehmen Moxa-Wireless-Industry wird als selbstständiges Unternehmen agieren. Der Fokus richtet sich dabei auf die industriellen Wireless-Technologien. Eine eigene Entwicklungsabteilung soll das neue Unternehmen bei der Weiterentwicklung dieser zukunftsweisenden Technologien unterstützen.

Zu den Schwerpunkt-Technologien von Moxa-Wireless-Industry zählen der WLAN- und der Mobilfunk-(GPRS)-Sektor. Im nächsten Schritt soll das WPAN-(ZigBee und Bluetooth)-Segment folgen.

Moxa verfügt weltweit über 480 Mitarbeiter bei einem jährlichen Umsatz von 82 Millionen Euro (in 2007). In den letzten Jahren konnte das koreanische Unternehmen ein jährliches Umsatz-Wachstum von rund 30 Prozent verzeichnen.

INHALT:
Industrie-Unterstützung: Vorreiter ist Intel
Gute Chancen als DSL-Alternative
WiMAX und WLAN im Vergleich
Netzaufbauten setzen ein
Internationale Bewährungsproben

Praktisch alle namhaften Halbleiterhersteller, allen voran natürlich WiMAX-Verfechter Intel, arbeiten momentan an WiMAX-Chips und Chipsätzen, wobei man von vorneherein anstrebt, möglichst klein und leistungssparend zu bleiben, denn WiMAX soll vor allem in mobile Geräte Einzug halten – nicht zuletzt als „Langstrecken-WLAN“ (siehe Tabelle).

Industrie-Unterstützung: Vorreiter ist Intel

Mit theoretisch bis zu 50 km Reichweite und einer Datentransferrate bis 108 Mbit/s (bei 28 MHz Bandbreite) übertrifft WiMAX die derzeit aktuelle WLAN-Technik, die im Außenbereich- Einsatz mit 802.11a/h- Technik auf mehrere km Reichweite kommt, bei Datenraten bis max. 54 Mbit/s. Diese Datenrate teilen sich alle beteiligten Nutzer, dabei ist es unerheblich, ob eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger besteht. Wegen der hohen Leistungsfähigkeit wird die WiMAX-Technik u.a. auch als Alternative zu DSL-Leitungen und UMTS-/OFDM-Verbindungen diskutiert. Die Technik wird maßgeblich vom Chiphersteller Intel betrieben, der Chips für Notebooks für 2006 und Chips für Telefone für 2007 angekündigt hat.

Bisher haben sich 350 Technologieunternehmen im WiMAX-Forum zusammengeschlossen, um durch Standardisierung von WiMAX dessen Kompatibilität mit den Produkten der verschiedenen Hersteller zu gewährleisten. Bei WiMAX ist Sprachübertragung möglich. Dafür ist ein so genannter Quality-of- Service-Parameter (QoS) vorgesehen, der Sprachdatenpakete bevorzugt abarbeitet. Es gibt im Rahmen des WiMAX-Verfahrens mehrere verschiedene Standards, gültig sind die für nicht-mobile Anwendungen konzipierten Verfahren IEEE 802.16-2004, IEEE 802.16.2- 2004, IEEE 802.16/Conformance01/ 02/03-2003.

Noch in Entwicklung sind die für mobile Applikationen vorgesehenen Standards IEEE Draft 802.16e, IEEE Draft 802.16f. Für den „Fixed WiMAX“-Betrieb (IEEE 802.16-2004) muss die Antenne des Empfängers allerdings entweder an der Außenwand oder aber innerhalb des Hauses fest angebracht sein. In der nächsten Ausbaustufe von WiMAX, IEEE 802.16e, wird dann der mobile Empfang mit Notebooks und Handys integriert, der auch den Wechsel zwischen verschiedenen Funkzellen (Roaming) unterstützt. Dabei sollen eine maximale Übertragungsrate von 20 Mbit/s und eine Reichweite von 5 km machbar sein.

Auch in den beiden Gemeinden Seevetal und Rosengarten (südlich von Hamburg) wird ein WiMAX-Netz aufgebaut, welches direkt zum Kunden geht, ohne eine WLAN-Basissation zum Weiterverteilen. Im August 2005 wurde WiMAX unter den Namen MAXXtelecom durch die Deutsche Breitband Dienste GmbH (DBD) in Heidelberg flächendeckend in Betrieb genommen. Mit der dortigen Fachhochschule hat sich gleich ein erster Kunde für das neue Angebot entschieden. Die Standard-Endgeräte haben eine symmetrische Bandbreite von 1,5 Mbit/s bis zu 3,5 Mbit/s. Darüber hinaus bietet DBD individuelle Systeme mit Bandbreiten bis zu 155 Mbit/s an. Eine Einführung von VoIP ist in Planung.

Nach einschlägigem Engagement einer Bürgerinitiative wurde im November 2005 in Berlin durch die DBD unter dem Namen MAXXtelecom ein flächendeckendes WiMAXNetz für Privat- und Geschäftskunden im Bezirk Pankow in Betrieb genommen, das innerhalb von 18 Monaten auf ganz Berlin ausgebaut werden soll. Einen Ableger, allerdings ohne offizielle Spezifikation, bietet derzeit die Firma mVox aus Bayern für ländliche Gebiete ohne Breitbandanschlussmöglichkeit an. Mehrere Orte in Niederbayern stehen vor der Installation.

Internationale Bewährungsproben

In Österreich bietet „WiMAX Telecom“ im Burgenland privaten Anwendern Voice-over-IP-Dienste, und in der Dominikanischen Republik baut die BEC Telecom gerade ein Netz auf. „Irish Broadband“ verbindet im irischen Dublin Schulen und Behörden mit dem Internet. SferaNet offeriert im südlichen Polen WiMAX-Dienste für die öffentliche Sicherheit, die örtliche Regierung sowie für Schulen. Auch die taiwanesische Regierung hat zugesagt, 1,12 Mrd. US-Dollar in Mobilitätsinitiativen wie WiMAX zu investieren. Nicht zuletzt „WiMAX-Motor“- Intel hat Fühler nach Südostasien ausgestreckt. Der Halbleiterkonzern arbeitet dort mit Regierungen, Regulierungsbehörden für Telekommunikation, öffentlichen Einrichtungen für Bildung, Gesundheit und Landwirtschaft sowie Netzanbietern zusammen, um die Entwicklung von WiMAXNetzen voran zu bringen.

Drahtloses WiMAX-Internet soll auch den Gästen der Olympischen Spiele 2008 in Peking helfen, sich in der Stadt zurechtzufinden. Die Firma Capinfo hat eine Software entwickelt, die es möglich macht, mit Smartphones im Internet Informationen über die Stadt abzurufen. Es soll zudem möglich sein, auf eine Datenbank mit Touristeninformationen zuzugreifen, im Jahr 2006 sollen bereits 10 000 Teilnehmer an einem Pilotprojekt teilnehmen.

Wolfgang Hascher, Elektronik