Mit Plattformen die Komplexität zähmen

Xilinx setzt seit langem auf domain-spezifische Plattformen, Rivale Altera dagegen weiterhin auf generische Lösungen. Xilinx-CEO Moshe Gavrielov, erklärt im Interview, warum der »Xilinx-Ansatz« seiner Meinung nach der erfolgreichere ist.

Markt&Technik: Xilinx setzt auf applikationsspezifische Plattformen – für Anwendungen, die beispielsweise sehr stark logikgetrieben sind oder eine hohe DSP-Leistung benötigen. Worin besteht der Vorteil dieses Ansatzes für den Kunden? Ist verkürztes Time-to-Market alles?

Moshe Gavrielow: Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Lassen Sie mich zuerst den Kontext erklären, in dem dieser Ansatz steht. Zunächst zur Geschichte: Vor zehn Jahren fanden FPGAs als Glue-Logik Verwendung und wanderten vor allem in die Infrastruktur für die Kommunikation. Heute bilden die FPGAs aufgrund technologischer Fortschritte, aber auch aus wirtschaftlichen Überlegungen viel häufiger das eigentliche Zentrum des Hardware-Designs, und das gilt bei weitem nicht nur für die Kommunikation.

Den besten Beweis dafür stellt die Umsatzverteilung von Xilinx dar: Früher machten wir 80 Prozent in der Kommunikation, heute sind es nur noch 40 Prozent. Mittlerweile ist ein FPGA ein sehr komplexes SoC mit Logik, Speicher, diversen IP-Cores, embedded Mikroprozessoren und DSPs sowie vielen seriellen High-Speed-Interfaces. Diesem Mehr an Technologien kann nicht mit einem einfachen Ansatz entsprochen werden. Wir versuchen, mit unseren verschiedenen Plattformen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der diversen Märkte einzugehen. Die Vorteile der Lösungen bestehen darin, dass sie enger mit den Kundenanforderungen verknüpft sind.

Und dementsprechend können unsere Kunden sie einfacher entwickeln, und wir können sie einfacher unterstützen. Für einen FPGA-Hersteller wie Xilinx besteht eine der größten Herausforderungen darin, dass wir Tausende von Kunden haben, die auf die unterschiedlichsten Applikationen verteilt sind. Mit unseren Plattformen wollen wir die große Zahl an Kunden bestmöglichst zu unterstützen. Die Plattformen sind weiterhin komplett programmierbar, also entsprechend flexibel. Aber der Support, den wir leisten müssen, der ist nicht mehr so hoch.

Der Nachteil besteht darin, dass die Lösungen nicht mehr generisch sind…

Wenn dem Entwickler ein vollkommen offenes Gefäß zur Verfügung steht, in das er hineingießen kann, was er möchte, dann ist er freier. Hat er aber eine bestimmte Anwendung im Visier, kann er die entsprechende Plattform auswählen und muss nicht mehr von Null anfangen. Wenn ihm seine Freiheit lieber ist, so bieten wir dafür ebenfalls FPGAs an. Wir wollen unsere Kunden so wenig wie möglich einschränken.

Werden also mit schrumpfenden Strukturgrößen die anderen FPGA-Hersteller ihrem Ansatz folgen müssen, weil der Aufwand für eine Entwicklung von Null ins Unermessliche steigen wird?

Lassen Sie mich mit einem Vergleich antworten: Wie viele Software- Entwickler nutzen Assembler und wie viele eine Hochsprache? Klar, Programme, die in Assembler programmiert sind, erreichen die beste Performance. Aber es gibt einfach nicht mehr viele, die das wirklich können. Und die Produktivität ist niedrig. Weil die Technik immer komplexere Lösungen zulässt, muss man den Entwicklern vorverifizierte, vorintegrierte Lösungen anbieten. Damit helfen wir den Kunden. Wir zwingen sie aber nicht, sie zu nutzen.