Mit »Atomwaffen« gelingt nicht alles

Ob Intel mit dem Atom-Prozessor den Sprung auf den Embedded-Markt tatsächlich schaffen wird, hängt von einigen Faktoren ab. Leicht wird es der größte Chip-Hersteller gegen die etablierte Konkurrenz wie etwa ARM sicher nicht haben. Ein Faktor von vielen sind die Benchmarks.

Ob Intel mit dem Atom-Prozessor den Sprung auf den Embedded-Markt tatsächlich schaffen wird, hängt von einigen Faktoren ab. Leicht wird es der größte Chip-Hersteller gegen die etablierte Konkurrenz wie etwa ARM sicher nicht haben. Ein Faktor von vielen sind die Benchmarks.

Bei den EEMBC-Benchmarks (embedded benchmark suites) wurde der Atom bei 1,2 GHz mit abgeschaltetem Hyper-Threading mit einem mit 600 MHz getakteten Cortex-A8 verglichen. Der Atom war knapp doppelt so schnell, woraus man schließen kann, dass der Geschwindigkeitsvorteil quasi linear von der Taktfrequenz abhängt. Bei eingeschaltetem Hyper-Threading rechnete ein 1,6-GHz-Atom mehr als doppelt so schnell wie ein mit 1 GHz getakteter Cortex-A8.

Auch im internen Vergleich schlägt Atom seine Konkurrenz. Bei 2,0 W TDP ist Atom 15 Prozent schneller als Intels ULV Celeron A110, bei 0,6 W TDP (die vom Celeron nicht erreicht werden kann) immerhin noch 75 Prozent so schnell.

Vor allen Dingen muss man berücksichtigen, dass zukünftige Versionen im 32-nm-Prozess weiteres Verbesserungspotential bieten. Intel will je nach Betriebszustand den aktuellen Energieverbrauch bis zu Faktor 50 (nicht wie ursprünglich angekündigt um Faktor 10) reduzieren.

Eine weitere Frage bezüglich des Erfolgs im Embedded-Markt stellt sich hinsichtlich der möglichen Differenzierung. Firmen wie ARM, MIPS und ARC verkaufen lizenzierbare Core-IP, die von den Kunden in individuell designte SoCs mit fast beliebiger Peripherie integriert werden und sich somit in jeder Hinsicht vom Wettbewerb abheben können. Atom ist lediglich ein Standard-Prozessor.

Intel hat erkannt, dass im Embedded-Markt der Erfolgsfaktor Differenzierung und Innovation ist. Deswegen sollen in dem neuen 32-nm-Prozess 14 branchenspezifische SoCs gefertigt werden, eines wird nach dem Design-Win bei Harman mit Sicherheit ein automotives SoC sein, das neben einem Atom-Core diverse Schnittstellen wie CAN oder MOST aufweisen dürfte.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass OEMs mit diesen SoCs nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten zur Differenzierung haben und Ein-Chip-Lösungen schwer möglich erscheinen. Die einzige „echte“ Lösung wäre Atom als lizenzierbare IP, ob das jedoch jemals kommen wird, ist stark anzuzweifeln.

Um mit dem zweifellos technisch herausragenden Atom-Prozessor im Embedded-Markt Erfolg zu haben, bleibt Intel nur ein Weg: Man muss es schaffen, bei den Endkunden Begehrlichkeiten auf Geräte zu wecken, die den PC und vor allen Dingen das PC-Internet von heute unverändert auf mobile Geräte abbilden können. Sollte dieses gelingen (genug Geld für eine gigantische Marketingkampagne hat Intel ja) und sich die Vorhersage von Chef-Designer Belli Kuttanna als wahr herausstellen, dass es mit vertretbarem Aufwand unmöglich ist, die PC-Software von heute unverändert auf RISC-Maschinen zu portieren, könnte sich Atom für Intel tatsächlich als Goldgrube dieses Jahrhunderts erweisen.