Tyco: »›Early Involvement‹ ist der Schlüsselfaktor im Automotive-Sensormarkt«

Bekannt ist Tyco für seine Steckverbindungssysteme und elektromechanischen Komponenten, eines der am schnellsten wachsenden Segmente ist aber die Sensorik. Alexander Jakob, Director Global Marketing Mechatronics & Sensors Systems im Interview.

Markt&Technik: Insidern der Automobilindustrie ist der Sensorikbereich von Tyco Electronics sicherlich ein Begriff. In der breiten Öffentlichkeit jedoch ist es recht still um Ihr Unternehmen, wenn es um den Überbegriff Sensorik geht. Woran liegt das?

Alexander Jakob: Bis etwa 2002/2003 war die Sensorik für uns eher ein Nischengeschäft. In den letzten vier Jahren jedoch ist vor allem der Markt für kontaktlose Positionssensoren im Automotive-Bereich stark gewachsen. Wir zählten dabei zu den Pionieren – was uns einen großen Wettbewerbsvorteil brachte. Darauf aufbauend haben wir unseren Marktanteil kontinuierlich erweitert. Wir fokussieren auf ganz spezifische Anwendungen, in denen wir auf unserem tiefen Applikationswissen aufbauen können.

Vor einigen Wochen hat Tyco Electronics seine Radarsensor-Sparte verkauft. Warum trennt man sich von einem solchen Traditionsbereich, wo das Unternehmen doch 1999 den ersten Radarsensor auf den Markt gebracht und damit den Grundstein für den Abstandstempomaten gelegt hat?

Innerhalb eines so großen Marktes wie der Sensorik muss man sich auf die für das Unternehmen passenden Technologien und Applikationen fokussieren und sich entsprechend spezialisieren. Wir haben festgestellt, dass unsere Kernkompetenz im Bereich der Positionssensorik liegt und konzentrieren uns genau darauf.

Weltweit ist die Forderung nach energie- und treibstoffsparenden Fahrzeugen sprunghaft angestiegen. Allerorten ist der Begriff »Green Car« zu hören. Wie greift Tyco Electronics diese Entwicklung auf?

Mit unseren kontaktlosen Positionssensoren adressieren wir genau dieses Thema. Unser strategischer Fokus liegt dabei auf dem Antriebsstrang mit Motor, Kupplung und Getriebe sowie den Bremsen. Überall dort werden zunehmend kontaktlose Positionssensoren eingesetzt. Gerade unter dem Stichwort »Green Car« und Verbrauchsreduzierung ist für diesen Produktbereich ein sehr gutes Wachstumspotenzial zu erkennen. Dies bedeutet für uns interessante Entwicklungsmöglichkeiten, aber auch zunehmend Wettbewerb.

Ein Nischenmarkt ist das mittlerweile aber eher nicht mehr…

Nein, da haben Sie sicher Recht. Aber auch hier waren wir als Pioniere dabei, haben früh mit unseren Kunden Konzepte erarbeitet und sie gemeinsam zur Serienreife weiterentwickelt. Das gab uns erneut den Vorsprung, den wir brauchten. Generell ist das so genannte »Early Involvement« für uns einer der Schlüsselfaktoren, um eine führende Position am Markt zu erreichen und sie auch zu halten.

Europa ist traditionell einer der stärksten Märkte im Automobilsektor. Spiegelt sich das auch in der Auswahl Ihrer R&D-Standorte wider?

Ja, sicherlich. Unser Kompetenzzentrum ist in Speyer angesiedelt. Hier entwickeln wir die Basistechnologien. Aber immer wichtiger wird es auch, die Kunden vor Ort mit Entwicklungsspezialisten zu betreuen – und zwar weltweit. Kunden in anderen Regionen haben oft völlig unterschiedliche Anforderungen, die schnell vor Ort gelöst werden müssen. Dem tragen wir Rechnung, indem wir weltweit R&D-Ressourcen eingerichtet haben. Auch die kulturellen und sprachlichen Faktoren darf man dabei nicht außer Acht lassen. Ein lokaler Ansprechpartner ist immens wichtig. Übrigens gilt das auch für die Produktionsstandorte.