Messtechnik-Trends So sehen Experten die Zukunft der Oszilloskope

Durch innovative und hochintegrierte High-Speed-Halbleiter und immer ausgefeiltere Software entwickeln sich Oszilloskope mehr und mehr hin zu Universal-Messtechnik- und Signalanalyse-Computern. Wir fragten Fachleute mehrerer Oszilloskop-Hersteller, welche neuen Technik- und Applikations-Trends es in diesem Zusammenhang gibt.

Das Oszilloskop entwickelt sich hin zu einem Universal-Messtechnik-Tool, das in einem Gerät gleich mehrere – früher getrennt auf dem Labortisch stehende – Messgeräte in einem Gehäuse vereinigt: Selbst ein Scope der Mittelklasse kann heute auch ein Logik- und Bus-Analysegerät, ein Signalanalysator, ein Spektrumanalysator, Zähler, Voltmeter, Leistungsanalysator und sogar ein Generator sein. Dass es Analogsignale und als Mixed-Signal-Version auch Vielfach-Digitalbus-Pegel darstellen kann, ist ja ohnehin seit „ewiger Zeit“ schon eine Selbstverständlichkeit. Dennoch gibt es einige Trends am Horizont – und vor allem auch Weiterentwicklungen aufgrund der Forderungen des Marktes bzw. der Anwender. Hier die Meinungen der Fachleute.

Was wird sich bei den Oszilloskopen demnächst technisch tun? Wo sind Weiterentwicklungen aufgrund der Forderungen des Marktes?

Jay Alexander, Vice President and General Manager Oscilloscope and Protocol Division, Electronic Measurement Group, Agilent Technologies: Immer wichtiger werden die Benutzerfreundlichkeit und das „gute Gefühl“ beim Arbeiten mit dem Gerät. Das gilt besonders für die grafische Benutzeroberfläche, für die Art und Weise, wie sich Applikationen hinzufügen und konfigurieren lassen, sowie für die anwenderspezifische Modifizierbarkeit des Gerätes insgesamt.

Diese Facetten sind für viele Benutzer genauso wichtig wie die pure messtechnische Leistung, speziell dann, wenn sie nicht unmittelbar an der Grenze des Machbaren tätig sind. Auch die Messtechnik selbst entwickelt sich weiter. Neue Algorithmen, die Rohdaten in aussagekräftige Ergebnisse umsetzen, werden sich sowohl in neuen Applikationen als auch in der messtechnischen Leistung der Geräte selbst bemerkbar machen. Um etwa das Rauschen in einem so breitbandigen System wie einem 63-GHz-Oszilloskop so niedrig wie möglich zu halten, bedarf es einer perfekten Kombination aus Hardware und Mess- bzw. Kalibrier-Software. Auf diesem Gebiet erwarten wir weitere Fortschritte. Schließlich sehen wir eine kontinuierliche Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses durch die Mi­gration von Leistungsmerkmalen der High-End-Technologie in die einfacheren Geräteklassen. Das ist ein für die Elek­tronik-Industrie typischer Langzeit-Trend, von ihr selbst getrieben und für sie nützlich. Mess- und prüftechnische Geräte sind ebenso Teil dieses Ökosystems wie andere elektronische Produkte.

Jörg Fries, Leiter des Fachgebiets Oszilloskope bei Rohde & Schwarz:

Oszilloskope wandeln sich zu Multifunktionswerkzeugen für die Entwicklung von Embedded Designs. So vereinen die Oszilloskope von Rohde & Schwarz bereits heute Zeitbereichs-, Frequenzbereichs-, Logik- und Protokollanalyse in einem Gerät und bieten ein Voltmeter im Tastkopf. Dank empfindlicher Eingangsstufen, guter Kanal-zu-Kanal-Isolation und Single-Core-AD-Wandler mit einer ENOB von mehr als 7 bit lassen sich selbst kleinste Signale, wie sie vermehrt in mobilen, elektronischen Gütern vorkommen, sicher bewerten.

Eine leistungsfähige FFT ermöglicht spektrale Analysen auch mit dem Oszilloskop und eignet sich so für die frühe, entwicklungsbegleitende EMV-Fehlersuche. Angesichts des wachsenden Funktionsumfanges kommt auch der Visualisierung und Bedienung besondere Bedeutung zu. Beispiele hierfür sind eine dynamische, leicht an die Aufgabe anpassbare Anordnung mehrerer Messdiagramme sowie Messdatenausgabe, Live Views für minimierte Signale, leistungsfähige Zooms, eine auf Knopfdruck abrufbare Auswahl an Messparametern und eine effiziente Bedienung per Touch-Bildschirm.