Wearable Computing Mehr als nur Zeiteisen: Das können Smartwatches

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Junge Startups bieten sie an. Samsung arbeitet daran. Apple und Google geben es nicht zu. Smartwatches informieren den Besitzer längst nicht mehr nur über die Zeit, sondern zeigen auch SMS, Mails, Kontaktdaten oder Routeninformationen an. Wir haben ausgewählte Computeruhren unter die Lupe genommen.

Anrufe, Nachrichten und Erinnerungen bequem und unauffällig über die Armbanduhr einsehen – das und mehr versprechen die »intelligenten« Uhren. Einige Startups haben ihre Modelle schon vorgestellt, die Großen der Branche halten sich noch bedeckt.

Die überdurchschnittliche Unterstützung entsprechender Projekte auf Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter zeigt aber, dass smarte Uhren den Nerv der Zeit oder vielmehr den Wunsch der Nutzer treffen. Mal ehrlich: Man holt sein Smartphone doch meistens aus der Tasche, um nur kurz die Uhrzeit zu checken oder nachzusehen, wer einem gerade geschrieben hat. Genau hier setzt das Konzept »Smartwatch« an. Wir haben einmal genauer hingeschaut und zeigen, welche Alternativen schon heute oder in naher Zukunft auf den Markt drängen und wie es die großen Konzerne halten.

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Smartwatches: Diese Uhren bringen das Bond-Feeling

Smartwatches: Diese Uhren bringen das Bond-Feeling

Pebble: E-Paper Uhr für iPhone und Android

Die wohl bekannteste Smartwatch heißt »Pebble«, zu Deutsch Kieselstein, und kommt aus Palo Alto in Kalifornien. Das Startup sammelte online bereits mehr als 10 Mio. Dollar von knapp 70.000 Unterstützern ein und brachte den sprichwörtlichen Stein ins Rollen.

Die Armbanduhr besitzt einen 1,26 Zoll (3,2 cm) großen ePaper-Bildschirm, wie man ihn aus eBook-Readern kennt. Dieser ist sehr genügsam, was die Stromaufnahme betrifft, und besitzt eine Auflösung von 144 × 168 Pixeln. Angetrieben wird sie von einem ARM Cortex M3, der auf 120MHz getaktet ist.

Für die auf Android und iOS spezialisierte Pebble gibt es bereits zahlreiche kleine Apps, die man im »Watchapp Store« herunterladen kann. Darunter sind Anwendungen für Facebook und Twitter, Kalendertools oder auch kleine Spiele wie »Vier gewinnt«. Standardmäßig kann die Uhr Anrufe, Nachrichten und E-Mails anzeigen oder das Wetter vorhersagen. Auch eine Nutzung als Fahrradcomputer oder das Aufzeichnen Joggingrunden sind kein Problem für die Uhr. So gibt es eine für Pebble optimierte Version der Tracking-App »RunKeeper«, die Laufdistanzen und -geschwindigkeiten anzeigt. Dank des offenen SDKs werden sicher weitere nützliche Programme folgen. Bemerkbar macht sich die Uhr über einen Vibrationsalarm, Signaltöne sind nicht vorgesehen.

Die Pebble Smartwatch verbindet sich über Bluetooth mit dem Smartphone (ab iOS 5.0/Android 2.3). Sie ist wasserresistent, besitzt drei physische Tasten und hält bei normaler Nutzung etwa sieben Tage lang durch, ohne an die Steckdose zu müssen. Hergestellt wird sie wegen der hohen Nachfrage in chinesischer Massenproduktion. 150 Dollar (115 Euro) muss man für eine Pebble einplanen. Allerdings wurde der Versand nach Deutschland wegen Zollproblemen vorerst eingestellt. Es fehlten unter anderem Warnhinweise und eine deutsche Bedienungsanleitung. Man arbeitet aber an einer Lösung und will Vorbestellungen noch in diesem Jahr bedienen.

Agent, die smarteste Uhr der Welt?

Auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt: Die Agent stammt nicht von Q und wurde nicht für 007 entwickelt. Vielmehr handelt es sich auch bei diesem Projekt um ein junges Startup aus New York, welches gerade auf Kickstarter um Investoren wirbt. Dabei zeichnet sich ein ähnlicher Erfolg wie bei Pebble ab: Bereits am ersten Tag wurden 200.000 Dollar eingenommen und das geplante Investitionsziel damit zu 100 Prozent überstiegen. Agent ist eine Kooperation der Elektronikmanufaktur Secret Labs und der Uhrendesigner House of Horology.

Die Agent besitzt wie die Pebble ein schwarz-weißes ePaper-Display, welches von Sharp stammt und hohe Standby-Zeiten ermöglicht. Es besitzt eine Diagonale von 1,28 Zoll (3,25 cm) und löst mit 128 x 128 Bildpunkten etwas geringer auf als der Konkurrent. Die Highlights dieser Uhr sind eben jenes Memory-Display, welches selbst schnelle Animationen darstellen soll, und das kabellose Ladesystem. Die verbaute Technik erlaubt ein Aufladen mit dem Qi-System, welches bereits in Handys wie dem LG Nexus 4 oder dem Nokiua Lumia 920 zum Einsatz kommt. Neben diesem Coolness-Faktor, der Bond sicher gut zu Gesicht gestanden hätte, kommt, dass die Smartwatch wasserfest ist und der Akku eine ganze Woche lang durchhalten soll. Ohne aktive Bluetooth-Verbindung reicht es sogar für eine ganzen Monat. Ermöglicht wird dies durch einen zusätzlich zum Hauptprozessor (ARM Cortex M4 mit 120-MHz) verbauten Co-Prozessor, der im Schlummermodus einspringt. Prädikat: alltagstauglich.

Softwareseitig soll es Apps für Anrufe und Benachrichtigungen, aber auch fürs GPS-Tracking geben. Die Uhr vibriert zudem, wenn man sein Smartphone mal vergessen sollte und die Bluetooth-Verbindung abreißt. Die Standard-Uhrenanzeige lässt sich nach Belieben anpassen, sodass man ein individuelles Ziffernblatt einstellen kann. Auch als Musikplayer oder Wetterdienst lässt sich die Agent verwenden. Weil das eigene Betriebssystem Agent-OS für C#-Apps offen steht, sind hier sicher noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Leider ist Agent nur für Besitzer der neuesten Smartphone-Generation verfügbar. Die Uhr koppelt über das energieeffiziente Bluetooth 4.0 mit dem iPhone (ab 4S), einem Android-basierten Gerät (ab Version 2.3) oder mit einem Windows Phone (ab Version 8). Man arbeitet derzeit an einer CE-Zertifizierung und plant, die Uhr ab Dezember serienmäßig produzieren zu können. Der Listenpreis wird bei etwa 250 US-Dollar (192 Euro) liegen, noch kann man für den Frühbucherpreis von rund 126 Euro vorbestellen.