Keithley setzt auf R&D und Kundenpräsenz

Trotz der aktuell nicht wirklich guten Geschäftszahlen zeigt sich Klaus Leutbecher, Director Europe, MEA/India bei Keithley im Interview optimistisch. Das Unternehmen setzt nun auf Kundennähe und verstärkte Aktivitäten in Forschung und Entwicklung.

Markt&Technik: Herr Leutbecher, Keithley hat gerade seine Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2009 veröffentlicht. Demnach hat das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 31,1 Millionen US-Dollar erzielt - das ist ein Rückgang um 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Sind Sie besorgt?

Klaus Leutbecher: Nein, einen Anlass zur Besorgnis gibt es derzeit nicht. Ohne die wenig erfreulichen Ergebnisse unseres ersten Quartals 2009 herunterspielen zu wollen: Sie relativieren sich, wenn man berücksichtigt, dass das hier als Vergleich herangezogene Q1/2008 eines der besten Quartale in unserer Firmengeschichte war. Aber dennoch ist es ein starker Einbruch. Und es ist natürlich auch kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Q1/2009 ergab einen Nettoverlust von 2,4 Millionen Dollar. Ist Keithley in seiner Existenz bedroht?

Ganz sicher nicht. Es kommt uns einmal mehr zugute, dass die Anteilsmehrheit immer noch bei der Gründerfamilie und hauptsächlich bei unserem Präsidenten, CEO und Vorsitzenden des Aufsichtsrates Joseph P. Keithley liegt. Das Unternehmen hat ein ordentliches Finanzpolster auf der Bank und so gut wie keine Schulden. Unsere kurzfristig verfügbaren Mittel liegen bei etwa 30 Millionen US-Dollar. Bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Dollar ist das ein ganz gutes Polster.

Der Auftragseingang ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weltweit um 32 Prozent zurückgegangen. Hat es dabei regionale Unterschiede gegeben?

Besonders hart getroffen hat es Asien mit einem Rückgang um 41 Prozent. Amerika verbuchte ein Minus von 28 Prozent. Dagegen ist es uns in Europa noch vergleichsweise gut gegangen. Wir mussten einen Rückgang um 24 Prozent hinnehmen, wohlgemerkt immer verglichen mit einem der stärksten Quartale, die wir je hatten.

Keithley ist in unterschiedlichen Technologiebereichen zuhause. Wie haben sich die einzelnen Bereiche entwickelt?

Im Halbleiterbereich ging der Umsatz im Vergleich zum ersten Quartal 2008 um etwa ein Drittel zurück, das ist ganz klar auf die Situation im gesamten Halbleitermarkt zurückzuführen. Den stärksten Einbruch haben wir im Bereich Wireless erfahren, hier verzeichnen wir im Jahresvergleich einen Rückgang um fast 80 Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass die großen Telekommunikationshersteller alle einfach auf der Bremse stehen und momentan so gut wie gar nicht investieren.

Aber sind es nicht gerade die Kommunikations- und Hochfrequenz-Technologien, deren Entwicklung derzeit stark vorangetrieben wird?

Ja, das unterstreichen auch die Ergebnisse unserer Produktbereiche, die speziell auf R&D zugeschnitten sind. Hier verzeichneten wir »nur« einen Rückgang um 13 Prozent. Vor allem unsere vor etwa zwei Jahren vorgestellten HF-Produkte, bestehend aus Vektor-Signalgeneratoren und Vektor-Signalanalysatoren, sind in der Forschung und Entwicklung sehr gut angenommen worden. Wir haben eine Reihe wichtiger Auszeichnungen für unsere HF-Messtechnik bekommen. Des Weiteren adressieren wir damit eines der gerade aufkommenden Marktsegmente – das der Femtozellen. Einige der Vorreiter in diesem Markt setzen unsere Geräte bereits ein, zum Beispiel ip access und Ubiquisys. Dass wir dabei ganz vorne mitspielen und unsere Technologie auch in diesem Markt anerkannt wird, sehen wir als ein deutlich positives Zeichen.