Keine Krisenstimmung bei den Testdienstleistern

Dass es der Messtechnikbranche derzeit nicht gut geht, ist an sich nichts Neues. Weniger stark betroffen sind jedoch die Testdienstleister. Ihre Erfolgsfaktoren: branchenübergreifendes Testangebot und Alleinstellungsmerkmale im Know-how.

Spricht man über Dienstleistungen in der Elektronikbranche, kommt man schnell auf einen der wichtigsten Bereiche: den der Testdienstleistungen. Die Tätigkeitsfelder der Testhäuser sind vielfältig, den größten Teil dürften jedoch die EMV- (Elektromagnetische Verträglichkeit) und Halbleitertests ausmachen. Aber auch in Bereichen wie Entwicklungssysteme und Embedded Software profitieren Unternehmen zunehmend von Testdienstleistungen.

Testhäuser leben davon, dass Hersteller ihre Komponenten, Baugruppen, Software oder Endprodukte extern testen lassen, statt im eigenen Labor. Die Gründe dafür sind vielfältig: »Kunden eines Testhauses können dort auf ein umfassendes Test- und Fehleranalysewissen zurückgreifen, das unternehmensintern oft nicht vorhanden ist«, erklärt Holger Krumme, Assistent der Geschäftsleitung bei HTV Halbleiter-Test & Vertrieb. »Zudem ist oft teures Spezial-Equipment nötig, dessen Anschaffung für die Kunden meist keinen Sinn hat.«



Auch Johannes Borkes, Leiter IMST Prüfzentrum für CE/EMV, SAR, Hochfrequenz und Antennen ist überzeugt, dass die Hersteller aufgrund der Vielfältigkeit der erforderlichen Tests mittlerweile zwangsläufig auf externe Testpartner angewiesen sind: »Der erhebliche und vor allem ständige Qualifizierungsbedarf der Testingenieure sowie die Anpassung und Auslastung des Testequipments machen eine interne Produktprüfung nicht immer wirtschaftlich.«

Bei EMV-Testhäusern kommt hinzu, dass die gesetzlichen Richtlinien immer schärfer werden. »Die technischen Validierungsprozesse von Produkten, bedingt durch stetig wachsende Anforderungen aus der Industrie und der Normung/Gesetzgebung, fordern immer umfangreichere Tests«, führt Günter Mikes, Geschäftsführer der mikes-testingpartners, aus. »Externe Dienstleister sind auf solche Prüfaufgaben spezialisiert, wodurch die Abläufe in der Regel effizienter und kostengünstiger sind als im herstellereigenen Prüflabor.«

Auch das Testen komplexer Embedded Software ist nach Überzeugung von Roland Helbig, Marketingleiter beim Entwicklungssystem-Spezialisten Hitex aufwändig und erfordert spezifisches Know-How sowie die passenden Tools. »Wird diese Aufgabe extern gelöst, kann der Kunde wertvolle Projektzeit sparen«, so Helbig. »Beim firmeninternen Testen besteht zudem die Gefahr, dass nur getestet wird, um einen Testnachweis zu erzielen. Die eigentliche Zielsetzung - nämlich die Qualität - gerät leicht ins Hintertreffen.«

Die Argumente für externes Testen sind also schlagkräftig. Entsprechend ist sich die Branche einig, dass Testdienstleistungen nach wie vor im Trend liegen, »besonders in Bezug auf wachsende Bestückungsdichten, zunehmende Miniaturisierung und Integrationsdichten sowie auf kleine Losgrößen«, ergänzt Rainer Bartosch, Geschäftsführer des in Hamburg ansässigen Testhauses Testwerk. »Allerdings findet schon seit Jahren eine gewisse Marktbereinigung statt«, wirft Günter Mikes ein. »Größere Labore mit verschiedenen technischen Bereichen unter einem Dach und mit entsprechender Mitarbeiterkapazität sind sehr gut ausgelastet, wogegen kleinere Labore, die sich auf bestimmte Prüfungen spezialisiert haben, im Nachteil sind.«

Kaum Auswirkungen durch die Wirtschaftskrise

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bezeichnen die befragten Testdienstleister als kaum spürbar bis moderat. Die IMST verzeichnete sogar einen gestiegenen Testbedarf in den ersten Monaten dieses Jahres. Nach Borkes’ Überzeugung ist dies darauf zurückzuführen, dass sich die Unternehmen mit neuen Produkten und Innovationen auf die Zeit nach der Krise vorbereitet haben. Und auch bei HTV sieht man langfristig angelegte Projekte, wie die Testprogrammerstellung für ASICs nur wenig beeinflusst von der Krise.