»Im Juni dieses Jahres ist die Talsohle durchschritten«

Der Baugruppentest-Spezialist Göpel Electronic blickt optimistisch in die Zukunft. Das Unternehmen expandiert und setzt entgegen dem »Outsourcing-Trend« auf eigene Kompetenzen. Holger Göpel, einer der Gründer und Geschäftsführer, erklärt warum.

Markt&Technik: Herr Göpel, Sie stehen kurz davor, Ihr neues, drittes Firmengebäude zu beziehen. Was hat Sie dazu bewogen, in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten rund fünf Millionen Euro in den Neubau zu investieren?

Holger Göpel: Das stete Wachstum unseres Unternehmens in den letzten Jahren hat uns quasi dazu gezwungen. Unser Geschäft hat sich in allen drei Bereichen – automatische optische Inspektion AOI, Boundary Scan und Automotive- Test – konstant positiv entwickelt. Um weiter wachsen zu können, brauchen wir Platz. Es steckt noch viel Potential im Unternehmen, und wenn sowohl der Markt als auch die Produkte ein weiteres Wachstum rechtfertigen, warum sollte man diese Chance ungenutzt lassen?

Würden Sie die Bauentscheidung nach heutigem Kenntnisstand erneut so treffen?

Ja, ganz sicher. Die ersten beiden Gebäude waren für rund 130 Mitarbeiter ausgelegt. Jetzt sind wir schon 160 und platzen aus allen Nähten. Man muss aber dennoch auch sehen, dass die Entscheidung zum Neubau in Zeiten der Hochkonjunktur fiel: Ende 2007 begann die Planung, Spatenstich war im April 2008. Damals ahnte niemand etwas von einer weltweiten Wirtschaftskrise. Das Land Thüringen hat uns unterstützt, und die Banken haben quasi Schlage gestanden, um unser Projekt zu begleiten. Heute wäre es wahrscheinlich schwieriger, einen Kredit zu bekommen. Aber mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent haben wir unser Schärflein auch selber dazu beigetragen. Wir standen – und stehen immer noch – auf dem Standpunkt, dass wir unser Geld lieber selber erwirtschaften, als aus allen Richtungen Fördergelder anzufordern – auch wenn das mit der damaligen Förderpolitik sicher gegangen wäre.

Wie beurteilen Sie die derzeitige Wirtschaftslage in Deutschland?

Ich schätze, dass die Talsohle der viel zitierten Krise im Juni dieses Jahres durchschritten sein wird. Ich bin aber auch ein Verfechter der These, dass die Krise größtenteils herbei geredet ist, es gibt aus meiner Sicht keine wirtschaftlichen Gründe für sie. Das Ganze hat einen stark psychologischen Effekt. Durch die künstlich erzeugte Krise ist es zu einer völlig unnötigen Verknappung der Güter gekommen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Automobilbranche: Die Hersteller reagieren auf die angebliche Krise, stoppen die Bänder, verordnen Kurzarbeit. Bestellt ein Kunde nun ein Auto, kommt es zu langen Lieferzeiten. Der gesunde Menschenverstand sagt: »Jetzt müssen wir schnell wieder loslegen!«, aber die Wirtschaft befiehlt, dass es allen Branchen jetzt schlecht zu gehen hat. Also passiert erst einmal gar nichts.

Und wie sieht die Lage bei Göpel Electronic selber aus?

In allen drei Bereichen sehen wir bereits wieder einen Aufwärtstrend. Bei der AOI zeigte sich der März schwächer als die Vormonate, im Mai hat sich der Auftragseingang jedoch bereits wieder stabilisiert. Im Bereich Boundary Scan verzeichneten wir im Januar und Februar 2009 die besten Monate aller Zeiten, erfuhren einen Einbruch im März, aber seit April geht es wieder deutlich bergauf. Am stärksten hat es den Bereich Automotive Test getroffen. Aber auch hier ist seit April wieder eine Erholung zu spüren, mit einer erneuten Steigerung im Mai. Das bestärkt mich in der Überzeugung, dass wir im Juni wieder einen deutlichen Trend nach oben sehen werden. Es wird Monat für Monat ein Stück bergauf gehen – wobei man die Ergebnisse natürlich nicht mit etwa dem November 2008 vergleichen darf. Am Ende des Jahres erwarten wir, unser Ziel von 20 Millionen Euro zu erreichen, und damit das Vorjahresergebnis von 19,7 Millionen knapp zu übertreffen.