Hameg: »Zweistelliges Wachstum ist realistisch«

Trotz sinkender Nachfrage nach Analog-Oszilloskopen geht es Hameg blendend. Markt&Technik sprach mit Holger Asmussen, CEO von Hameg Instruments.

Markt&Technik: Rohde & Schwarz verfolgte mit der Übernahme das Ziel, sich mit der eigenständigen Marke Hameg auch im unteren Preissegment zu etablieren. Ist dieses Konzept aufgegangen?

Holger Asmussen: Die Hauptgründe für die Übernahme im Jahr 2005 waren die mit dem Markennamen Hameg verknüpften Merkmale wie Zuverlässigkeit, Langlebigkeit, einfache Bedienung und das gute Preis-/Leistungsverhältnis. Unsere im Semi-Professional-Bereich angesiedelten Produkte liegen preislich etwa zwischen 300 und 4000 Euro und ergänzen die im Professional-Bereich liegenden, bei etwa 4500 Euro beginnenden Rohde&Schwarz-Hauptprodukte nahezu übergangslos.

Die Erwartungen unserer Kunden an diese beiden Klassen werden durch die getrennten Marken klar definiert. Insofern war der Grundstein für eine Ergänzung der Produktlinien nach unten vom ersten Tag an gelegt. Viele aus technischen Umfeldern kommende Facharbeiter, Techniker oder Ingenieure haben sehr früh Erfahrungen mit »My first Hameg« gemacht, und auf dieser Basis sind wir auf dem besten Weg, über den Semi-Professional-Bereich hinaus weiter zu expandieren.

Die Hameg-Produktpalette ist bei den Spektrumanalysatoren und RF-Generatoren preislich und bei den Oszilloskopen sowie den Modular-Systemen thematisch komplementär zum Rohde&Schwarz-Portfolio, so dass sich keine Produktüberschneidungen ergeben.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Rohde & Schwarz und Hameg?

Sehr harmonisch. Von den entstandenen Synergien profitieren wir natürlich sehr. Hamegs in den 90er-Jahren durchgeführte Produkterweiterung von Oszilloskopen hin zu Power-Supplies, RF-Equipment (Spektrumanalysatoren, Generatoren etc.) und Systemgeräten (unter anderem Counter, Multimeter, Modular-Systeme) erfordert neben der laufenden Produktpflege und -Komplexitäts-Erweiterung aus Wettbewerbsgründen auch die Integration zahlreicher Funktionen bis hinunter auf den Chip-Level.

Wir nutzen das bei Rohde & Schwarz vorhandene Know-How sowohl bei den verwendeten Hardware-Komponenten (Typen und Teile) als auch im Bereich System-Wissen (Mikroelektronik, Schaltungs- und Softwaredesign oder Connectivity) intensiv. In unseren neuen Produkten sind zahlreiche Beispiele für die Synergienutzung bis herunter auf IC-Ebene zu finden. Wir stimmen uns mit der Mutter Rohde & Schwarz im Produkt-Placement ab und nutzen dabei gerne deren Gesamtkompetenz im Bereich Test & Measurement. Als Hameg Instruments GmbH handeln wir aber selbständig und führen die Bereiche Entwicklung, Fertigung, Produkt-Management, Vertrieb und Service eigenverantwortlich.

Auf welche Märkte fokussiert Ihr Unternehmen?

Die Heimmärkte der Hameg Instruments liegen in Deutschland, Frankreich, England und Spanien sowie weiter gefasst in der Europäischen Union, in Nordamerika und China. Durch die globale Präsenz der Rohde & Schwarz in mehr als 60 Ländern haben wir jetzt vereinfachten Zugang zu weiteren Märkten in Asia-Pacific, Middle-East und Südamerika. Im hart umkämpften T&M-Markt in Süd-Korea verzeichnen wir auf Grund des lokalen Engagements für unsere Marke jetzt im zweiten Jahr in Folge ein hohes zweistelliges Wachstum. Weitere Erfolge kommen aus der Schweiz und aus Ländern in Middle-East.