Geschäftsbelebung im Oszilloskop-Markt

Die Oszilloskop-Hersteller überraschen derzeit mit recht gegensätzlichen Geschäftsentwicklungen: Bei Yokogawa laufen die Scopes mit Bandbreiten unter 1 GHz besser als erwartet, LeCroy hingegen verzeichnet unerwartet hohe Umsätze mit High-End-Scopes.

In einem ist sich die Branche jedoch einig: Die Talsohle dürfte erreicht sein. »Das Geschäft läuft unterschiedlich in den einzelnen Geräteklassen, aber insgesamt sehr erfreulich.« So beschreibt Johann Mathä, Marketing Manager von Yokogawa, die derzeitige Auftragslage. Das Unternehmen verbuchte im laufenden Geschäftsjahr sogar einen Umsatzanstieg im Oszilloskopsegment um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

»Stückzahlmäßig verkaufen wir weit mehr als im letzten Jahr, jedoch unterhalb der 1-GHz-Bandbreite. Kunden kaufen derzeit nur noch das Bandbreitenmodell, das nötig ist, und statten dieses dann mit zusätzlichen Optionen aus.«

Interessanterweise verzeichnet LeCroy genau das Gegenteil: Hier laufen die High-End-Scopes deutlich besser als die der unteren Preis- und Leistungsklasse. »Die Nachfrage nach High-End-Oszilloskopen ab 4 GHz ist sehr erfreulich und höher als erwartet«, so Guido Wolf, Marketing Manager EMEA von LeCroy. »Im unteren und mittleren Bereich stellt sich der Markt derzeit schwierig dar, weil die Firmen nur sehr eingeschränkte Budgets für Messtechnik zur Verfügung haben. Zudem brauchen Entwickler momentan nicht zwingend neue Produkte, weil sich an den eigentlichen Kernspezifikationen oder Anwendungsbereichen nichts Maßgebliches verändert hat.«

Ganz so konkret wie seine Mitbewerber geht Peter Kasenbacher, EMEA Product Line Manager Oscilloscopes von Agilent, nicht auf die einzelnen Marktsegmente ein, betont jedoch, dass die Investition in neue Oszilloskope typischerweise Capex-Ausgaben seien – und damit ähnlich von der Wirtschaftskrise betroffen wie andere Capex-Märkte auch.

»Man kann nicht pauschal sagen, dass sich aufgrund der Krise ein Oszilloskop-Segment besser oder schlechter als ein anderes entwickelt hat«, so Kasenbacher. »Aber unsere jüngsten Produktvorstellungen wie die Einstiegsgeräte der DSO1000-Serie und die Mittelklasseserie DSO/MSO9000 sind Modellreihen, die besonders bei knappem Budget den aktuellen Marktnerv treffen. Diese neuen Serien haben uns dabei geholfen, die Ergebnisse gegen den allgemeinen Trend zu verbessern.«

Tektronix hält sich bedeckt über die derzeitige Lage, betont jedoch, dass man weiterhin kontinuierlich in alle Oszilloskopbereiche investiert. »Ungeachtet der wirtschaftlichen Krise gibt es immer noch eine Fülle von Entwicklungsarbeit, die in Europa stattfindet«, so Trevor Smith, EMEA Marketing Manager Highspeed Serial von Tektronix. »Device clocks und Datenraten steigen, die Embedded-Design-Entwicklung wird immer komplexer und Mixed-Signal-Technologien spielen eine immer größere Rolle.«
Diese Trends hat auch Yokogawa mit seinen im vergangenen Jahr vorgestellten MSOs der Serien DL9000 und DLM2000 aufgegriffen. »Wir spüren einen schnellen Trend vom DSO zum MSO«, so Mathä. »Entwickler benötigen professionelle MSOs, mit denen sie komplexe mechatronische Systeme einschließlich Software testen können. In vielen Branchen sind diese Systeme bestehend aus MCUs, Mechanik bzw. Mikromechanik, Leistungselektronik und Sensoren/Aktoren der entscheidende Innovationsfaktor. Das ist auch der Grund für unsere Zuwächse im Bereich der Transientenrekorder.«

Die Oszilloskop-Hersteller schlagen sich also durchaus respektabel in der Krise. Aber wie ist es nun um die Zukunft bestellt? Nach Peter Kasenbachers Aussage sieht man bei Agilent bereits eine Stabilisierung und Zeichen einer Markterholung.

Und auch die Experten bei Le-Croy gehen davon aus, dass die Talsohle durchschritten ist: »Wir sehen einen leichten Anstieg zum Ende des Jahres«, kommentiert Wolf. »Es wird aber sicherlich einige Jahre dauern, bis das Niveau von Ende 2008 wieder erreicht wird. Hört man in den Markt, zweifelt mancher sogar, ob es in absehbarer Zeit überhaupt nochmal dazu kommen wird. Die Nachfrage vom Markt ist weiterhin da, aber mangels Budget können Firmen nicht im gewünschten Maße bestellen.« Bei Yokogawa erwartet man ebenfalls eine Erholung, jedoch sei eine Trendwende nicht mehr in diesem Jahr zu erwarten.

In einem sind sich alle Oszilloskop-Hersteller einig: Man muss diese Zeit nutzen, um selber an Innovationen zu arbeiten. Die Strategien jedoch unterscheiden sich. Yokogawa wird seine neue, mit dem DLM2000 vorgestellte Bedienoberfläche im Herbst auch bei anderen Geräteserien einführen.

LeCroy hat im Laufe des vergangenen Jahres seine komplette Produktpalette erneuert und wird sich nach eigenen Angaben kurzfristig auf eine Ausweitung des Produktangebots sowie auf neue Anwendungsund Softwarelösungen konzentrieren. »Parallel dazu arbeiten wir natürlich schon mit Hochdruck an neuen Chip- und Modellgenerationen«, ergänzt Wolf. Tektronix setzt u.a. auf flexible Finanzierungsmöglichkeiten, Trade-in und Demoabverkaufsprogramme sowie auf Upgrademöglichkeiten, um den Kunden die Kaufentscheidung zu erleichtern. Und auch Agilent investiert weiterhin stark in seine Oszilloskop-Strategien und die Produkt-Pipeline.