Interview »FPGAs sind die Droge der Elektronikindustrie«

Der CEO von Teledyne-LeCroy, Tom Reslewic, und Roberto Petrillo, Worldwide Vice President of Sales, äußern sich positiv über die Übernahme von LeCroy durch Teledyne, die vor über einem Jahr erfolgte. Ihrer Auffassung nach werden die Oszilloskope vor allem durch moderne Bauelemente, beispielsweise FPGAs, einen Technologie-Schub erhalten.

Elektronik: Herr Reslewic, was ist für Sie das Positive ein Jahr nach der Übernahme?

Tom Reslewic: Normalerweise verlassen bei vielen Firmen-Übernahmen ganz wesentliche Leistungsträger das Unternehmen, in dem sie über viele Jahre hinweg Know-how angesammelt haben. Hier bei uns bleiben aber alle. Das ist doch ein sehr gutes Zeichen. Ich selbst habe bei Teledyne zusätzliche Verantwortung übergeben bekommen, und zwar im Bereich der Messtechnik für den technischen Umwelt-Sektor. Hier können wir das LeCroy-Know-how sehr gut einbringen, was im Konzern sehr geschätzt wird. Letztlich hat es das übliche Akquisitions-Gehabe bei uns nicht gegeben, wir werden deutlich ermutigt und unterstützt und nutzen sehr viele Synergie-Effekte.

Elektronik: Herr Petrillo, welche Synergie-Effekte ziehen Sie denn aus dem Teledyne-Konzern?

Roberto Petrillo: Wir stellen eine Vielzahl an Technologie-­Synergien fest, von der künftige Oszilloskop-Generationen profitieren werden: So haben wir eine bestens nutzbare Know-how-Basis und -Vernetzung im Konzern, und das gibt uns in den nächsten Jahren einen perfekten Positiv-Schub für Neuentwicklungen. Ganz wesentlich können wir von der Indiumphosphid-Technologie profitieren, sie hilft uns ganz wesentlich bei der Entwicklung der neuen High-End-Oszilloskop-Generationen. Auch bezüglich Imaging-Techniken können wir einiges für uns nutzen. Synergien aus verschiedenen Sektoren zusammenbringen – das ist die Devise im Konzern. Man trifft sich oft mit den Managern der anderen Unternehmen und überlegt kooperativ, wie der eine Unternehmensbereich vom anderen technologisch profitieren kann.

Elektronik: Was bedeutet das für Ihr Portfolio an Oszilloskopen?

Tom Reslewic: Die Oszilloskope werden zweifellos zum zentralen Mess- und Auswerte-Gerät jedes Elektronik-Entwicklers werden. Diesem Trend werden wir nachkommen, und zwar mit Oszilloskopen mit hoher Abtastrate, hoher Bandbreite und hoher Auflösung. Technologisch sind da auch die tiefen Speicher zu nennen. Hohe Geschwindigkeit, intelligente Auswerte-Algorithmen und die eben angesprochene hohe Auflösung sowie ausgefeilte und weiter entwickelte Trigger-Möglichkeiten werden ihr Zusätzliches tun.

In den Frontends wird das Indiumphosphid weiter vorankommen, und man wird ganz wesentlich von den sicher zu erwartenden weiteren Fortschritten bei den FPGAs profitieren. Etwas zugespitzt ausgedrückt bedeutet dies, dass mit FPGAs noch eine ganze Menge Zukunftspotenzial offensteht. Man könnte es auch so sagen: FPGAs sind die Droge der Elektronikindustrie, denn sie erlauben fast beliebige Änderungen in der Struktur und damit zum Beispiel der Auswerte-Algorithmen oder der Hardware, auch Verbesserungen sind relativ leicht zu implementieren. All dies kommt natürlich dem Anwender zugute, und davon profitiert auch wieder der Oszilloskop-Anbieter.