Wolfgang Reichelt, Block Transformatoren-Elektronik »Was wir nicht kaufen können, machen wir selbst!«

Wolfgang Reichelt, Block Transformatoren-Elektronik: »In Zukunft werden wir unsere amerikanischen Kunden schneller und flexibler beliefern. Aus diesem Grund haben wir uns für den Aufbau einer eigenen Fertigung bei Chicago entschieden.«
Wolfgang Reichelt, Block Transformatoren-Elektronik: »In Zukunft werden wir unsere amerikanischen Kunden schneller und flexibler beliefern. Aus diesem Grund haben wir uns für den Aufbau einer eigenen Fertigung bei Chicago entschieden.«

Mit dem Aufbau einer eigenen Trafo-Fertigung in der Nähe von Chicago treibt Wolfgang Reichelt die Internationalisierung der No. 1 der europäischen Transformatoren-Hersteller voran. Im Interview spricht der CEO der Block Transformatoren-Elektronik über schnelle und tote Unternehmen.

Mit dem Aufbau einer eigenen Trafo-Fertigung in der Nähe von Chicago treibt Wolfgang Reichelt, CEO der Block Transformatoren-Elektronik zum 75-jährigen Firmenjubiläum die Internationalisierung der Nummer 1 unter den europäischen Transformatoren-Herstellern voran. Unternehmerischer Erfolg ist für ihn eng verzahnt mit sozialer Verantwortung über den Rahmen der eigenen Mitarbeiter hinaus. Wie, das erklärt Wolfgang Block in diesem Interview.

Engelbert Hopf, Markt&Technik: Sie waren in den 1960er-Jahren als Entwickler bei Nordmende beschäftigt. Was hat Sie veranlasst, sich 1971 mit dem Kauf von Block selbständig zu machen?

Wolfgang Reichelt: Ich war bei Nordmende zuletzt mit der Entwicklung eines Kofferradios, des NF/ZF, beschäftigt, das nicht mehr als 70 Mark kosten sollte. Wir haben das auch erreicht, produziert werden sollte das Radio dann aber nicht in Deutschland, sondern in Japan. Da war für mich klar: Diese Branche wird in Deutschland nicht überleben. Ich habe mich dann nach Alternativen umgesehen, und mir bot sich die Möglichkeit, den kleinen Radiohersteller Alfred Block hier in Verden zu übernehmen. Ich sah das Potenzial, daraus etwas anderes zu machen, und habe zugegriffen.

 

Sie haben den Fokus von der Fernsehtechnik auf den Transformatorenbau verlagert. Seither haben Sie die Block Transformatoren-Elektronik schrittweise zum wichtigsten Transformatoren-Produzenten in Europa, mit über 2000 Standardprodukten, entwickelt.

Ob Medizin-, Antriebs-, Bahntechnik , Maschinenbau oder regenerative Energien: Wo Strom und Spannung umgewandelt werden, kommen wir ins Spiel. Auf diese Weise haben wir uns in den letzten 40 Jahren zur Nummer 1 in Europa entwickelt, wenn es um die Entwicklung und den Bau von Transformatoren geht. Zudem teilen wir uns den europäischen Markt für elektrische Filter mit drei großen Firmen. Transformatoren, Stromversorgungen, EMV-Filter und Drosseln bilden heute das Rückgrat unseres Unternehmens.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der deutschen Transformatoren-Hersteller deutlich reduziert, viele sind vom Markt verschwunden. Was haben Sie anders gemacht als der Wettbewerb? Warum konnten Sie sich so erfolgreich im internationalen Wettbewerb behaupten?

Ich denke, dieser Erfolg beruht neben einer konsequenten und kontinuierlichen Entwicklungsanstrengung vor allem auf zwei Faktoren: Wir lassen zum einen alles Geld für Investitionen im Unternehmen, und wir machen all das selbst, was wir nicht vernünftig einkaufen können. Wenn einer der Wettbewerber aus dem Markt gegangen ist, haben wir versucht das Vormateriallager aufzukaufen und die Produktion, soweit es ging, nach Verden zu verlagern. Zu unseren Stärken zählt sicherlich, dass Entwicklung, Produktion, Prüfung und Zertifizierung unter einem Dach stattfinden. Unsere hohe Fertigungstiefe lässt sich unter anderem daran ablesen, dass wir über eine eigene Kunststoffspritzerei verfügen und über eine moderne Blechverarbeitung, die im Rund-um-die-Uhr-Betrieb jeden Monat 100 Tonnen Feinblech bearbeitet. Aber auch unser Vormateriallagerwert von 10 bis 15 Millionen Euro zeigt, welche Fertigungstiefe wir hier haben.