Rückläufiger Markt sorgt bei Power-Kunden für Entspannung bei den Lieferzeiten Zwischen Konsolidierungshoffnung und Ängsten vor einem Absturz wie 2009

Uwe Halstenbach, TDK-Lambda: »Aufgrund der geringen Nachfrage in Asien, und den dadurch frei werdenden Produktionskapazitäten, hat sich die Bauelemente-Versorgung, abgesehen von wenigen Ausnahmen, deutlich entspannt.«
Uwe Halstenbach, TDK-Lambda: »Aufgrund der geringen Nachfrage in Asien, und den dadurch frei werdenden Produktionskapazitäten, hat sich die Bauelemente-Versorgung, abgesehen von wenigen Ausnahmen, deutlich entspannt.«

Phantastisch und gleichzeitig wechselhaft, so lässt sich die bisherige Entwicklung des deutschen Stromversorgungsmarktes 2011 beschreiben. Noch ist offen, ob die rückläufige Konjunktur 2012 zu einer Normalisierung auf hohem Niveau führt, oder ob wie 2009 mit massiven Einbrüchen zu rechnen ist.

»Vom Konjunkturhype des Jahres 2011 wird die deutsche Stromversorgungsbranche wohl mit einem Wachstum von über 15 Prozent profitieren«, schätzt Hermann Püthe, Geschäftsführender Gesellschafter der inptron Schaltnetzteile die aktuelle Branchensituation ein, »in Nischenmärkten dürfte das Wachstum sogar noch deutlich darüber liegen«! »Mit der positiven Entwicklung der ersten 9 Monate dieses Jahres, konnte man sicherlich zu Jahresbeginn nicht rechnen«, gibt Peter Hager, Head of Marketing Management Power Supply Products, Sensors and Communication, Siemens Industry Sector, Industry Automation Division bei Siemens unumwunden zu, »nach den Aufholeffekten der letzten zwei Jahre gehen wir nun aber von einer Normalisierung im Rahmen der üblichen Wachstumsraten aus«.

Soweit die gute Nachricht, nicht ganz so erfreulich für die Branche ist jedoch die sich seit Mitte des Jahres abzeichnende Abschwächung der konjunkturellen Entwicklung. Lagen die Wachstumserwartungen noch zur Jahresmitte bei der Mehrzahl der Stromversorgungsspezialisten auf dem deutschen Markt bei 20, 25 Prozent und mehr, haben die sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, konkret etwa in Form der sich zuspitzenden Frage der Griechenlandrettung und der damit verbundenen Kapriolen auf den Finanzmärkten dazu beigetragen, das eine Reihe von Stromversorgungsspezialisten inzwischen ihre Wachstumserwartungen für 2011 auf 10 bis 15 Prozent gesenkt haben.

Auch wenn es für das 4. Quartal 2011 noch gut aussieht, wie sich der deutsche Stromversorgungsmarkt im nächsten Jahr entwickeln wird, darauf gibt es aus heutiger Sicht keine zuverlässige Antwort. »Der deutsche Markt bewegt sich seit 2 Jahren auf einem extrem hohen Leve«, gibt Uwe Halstenbach, Director Sales North & Internal Sales bei TDK-Lambda in Deutschland, zu bedenken, »aufgrund der weltweiten negativen Meldungen, ist aber offensichtlich mit einem deutlichen Abkühlen der Auftragseingänge zu rechnen«. Ähnlich vorsichtig äußert sich auch Bernhard Erdl, President von Puls, der unter anderem auf den SAP-Effekt verweist, der aktuell dazu führt, dass im Einkauf zwar weniger Kundenaufträge registriert werden, da die Kunden unter anderem auf Grund reduzierter Lieferzeiten wieder Bedarfs naher bestellen, doch wirklich sicher sein, könne man sich nicht. »Wir erleben nun die Umkehrung des Effekts, der zu Beginn des Booms zu beobachten war«, erläutert er, »damals stiegen die Aufträge massiv an, ohne dass wir dafür immer eine handfeste Erklärung hatten, nun schwingt das Pendel wieder in die andere Richtung, und wir können wiederum nicht genau einschätzen, was das zu bedeuten hat«.

Im Idealfall für die Branche, liefe diese Entwicklung auf eine Konsolidierung auf vergleichsweise hohem Niveau hinaus. Diese Erwartung äußern neben Püthe auch Markus Bicker, Geschäftsführer der Bicker Elektronik und Hans Fehr, Geschäftsführer der Traco Elektronik. Hartmut Henkel, Leiter Produkt Marketing Stromversorgung bei Phoenix Contact, berichtet, dass die jüngsten konjunkturellen Ereignisse dazu führen, dass vor allem Großkunden vorsichtiger bestellen und zunächst ihre Lagerbestände abbauen. Ob es sich dabei um eine klassische »Sommerdelle«, oder wirklich um eine nachhaltige Veränderung des Marktes handelt, kann er noch nicht einschätzen.

Hannes Schachenmayr, Sales Manager Central Europe bei Vicor, ist vergleichsweise optimistisch was die Aussichten für 2012 betrifft: »Wir erwarten keine gravierenden Unterschiede, wobei die erneuerbaren Energien sowie E-Cars sicherlich eine weitere positive Entwicklung erfahren werden«. Verhalten optimistisch gibt sich Michael Böhmerle, Produktmanager Power Supply bei der Murrelektronik. Nicole Hauschild, zuständig für Operatives Management bei M+R Multitronik und Uwe Daro, Produktmanager bei Schukat, setzten auf den nach wie vor noch im Anfangsstadium befindlichen LED-Beleuchtungsmarkt, wenn es um die Erwartungen für 2012 geht. »Die Stimmungslage hat sich zwar eingetrübt«, so Daro, »aber das Geschäft läuft auf hohem Niveau weiter, was vor allem auf die starke Nische LED-Lightning und den Maschinenbau zurückzuführen ist«. »Speziell im Industriebereich sind die Einkäufer in den letzten drei Monaten vorsichtiger geworden«, gibt Hauschild ihre Marktbeobachtungen wider, »der Beleuchtungssektor, speziell für LED-Anwendungen, legt jedoch weiterhin ein rasantes Planungs- und Entwicklungstempo an den Tag«.

Zwar geht auch Wolfgang Horrig, zuständig für die Vertriebsleistung bei EA Elektro-Automatik mit sehr guten Erwartungen in das letzte Quartal 2011 und in das neue Jahr 2012, aber auch mit der Einschränkung, »dass sich aufgrund der allgemeinen Lage in Europa und an den Finanzmärkten die Situation nicht nur am deutschen Stromversorgungsmarkt wieder schlagartig verändern kann«. Damit spricht er aus, was andere in dieser Branche nur andeuten. Niemand will das scheue Reh Kunde verängstigen. Am deutlichsten wird noch Erdl: »Die Ereignisse 2008/09 haben gezeigt, wie schnell Ereignisse, die außerhalb der Elektronik- ja sogar außerhalb der Industrie-Branche angesiedelt sind, massive Auswirkungen auf die Industrie im Allgemeinen und damit auch auf unsere Branche haben können«. Die Erinnerungen daran sind noch frisch. Zwar will auch Erdl keine Parallelen zwischen dem Herbst 2008 und der aktuellen Situation ziehen, aber noch ist einfach nicht abzuschätzen, was die nächsten Monate bringen werden. Sollten Dinge wie die Griechenlandrettung letztlich aus dem Runder laufen, dürfte sich nicht nur über die Stromversorgungsbranche wieder der dunkle Mantel der Rezession legen.

Zu den absolut positiven Entwicklungen dieses Jahres zählt mit Sicherheit die Schnelligkeit, mit der japanische Komponentenzulieferer nach der Dreifachkatastrophe in Japan, Anfang März dieses Jahres, dafür gesorgt haben, dass sich die Versorgungslage, auch mit enorm kritischen Bauelementen für den Stromversorgungsbau in sehr kurzer Zeit wieder normalisiert hat. »Angesichts der Umstände, muss man da vor den japanischen Herstellern ganz eindeutig den Hut ziehen«, lobt Oliver Walter, CEO und Geschäftsführer der Camtec Systemelektronik die Leistung unter anderem der betroffenen japanischen Kondensatorhersteller.

So vorbildlich sich Komponentenhersteller in diesem Fall verhalten haben, so überrascht es doch, dass Stromversorgungshersteller zwar von einer spürbaren Verbesserung der Versorgungssituation sprechen, aber nach wie vor immer noch kritische Bauteile mit Lieferzeiten bis teilweise 52 Wochen belastet sind. Umso unverständlicher erscheint diese Situation, als Halstenbach davon berichtet, dass aufgrund der zuletzt schwachen Nachfrage in Asien, dort eigentlich zusätzliche Produktionskapazitäten für Europa frei geworden sein müssten.

Zu den Bauteilen, die nach wie vor wie Sandra Maile, Geschäftsführerin der Autronic, beklagt nicht von dieser Entspannung profitieren, zählen Leistungshalbleiter. Aufgrund der übersichtlichen Zahl an Herstellern, fallen in diesem Zusammenhang in der deutschen Stromversorgungsbranche immer wieder die gleichen Namen. Neben Power-MOSFETs scheinen auch immer wieder IGBTs getroffen zu sein. Doch es sind nach wie vor nicht nur die Halbleiter: Auch Relais und Kondensatoren machen dem ein, oder anderen der in Deutschland ansässigen Stromversorgungsspezialisten Probleme. Inzwischen geht die Branche jedoch davon aus, dass sich dieses Problem wohl spätestens bis zur Jahresmitte 2012 gelöst hat.

Sollte die Entwicklung des deutschen Stromversorgungsmarktes jedoch 2012 nicht auf eine Konsolidierung auf hohem Nivau hinauslaufen, dann dürften die mit der Bauelemente-Versorgung verbundenen Probleme wahrscheinlich noch das geringste Problem der, auf dem deutschen Markt tätigen Stromversorgungsspezialisten sein.