Batterie- und Akkumarkt 2017 Zwischen Goldgräberstimmung und Verwaltung des Mangels

Batterien und Akkus bleiben auch 2017 ein begehrtes Gut auf dem deutschen Markt. Applikationen wie Gartenwerkzeuge, Cleaner, EES und Pedelecs wachsen weiter zweistellig. Trotz der jüngsten Probleme, etwa beim Galaxy Note 7, setzen die Entwickler weiter auf Lithium-Ion als Zellchemie ihrer Wahl.

Genau betrachtet, stellt sich die Situation auf dem deutschen Batterie- und Akku-Markt etwas widersprüchlich dar: Deutlich zweistelligen Wachstumsraten in boomenden Anwendungsbereichen wie Gartenwerkzeuge, Pedelecs/E-Bikes, Cleaner oder EES-Lösungen stehen in manchen Bereichen Lieferengpässe entgegen. Nach wie vor besonders betroffen davon scheinen Zellen der Baugröße 18650 zu sein. Sven Bauer, CEO der BMZ, macht in diesem Zusammenhang eine einfache Rechnung auf: »Aktuell benötigt werden derzeit etwa 2,9 Milliarden 18650-Zellen, produziert aber nur etwa 2,5 Milliarden. Im nächsten Jahr geht die Schere noch weiter auf: Einem Bedarf von 3,5 Milliarden Zellen steht dann eine voraussichtliche Produktion von 2,9 Milliarden Stück gegenüber.«

Nun ist das Problem zwar bereits seit Ende 2015 bekannt, offenbar hinken die Maßnahmen der namhaften Hersteller der Marktentwicklung etwas hinterher. Von Seiten der Konfektionierungs-Spezialisten hat man inzwischen reagiert. »In den Gesprächen mit den Kunden haben Anpassungen bei den Forecasts stattgefunden, um auf verschiedenen Entwicklungen reagieren zu können«, so Thilo Hack, Bereichsleiter Industrie bei Ansmann, »weil aber speziell in China erhebliche Mengen diverser Zelltypen für den EV-Markt regelrecht abgesaugt werden, kann man bei einigen Zelltypen nicht wirklich von einer Entspannung sprechen«. Für Andreas Schmidt, Vertriebsleiter bei Omnitron Griese, »schaffen Lieferengpässe Möglichkeiten zur Umsatzsteigerung und zur Kundenbindung«.

»Der Markt ist auf Wachstum ausgelegt, und die Verknappungen nehmen zu«, wie er versichert. Daniel Panzini, Head of Battery Division bei Jauch Quartz, spricht denn auch von einer nach wie vor anhaltenden Goldgräberstimmung am Markt, »wir registrieren nach wie vor eine starke Nachfragesteigerung bei Lithium-Produkten, vor allem wenn es um die Realisierung technisch aufwändiger Projekte geht«. Josef Pfeil, Vertriebsleiter bei Dynamis Batterien, vergleicht die Stimmung am Markt mit einem »Bullenmarkt« an der Börse. Er gewinnt auch den Problemen von Samsung bei der Einführung des Galaxy Note 7 durchaus Positives ab: »Einige Entwickler, die das Thema Batterie etwas stiefmütterlich behandelt haben, wurden auf diese Weise noch einmal für das Thema sensibilisiert. Diese Verunsicherung kann durchaus zur Folge haben, dass man Batteriespezialisten in Zukunft bei anstehenden Projekten früher ins Boot holt.«

Werner Suter, Managing Director der Tefag Elektronik, weist darauf hin, »dass Samsung kein batterietechnisches Problem hatte, sondern bei der Dimensionierung des Platzbedarfs der Batterie im Gerät«. Aufgrund dieses Vorfalls seien Lithiumbatterien »ein Thema für die Tagespresse geworden«, so Suter, »negative Auswirkungen auf Anwendungen außerhalb des Smartphone-Geschäfts sehe ich, wenn überhaupt, dann nur kurzfristig«. Auch er sieht den positiven Effekt, dass diese Vorfälle Entwickler noch einmal für die Besonderheiten der Lithium-Ionen-Zellen sensibilisiert haben.

Eine Einschätzung, die auch Jan Hetzel, Geschäftsführer von accundu teilt: »Kunden wurden noch einmal auf ihre eigenen Anwendungen im B2C-Bereich aufmerksam und überdenken nun noch einmal die Sicherheit der Anwendung mit entsprechenden Maßnahmen auf elektronischer Seite. Wirklich keiner möchte das gleiche Problem bekommen wie Samsung mit dem Note 7.« Auch wenn Samsung groß ist und die Probleme rund um das Galaxy Note 7 »locker wegstecken kann«, wie Bauer es ausdrückt, wird das Unternehmen, davon ist Raphael Eckert, Group Manager der Yuasa Battery Europe, überzeugt, »auch seinen industriellen Endkunden einige Fragen beantworten dürfen«.

Doch es sind nicht nur die angesprochenen Lieferengpässe in einigen Bereichen, welche die Branche und ihre Anwender in diesem Jahr vor Herausforderungen stellen. Anfang April letzten Jahres wurden die Vorschriften für den Luftfracht-Transport von Batterien verschärft. Das hat inzwischen durchaus weitreichende Konsequenzen. »Es gibt Firmen, die haben komplett auf Seefracht umgestellt«, berichtet Suter, »und es gibt wachsende Probleme in Servicefällen, wenn in Geräte eingebaute leere oder defekte Lithiumbatterien zurückgeschickt werden sollen«.