Photovoltaik-Branche Von der Boom-Branche zum Buhmann

Die Teilnehmer des Energie&Technik-Forums »Zukunft der Photovoltaik« (v.l.n.r.): Dr. Ilka Luck, Picon Solar, Andreas Schlumberger, Kaco new energy, Gerhard Schackert, Power-One, Dr. Henning Wicht, IHS iSuppli, Ralf Maier, Rusol Energy, Markus Schenk, Mage Solar, Alfred Karlstetter, Samil Power, Thomas Vogel, Franken Solar Projektmanagement, Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik, Dr. Stefan Wiebach, Kyocera Fineceramics
Die Teilnehmer des Energie&Technik-Forums »Zukunft der Photovoltaik« (v.l.n.r.): Dr. Ilka Luck, Picon Solar, Andreas Schlumberger, Kaco new energy, Gerhard Schackert, Power-One, Dr. Henning Wicht, IHS iSuppli, Ralf Maier, Rusol Energy, Markus Schenk, Mage Solar, Alfred Karlstetter, Samil Power, Thomas Vogel, Franken Solar Projektmanagement, Engelbert Hopf, Chefreporter Markt&Technik, Dr. Stefan Wiebach, Kyocera Fineceramics

»Es geht für die deutsche PV-Branche um nicht weniger, als die Deutungshoheit in der Energiewende-Diskussion zurückzugewinnen«, fordert Dr. Ilka Luck, geschäftsführende Gesellschafterin der Picon Solar, auf dem PV-Forum der Energie&Technik, »sonst wird die Branche weiter in Rückzugsgefechten zerrieben«.

Dass die PV-Branche so unter Druck gekommen ist, führen Gerhard Schackert, Sales Director Northern EMEA bei Power-One, und Markus Schenk, Geschäftsführer von Mage Solar, in erster Linie auf die Ad-Hoc Entscheidung der Bundesregierung zur Energiewende im Jahr 2011 zurück: »Hätte man einen ähnlich vernünftigen Zeitraum wie etwa die Schweizer, mit 10 Jahren gewählt, wären die konventionellen Energien nie wieder so erstarkt, wie das in den letzten Jahren der Fall war«.

Angesichts eines Marktes, der sich im Bezug auf die installierte Leistung von 7,5 GW zu Hochzeiten der Jahre 2010/11 auf ein prognostiziertes Volumen von 2,5 bis 3,3 GW in diesem Jahr mehr als halbiert hat, sucht die Branche händeringend nach neuen Businesskonzepten. Thomas Vogel, Geschäftsführer der FS Frankensolar Projektmanagement, spricht darum von 2014, als dem entscheidenden Umbruchjahr: »Auf dem geschrumpften deutschen Markt wird es zu einem nochmal verschärften Wettbewerb kommen, mit entsprechender Konsolidierung. Wer dieses Jahr übersteht, dürfte für die Zukunft gerüstet sein«.

Eine Einschätzung, die Ralf Maier, Sales Director bei Rusol Energy teilt: »Für den Handel hat sich in den letzten zwei, drei Jahren der Markt in Deutschland halbiert, und ist intensiv auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen«. Auf die Frage, wie es soweit kommen konnte, gibt Andreas Schlumberger, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Kaco new energy eine klare Antwort: »Die Gier hat das Gehirn aufgefressen – es ging nicht mehr um einen individuellen Beitrag zur Energiewende, es ging nur noch um Renditeerwartungen«. Auch wenn es unpopulär klingen mag, Dr. Stefan Wiebach, Deputy Product Line Manager, Business Development in der Solar Division von Kyocera Fineceramics, plädiert für eine Erziehung des Kunden weg vom Geldverdienen mittels PV hin zum Geld sparen dank PV-Investition und Eigenverbrauch des gewonnenen PV-Stroms.

Auch wenn die Strafzölle auf chinesische PV-Module inzwischen dazu geführt haben, dass sich der Verkaufspreis pro W in einem Preistunnel zwischen 52 und 63 Euro-Cent bewegt, und auf diesem Wege nun auch wieder deutsche und europäische Solarmodule von der Nachfrage auf dem europäischen Markt profitieren, befürchten manche der Diskussionsteilnehmer, darunter auch Alfred Karstetter, Chief Sales, Marketing & Service Officer bei Samil Power, dass es sich hier nur um eine dreijährige Verschnaufpause handelt und der Wettbewerbsdruck aus China die deutschen und europäischen Hersteller nach Ablauf der Schutzzölle nur um so härter treffen wird.

So macht Dr. Henning Wicht, Director an Principal Analyst Photovoltaics bei IHS iSuppli darauf aufmerksam, dass China mit voraussichtlich 13 GW in diesem Jahr fast 30 Prozent des PV-Weltmarktes auf sich vereinen wird, während Deutschland auf einen mittleren einstelligen Wert sinkt. »Ich glaube kaum«, so der Marktforscher, »dass die europäische PV-Branche dem damit verbundenen Preisdruck nach Ablauf der Schutzzölle besser gewachsen ist, als vor der Einführung der Schutzzölle«.

Neben der Frage, wie sich diesem Preisdruck begegnen lässt, widmeten sich die Diskussionsteilnehmer Versäumnissen der Vergangenheit. So wurde in der Boomphase der Branche ganz offenbar völlig außer Acht gelassen, welche Bedeutung ein nachhaltiges Branding für die Kundenbindung hat. Zwar stoßen auch Branding-Anstrengungen an ihre Grenzen, wenn es nur noch um Preis und Rendite geht, doch es wäre zumindest eine Chance gewesen die deutschen Kunden enger an sich zu binden. Ähnliches gilt für die Lobbyarbeit der Branche, die sich teilweise selbst im Weg steht, oder zersplittert ist. Noch vor drei Jahren, belief sich die Zahl der PV-Produktionsstätten in Deutschland auf rund 100. Inzwischen wurde das Thema PV auf eine reine Kostendiskussion reduziert. »Ohne ein faires Energiemarktdesign wird es der Branche schwer fallen, aus dieser Ecke wieder herauszukommen«, stellt Schlumberger fest. Im Zuge der technischen bis technokratischen Diskussion der letzten Jahre, ist in seinen Augen zudem der große Wurf der Energiewende völlig in den Hintergrund getreten, dasselbe gelte für die ehemals hehren politischen Klimaziele der Bundesregierung in der Nachfolge er Kioto-Protokolle.

Nicht bange ist den Diskussionsteilnehmern vor der verstärkten Internationalisierung der PV-Branche. Entsprechende Anstrengungen wurden bereits in den letzten Jahren vorangetrieben und deutsche Unternehmen profitieren in einigen Regionen der Welt sowohl vom »Made in Germany«, wie vom »Engineered in Germany«, als auch vom Erfahrungsschatz der Boom-Jahre. Kompliziert wird es meist erst dann, wenn das ursprünglich besprochene Pilot-Projekt von einigen hundert MW sich innerhalb weniger Wochen zum GW-Projekt entwickelt. Dann entscheiden letztlich Kapitalisierung und Lieferfähigkeit darüber, ob es zum Auftragsabschluss kommt. Und spätestens dann, so Maier, »sind auf einmal auch wieder die PV-Module aus nicht deutscher, oder japanischer Produktion im Rennen«. Mehr über die Herausforderungen und Chancen des deutschen PV-Marktes erfahren Sie in der Ausgabe 2/2014 der Energie&Technik, die am 25. März 2014 erscheint.