Phoenix Contact Viel Wachstumspotenzial für Stromversorgungen

Michael Heinemann, Phoenix Contact Power Supplies: »Mit der Bündelung unserer Kompetenzen wollen wir weltweit die Nummer 1 in DIN-Schienen-montablen Netzteilen und zudem ein führender Anbieter kundenspezifischer Stromversorgungen sein. «
Michael Heinemann, Phoenix Contact Power Supplies: »Mit der Bündelung unserer Kompetenzen wollen wir weltweit die Nummer 1 in DIN-Schienen-montablen Netzteilen und zudem ein führender Anbieter kundenspezifischer Stromversorgungen sein.«

Phoenix Contact hat sein Stromversorgungsgeschäft strategisch neu ausgerichtet und seine diesbezüglichen Aktivitäten am Standort Paderborn gebündelt. So will Geschäftsführer Michael Heinemann den heute bereits dreistelligen Millionen-Umsatz der Phoenix Contact Power Supplies noch deutlich steigern.

Markt&Technik: Seit kurzem residiert die Phoenix Contact Power Supplies als jüngste Gesellschaft der Phoenix Contact Gruppe in Paderborn. Warum hat man nun, knapp 25 Jahre nach dem Einstieg in das Stromversorgungsgeschäft, eine eigene Gesellschaft gegründet?

Michael Heinemann: Wir sehen im Bereich Stromversorgung ein extrem großes Potenzial für uns und wollen dieses Potenzial durch die Zusammenlegung in einem größeren Umfang nutzen, als es bisher möglich war. Der bisherige Geschäftsbereich Stromversorgungen der Phoenix Contact Electronics in Bad Pyrmont firmiert nun gemeinsam mit der seit zwei Jahren zur Unternehmensgruppe gehörenden APtronic AG aus Bad Sassendorf am neuen Standort in Paderborn.

Mit Paderborn scheint nun ein ganz neuer Standort im Phoenix-Contact-Universum entstanden zu sein. War es Absicht, eine räumliche Distanz zwischen die neue Gesellschaft und den Stammsitz der Unternehmensgruppe zu legen?

Nein, wir folgten bei dieser Entscheidung praktischen Überlegungen. Bad Pyrmont und Bad Sassendorf liegen etwa 120 km auseinander, Paderborn quasi in der Mitte der Wegstrecke. Paderborn ist damit der ideale Standort, um bei der Zusammenlegung der Stromversorger im Unternehmen allen Mitarbeitern die bestmöglichen Bedingungen zu bieten. Zudem hatten wir das Glück, mit diesem ehemaligen Hella-Gebäude und -Grundstück das Filetstück des Paderborner Industriegebiets zu bekommen. Durch den direkten Autobahnzugang und die Nähe zu Flughafen und Bahnhof sind wir hervorragend angebunden.

In welcher Höhe bewegen sich die Investitionen für den neuen Standort, und für wie viele Mitarbeiter ist das neue Areal ausgelegt?

Beide Stromversorgungsspezialisten in der Phoenix Contact Gruppe verfügen über ein umfangreiches Equipment, so dass wir jetzt ein Labor haben, das seinesgleichen sucht. In Paderborn wurde im Wesentlichen in ein Gebäude investiert. Die Gesamtinvestitionen betragen mehrere Millionen Euro. Aktuell beschäftigen wir in Paderborn rund 130 Mitarbeiter und haben allein im Bürogebäude noch mehr als 2000 Quadratmeter Reserve-Fläche. Platz für weiteres Wachstum ist also ausreichend vorhanden.

Sie haben in Paderborn Entwicklung, Design, Vertrieb und Marketing zusammengefasst. Werden Sie dort in Zukunft auch im großen Maße produzieren, oder verbleibt die Produktion der Standardgeräte weiter in China?

Wir verfügen in Paderborn nun über einen Musterbau und eine Kleinserienfertigung. Da unser Grundstück in Summe rund 40.000 Quadratmeter umfasst, und zu dem von uns bereits erworbenen Teil auch eine Produktions- und Logistikfläche von 6600 Quadratmetern gehört, stehen uns in Paderborn alle Möglichkeiten offen. Unsere Standardgeräte werden auf absehbare Zeit weiterhin in Asien in einem Joint Venture gefertigt.

Phoenix Contact galt bislang in erster Linie als Hersteller von Standardprodukten. Mit APtronic haben Sie auch die Möglichkeit kundenspezifischer Stromversorgungslösungen. Wie hoch ist dieser Anteil derzeit, und wollen Sie ihn in Zukunft weiter ausbauen?
Es hängt immer davon ab, was genau man als kundenspezifische Lösung definiert, aber derzeit entfallen etwa 90 Prozent unseres Umsatzes auf Standardprodukte. Wir wollen den Anteil kundenspezifischer Lösungen in Zukunft allerdings ausbauen. Unseren Kunden können wir jetzt beides aus einer Hand anbieten. Zudem nutzen wir technische Synergien, indem wir etwa Gleichteile für kundenspezifische und für Standardlösungen verwenden.

Sie bieten bislang drei Standardbaureihen an. Welche davon ist die umsatzstärkste, und wie stellt sich das Verhältnis zwischen AC/DC- und DC/DC-Lösungen bei Phoenix Contact Power Supplies dar?

Das Backbone unseres Stromversorgungsumsatzes sind die Geräte der Quint-Power-Serie. Auf sie entfällt deutlich mehr als die Hälfte unseres Umsatzes. Dieser basiert bislang fast ausschließlich auf AC/DC-Geräten. DC/DC-Geräte sind für uns eher ein Abrundungsprodukt. Vor allem für Kunden, die alle Stromversorgungen bei einem Anbieter bekommen möchten, ist das ein großer Vorteil.

Welches Umsatzvolumen erzielen Sie und welches Ziel verfolgen Sie für die Zukunft? Spielen weitere Akquisitionen bei einer Wachstumsstrategie eine Rolle?

Wir äußern uns nicht konkret zu unserer Umsatzgröße, nur so viel: Er bewegt sich im dreistelligen Millionen-Bereich. Wir sehen uns heute nach Siemens als größten Stromversorgungsspezialisten in Deutschland, das gilt im Speziellen für den Bereich Hutschiene. Unser Ziel ist es, eine weltweit führende Rolle im Bereich DIN-Schienen-Netzgeräte einzunehmen. Zum Thema Akquisitionen: Phoenix Contact übernimmt dann Firmen, wenn es darum geht technologische Kompetenz auf- oder auszubauen. Wir übernehmen niemanden, um Marktvolumen zu kaufen. Wir wollen weiter aus eigener Kraft wachsen, in den letzten Jahren ist uns das im zweistelligen Prozent-Bereich gelungen.

Welche Rolle spielt für Sie der deutsche Markt? Welche Marktsegmente haben für Sie bislang die größte Bedeutung und welche könnten in Zukunft interessant werden?

Phoenix Contact ist traditionell stark exportorientiert. Die Unternehmensgruppe wurde in den 1980er-Jahren internationalisiert. Für uns hat das den Vorteil, dass wir mit über 50 weltweiten Niederlassungen auf ein umfangreiches Vertriebsnetz zurückgreifen können. Aus diesem Grund erzielen wir zwei Drittel unseres Umsatzes im Export. Wichtigste Exportmärkte sind für uns dabei Nordamerika und China. Zunehmend interessant werden aber auch Korea und Brasilien. In Korea handelt es sich vor allem um Anwendungen im Bereich der Automobilherstellung.

Basiert Ihr Stromversorgungsgeschäft ausschließlich auf Direktvertrieb, oder gehen Sie auch über die Distribution?

Da wir einen sehr guten Breitenvertrieb haben, der für den Vertrieb der über 60.000 aktiven Produkte der Phoenix Contact Gruppe zuständig ist, verfügen wir international über eine sehr hohe Präsenz am Markt. Distribution nutzen wir zusätzlich in Form der Katalogdistribution. Der bei weitem überwiegende Teil unseres Geschäfts entfällt auf den Direktvertrieb.

Am Markt gibt es Komponenten- und Systemanbieter. Welches Business-Konzept verfolgen Sie?

Wir nutzen die Kombination von Komponenten-, System- und Lösungsgeschäft. Neben dem reinen Komponentengeschäft können wir dem Kunden Systemlösungen bieten, etwa eine auf seine Applikation abgestimmte Kombination von Hutschienen-Netzgerät, USV und Energiespeicher. Wir dürften beispielsweise der weltweit einzige Anbieter sein, der Kunden in diesem Zusammenhang eine Kombination aus über 700 verschiedenen USV-Systemen anbieten kann. Im Rahmen der Phoenix Contact-Gruppe liefern wir Kunden aber auch schlüsselfertige Gesamtlösungen. Das nötige Know-how für das System- und Lösungsgeschäft haben wir uns über Jahrzehnte erarbeitet.

Kompetenz, die preiswerten Anbietern aus Asien fehlen dürfte. Doch wie differenzieren Sie sich neben „Designed in Germany“ vom preiswerten asiatischen Wettbewerb?

Zuverlässigkeit und Langlebigkeit sind Aspekte, die wir bei der Entwicklung von Stromversorgungen voraussetzen. Ohne diese Prämisse wäre unser Erfolg am Markt, speziell in den letzten Jahren, kaum zu erklären. Natürlich fließt da das Know-how unserer erfahrenen Entwickler-Gruppe ein, das sich etwa in der Auswahl der Komponenten niederschlägt. Wir differenzieren uns aber vor allem dadurch, dass wir Funktionen und Features in unsere Geräte integrieren, die unseren Kunden einen nachhaltigen Nutzen bieten. Ein Beispiel dafür ist unsere SFB-Technologie, die dafür sorgt, dass angeschlossene Leitungsschutzschalter im Fehlerfall zuverlässig und schnell auslösen. Ähnlich ist es im Fall der IQ-Technologie, die ein umfassendes Monitoring der USV-Batterien bietet und so den Anwender kontinuierlich über den Zustand der Batterie informiert und auch darüber, wann sie zu wechseln ist. Das ist vor allem in Anwendungen wie Offshore-Windanlagen ein großer Vorteil, der den Einsatz eines hochwertigen Gerätes mehr als rechtfertigt – Features, die Anwendern den Einsatz unserer Geräte erleichtern und sie gleichzeitig vor hohen Folgekosten schützen.

Mit dem Standort Paderborn befinden Sie sich in unmittelbarer Nähe der Universität Paderborn und der Fachhochschule Südwestfalen. Bieten diese Hochschulen auch Leistungselektronik-Studiengänge an?

Ja, und wir pflegen zu beiden Hochschulen und Lehrstühlen bereits gute Kontakte. Wir sehen unseren Standort hier als klaren Vorteil für zukünftiges Recruiting. Wir haben damit die Möglichkeit, z.B. über Diplomarbeiten, zukünftige Absolventen über einen längeren Zeitraum zu begleiten. Unser Entwicklerteam verfügt zwar über viel Erfahrung, manchmal hilft es aber auch, wenn man Probleme mal aus einer anderen Perspektive betrachtet. Die Nähe der Hochschulen verspricht uns für die Zukunft neues Blut, ein eindeutiger Standortvorteil!