Vicor-Interview »Übergang vom Power-Supply- zum Power-Components-Markt«

Patrizio Vinciarelli, Vicor: »Angesichts der konjunkturellen Rahmenbedingungen speziell auf dem US-Markt, haben wir im Februar unsere Produktionskapazität und unsere Mitarbeiterzahl an den gesunkenen Auftragseingang angepasst. Aktuell gehen wir nicht von einer schnellen Verbesserung der Marktsituation aus.«
Patrizio Vinciarelli, Vicor: »Angesichts der konjunkturellen Rahmenbedingungen speziell auf dem US-Markt, haben wir im Februar unsere Produktionskapazität und unsere Mitarbeiterzahl an den gesunkenen Auftragseingang angepasst. Aktuell gehen wir nicht von einer schnellen Verbesserung der Marktsituation aus.«

Im Februar musste Vicor mit Produktions- und Personalanpassungen auf rückläufige Auftragseingänge reagieren. Wichtigstes Ziel ist nun für Patrizio Vinciarelli, Gründer und CEO die Verbreiterung der Kundenbasis und die Erschließung neuer Anwendungsbereiche speziell für die VI-Chips.

Markt&Technik: Auch auf dem Stromversorgungsmarkt stand das Jahr 2012 im Zeichen der Konsolidierung. Vicors Umsatz ging gegenüber 2011 um knapp 14 Prozent zurück. Wo liegen die Gründe dafür?

Patrizio Vinciarelli: Nach dem Umsatzniveau von 252 Millionen Dollar im Jahr 2011, hat sich 2012 für uns als wahre »Challenge« erwiesen. Unser reduzierter Umsatz spiegelt vor allem die schwache Auftragserteilung in der zweiten Hälfte des Vorjahres wider. Faktoren, wie die durch die US-Haushaltsdiskussion erzwungenen Einsparungen etwa im Militärbereich, schlugen direkt auf unseren Auftragseingang in diesem Bereich durch.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie nun für 2013? Erwarten Sie eine rasche Erholung der Märkte, oder rechnen Sie eher mit einer  langsamen Verbesserung der Auftragslage?

Wir haben vor dem Hintergrund eines 27-prozentigen Auftragsrückgangs unsere Produktionskapazitäten angepasst und auch die Zahl unserer Mitarbeiter reduziert. Für das erste Quartal 2013 gehen wir sowohl was den Auftragseingang, als auch was den Umsatz betrifft, von niedrigeren Werten als im 4. Quartal 2012 aus. Mit einer wirklichen Verbesserung ist erst zu rechnen, wenn sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen in unseren traditionellen Applikationsbereichen verbessern. Unser vorrangiges Ziel wird es darum 2013 sein, unsere Kundenbasis kontinuierlich zu erweitern und neue Einsatzmöglichkeiten für unsere Produkte zu entwickeln. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird, eine Reihe von Design-In-Wins in jüngster Vergangenheit bestätigt das.

Vicor stand in den über 30 Jahren  seit seiner Gründung immer im Ruf eines sehr innovativen Unternehmens. Schlagen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der letzten Monate auch auf Ihre R&D-Ausgaben nieder?

Nein, wir beschäftigen nach wie vor fast 20 Prozent unserer Mitarbeiter im Bereich R&D. Unsere langjährigen Investitionen in Forschung und Entwicklung entsprechen jährlich etwa 15 Prozent unseres Umsatzes. Durch die rückläufigen Umsätze der letzten Quartale haben sich die R&D-Ausgaben relativ sogar erhöht. Das Spektrum unserer Entwicklungsanstrengungen reicht dabei von der Arbeit an neuen Siliziumlösungen bis zu Verbesserungen im Bereich magnetischer Elemente. Unser Ziel lautet dabei immer: Steigerung der Effizienz und der Leistungsdichte! In neue Technologien, wie die 2005 auf den Markt gebrachten VI-Chips haben wir über 150 Mio. Dollar investiert. In den letzten Jahren hat dieser Produktbereich in steigendem Maße zu unserer Umsatzentwicklung beigetragen.

Wenn Sie die Stromversorgungslösungen des letzten Jahrzehnts mit aktuellen Produktlösungen vergleichen, wo liegt für Sie der größte Unterschied?

Ohne die Fortschritte im magnetischen Bereich mindern zu wollen, würde ich sagen der Halbleiteranteil in neuen Stromversorgungslösungen hat sich gegenüber Produkten vor 10, oder 20 Jahren um gut ein Drittel erhöht. Ich würde aber nicht so weit gehen, zu sagen, dass der ideale Schalter, sei es nun in Zukunft vielleicht ein SiC-MOSEFT, oder vielleicht einmal ein GaN-Schalter, das wichtigste Element für zukünftige Stromversorgungslösungen sind. Diese Produkte müssen zuerst noch ihre Zuverlässigkeit und Robustheit unter Beweis stellen. Stromversorgungsentwickler verfolgen einen holistischen Ansatz, es ist das möglichst reibungslose Zusammenspiel der verschiedenen Schlüsselkomponenten, das über den Erfolg neuer, richtungsweisender Produkte entscheidet!

Sie haben bei der Differenzierung Ihres Unternehmens vom Wettbewerb früh auf den Begriff Power-Components gesetzt. Ausgehend von den Brick-Modulen der Distributed-Power-Architektur bis zu den VI-Chips für die Intermediate Bus Architektur. Wird es ein Nebeneinander von Power-Components und Power-Supplies geben, oder werden sich die Power-Components langfristig durchsetzen?

Ich habe mal gesagt, dass in der Vergangenheit auch »Monkeys« im Stromversorgungsgeschäft Geld verdienen konnten. Das war eine Zeit, in der zahlreiche Hersteller für einen energiehungrigen Markt sehr vergleichbare, sich auch technisch wenig unterscheidende Produkte entwickelten und anboten. Die Distributed Power Architektur mit ihren Bricks stellte da in den 1980er- und 1990er-Jahren die erste Welle der Differenzierung in Form Power-Components-ähnlicher Lösungen dar. Ich bin mir absolut sicher, dass Siliziumbasierte Lösungen in Zukunft eine wesentlich größere Rolle am Markt spielen werden. Es werden die Unternehmen sein, die vom Leistungshalbleiter bis zum Power-Management-IC Lösungen anbieten können, die eine Zukunft eine wesentlich größere, wenn nicht gar eine dominierende Rolle am Stromversorgungsmarkt einnehmen werden. Der Wandel vom Power-Supply- zum Power-Components-Markt, er ist nicht mehr aufzuhalten. Ich sehe in diesem Wandel eine große Chance für innovative Unternehmen, um sich nachhaltig am Markt vom Wettbewerb zu differenzieren.