Murata und Sony Sony verkauft Lithium-Ionen-Geschäft an Murata

Sven Bauer, BMZ

„Ich gehe davon aus, dass der Bedarf an 18650-Zellen für den EES-Markt in den nächsten Jahren deutlich stärker wachsen wird als der für den EUV-Markt. Alleine auf dem deutschen Markt wird 2016 eine Verdoppelung auf 60.000 Units erwartet.“
Sven Bauer, BMZ: »Im Gegensatz zu Sony, das eher Consumer-getrieben ist, hat Murata das Geld und die Macht, sich gegen die anderen drei großen Hersteller gut aufzustellen und erfolgreich zu sein.«

Im Herbst letzten Jahres hatten sich Murata und Sony geeinigt, das Murata Sonys Lithium-Ionen-Batteriegeschäft übernimmt. Als Kaufpreis wurden damals etwa 153 Mio. Euro genannt. Abgeschlossen werden soll die Transaktion nun bis Ende Juni 2017.

Sony wird die Aktivitäten seines Batteriegeschäfts (Sony Energy Devices Corporation) ausgliedern und alle mit dem Lithium-Ionen-Geschäft zusammenhängenden Aktivitäten in der dazu neu geschaffenen Unternehmenseinheit NewCo zusammenführen. NewCo wird im Zuge der Vereinbarungen dann von Murata übernommen.

Für Murata gehört die Übernahme zur unternehmenseigenen „Mid-term Direction 2018“. Im Rahmen dieser mittelfristigen Strategieplanung will Murata neben dem Ausbau seiner Kommunikations-Aktivitäten neue Business-Konzepte in den Fokusbereichen Automotive, Gesundheitswesen und Energiemarkt entwickeln, um seine Abhängigkeit von der Kommunikationssparte in Zukunft zu verringern. Sonys Lithium-Ionen-Kompetenz soll dabei ein Kernbereich des Energie-Geschäfts werden.

Murata, der Weltmarktführer im Bereich passiver Bauelemente, kann im Zuge der in den letzten eineinhalb Jahrzehnten vollzogenen Unternehmensentwicklung bereits auf eigene Erfahrungen im Lithium-Ionen-Bereich zurückblicken. Vor rund zehn Jahren wurde eine Batterie-Lösung für einen namhaften europäischen Automotive Tier 1 entwickelt, das Geschäft letztlich aber nicht realisiert. Seit etwa fünf Jahren vermarktet Murata seine laminierten Lithium-Ionen-Akkus in Nischenmärkten. Ihre Stärken spielen die Zellen vor allem dort aus, wo es um die Bereitstellung kurzfristiger Impulsleistungen geht. Sony seinerseits steht nach wie vor unter starkem Wettbewerbsdruck in der Consumerelektronik und will sich aus einzelnen Segmenten zurückziehen.

Im Rahmen der nun vereinbarten Übernahme wird Murata den kompletten auf Industrieapplikationen ausgerichteten Teil der Sony Energy Devices Corp. übernehmen. Nicht Teil der Akquisition sind Sonys Consumer-Geräte-Batterien. Wie im Sommer aus dem Umfeld der Verhandlungspartner bekannt wurde, betrug der Umsatz der Sony-Batterieaktivitäten zuletzt rund 1,4 Mrd. Euro. Der Anteil des Lithium-Ionen-Industrie-Geschäfts (mit Fabriken in China und Singapur) dürfte laut Branchenkennern etwa ein Drittel betragen. Besonders erfolgreich war Sony in der Vergangenheit mit 18650-Lithium-Ionen-Akkus.

Bereits im Sommer letzten Jahres hatten deutsche Batterieexperten und Konfektionäre die angekündigte Übernahme überaus positiv bewertet. »In Asien herrscht derzeit eine Art Goldgräberstimmung in Sachen Lithium-Ionen-Zellen«, kommentierte etwa Prof. Werner Tillmetz, Vorstandsmitglied Elektrochemische Energietechnologien am ZSW. »Insbesondere Korea und China machen da Powerplay, da muss Japan aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen«! Sein Kollege Prof. Karl-Heinz Pettinger, Inhaber der Professur für Elektrische Energiespeicher an der Hochschule Landshut, setzt vor allem darauf, dass die Verfügbarkeit und damit die Einsatzmöglichkeit von Sony-Zellen mit der Übernahme in Zukunft leichter wird: »Für kleine Abnehmer war Sony in der Vergangenheit ein extrem schwieriger bis unmöglicher Lieferant. Murata ist da im Retail-Geschäft besser verankert und erfahren«.

Ähnlich die Einschätzung von Frank Wehning, Verkaufsleiter bei Omnitron Griese: »Sony baut technisch sehr gute Zellen. Leider war das Unternehmen aber aus unserer Sicht immer auch ein sehr schwieriger Lieferant. Es wäre zu hoffen, dass sich diese Situation, auch preislich, in Zukunft verbessert.« In den Augen von Dr. Jürgen Heydecke, Managing Director von Batteries and Power Solution, sei Murata bislang zwar nur ein kleiner Player im Batteriemarkt, aber das Unternehmen habe sicher das Potenzial und die Mittel, um auch mit Hilfe von Sonys Technologie sein Standing in dem Markt schnell auszubauen.

»Im Gegensatz zu Sony, das eher Consumer-getrieben ist, hat Murata das Geld und die Macht, sich gegen die anderen drei großen Hersteller gut aufzustellen und erfolgreich zu sein«, meint Sven Bauer, der CEO von BMZ. »Dass Sony einen Käufer sucht, war in den letzten Jahren bekannt. Dass es nun Murata ist, dürfte den einen oder anderen sicherlich überraschen. Ich bin mir aber sicher, dass die Übernahme Sony/Murata stärken wird und sie mit den großen Koreanern mithalten können«.

Inzwischen scheinen sich die potentiellen Anwender etwas länger als ursprünglich geplant gedulden zu müssen. Sollte die Übernahme ursprünglich bis Anfang April diesen Jahres über die Bühne gehen, scheinen nun Diskussionen mit verschiedenen Behörden in verschiedenen Ländern die Übernahme hinauszuzögern. Als neuer Termin für den Vollzug der Übernahme wird nun von Ende Juni, Anfang Juli ausgegangen.