Powerbox Skandinavischer Power-Spezialist mit klaren Zielen

Louis Masreliez, Powerbox: »Unser Ziel ist es nicht, in den Großserienmarkt einzusteigen. Unser Fokus liegt auch in Zukunft auf kundenspezifischen Lösungen im Geräte- und Systembereich für internationale Kunden.«

Gleich zweimal ist Powerbox in diesem Jahr als Käufer in der europäischen Stromversorgungsszene aufgetreten. Louis Masreliez, Vice President Northern Europe, erläutert Powerbox’ Wachstumsstrategie nach dem Einstieg des Finanzinvestors Alder. Mittelfristiges Ziel: Ein Umsatz von 100 Millionen Euro.

Markt&Technik: Die Akquisitionen des Jahres 2016 haben Powerbox zu einem der größten Stromversorgungsanbieter in Europa gemacht. Sie haben die electronica 2016 genutzt, um sich in neuer Form als Gesamtunternehmen zu präsentieren. Welche „Message“ wollten ie dabei vermittelt?

Louis Masreliez: Wir haben uns als entwicklungsstarkes, international agierendes europäisches Unternehmen präsentiert, dass performancestarke und zuverlässige Stromversorgungslösungen für die Bereiche Industrie, Bahntechnik, Medizin und Wehrtechnik anbietet. Unser Lösungsspektrum reicht dabei von Standardprodukten namhafter Hersteller, die wir über die Distributionsschiene anbieten, bis zu kundenspezifischen Lösungen unserer Entwicklungsabteilungen auf Produkt- und Systemebene. Es dürfte in diesem Zusammenhang nur wenige Unternehmen geben, die wie wir seit 1974 in Summe weltweit über 3500 kundenspezifische Projekte im Stromversorgungsbereich realisiert haben.

In Deutschland wurde Ihr Unternehmen in der Vergangenheit primär als Distributor wahrgenommen. Sie haben aber schon früh mit der Realisierung kundenspezifischer Lösungen begonnen. Woher kommt diese unterschiedliche Wahrnehmung?

Als Powerbox 1974 gegründet wurde, ergaben sich diese parallel laufenden Businesskonzepte fast zwangsläufig. Für unseren Gründer ergänzten sich die beiden Ansätze in idealer Weise. So hat sich Powerbox vor allem im skandinavischen Markt früh einen Namen als Spezialist für kundenspezifische Stromversorgungslösungen gemacht. Gleichzeitig wurde unter dem Namen Craftec das Distributionsgeschäft ausgebaut. Vielleicht erinnert sich in diesem Zusammenhang ja auch der eine oder andere Leser daran, dass wir als Powerbox 2005 unser UPS-Geschäft in Deutschland an Newave verkauft haben. Inzwischen firmieren alle Stromversorgungsaktivitäten einheitlich unter dem Namen Powerbox.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert? Angesichts der Übernahmen in diesem Jahr scheint Powerbox spätestens seit dem Vorjahr eine klare, auf Akquisitionen gegründete Wachstumsstrategie zu verfolgen?

Eine spürbare Veränderung gab es durch den Einstieg des schwedischen Finanzinvestors Alder, der 2013 einen Anteil von 63 Prozent an Powerbox übernahm. Bis zu diesem Zeitpunkt war Powerbox ein gründergeführtes Familienunternehmen. Zwar hielt seit Ende der 1990er Jahre Industriefonden, ein schwedischer Investmentfond, Anteile an Powerbox, doch war damit kein strategischer Handlungsrahmen verbunden. Das hat sich inzwischen geändert. Heute hält Industrifonden einen Anteil von 23 Prozent am Unternehmen, die restlichen 14 Prozent verteilen sich auf das Management sowie frühere und aktuelle Mitarbeiter von Powerbox.

Verbunden mit dem Einstieg von Alder war die Berufung des neuen CEOs, Martin Sjöstrand, der wie einige andere führende Mitarbeiter bei Powerbox einen langjährigen Ericsson-Hintergrund hat. Was veränderte sich mit dem Antritt der neuen Führungsmannschaft?

Powerbox ist über die Jahrzehnte vor allem organisch gewachsen. Seit dem Einstieg von Alder wird eine gezielte Wachstumsstrategie verfolgt, die unter anderem darauf abzielt, Powerbox in Gesamteuropa und nicht nur in Skandinavien als bedeutenden Player am Markt zu etablieren. Gleichzeitig haben wir uns zum Ziel gesetzt, unsere Kundenstruktur zu erweitern, indem wir verstärkt auch größere Kunden mit anspruchsvollen Anforderungen angegangen sind. Diese Strategie hatte aber auch zur Folge, dass wir unsere Entwicklungskapazitäten ausbauen mussten. Wir haben deshalb Ausschau gehalten nach interessanten Firmen, die uns in mindestens einem unserer vier Hauptgeschäftsfelder verstärken, und die sich vor allem durch technische Expertise und Qualität auszeichnen. Vor diesem Hintergrund kam es 2016 zu einem Asset-Deal im Fall der niederländischen Power Technics und der Übernahme der Firma Eplax in Bremen.

Im Falle Eplax könnte man fast meinen, der Vertrieb hätte den Hersteller gekauft. Sie hatten ja schon rund 10 Jahre Geschäftsbeziehungen mit Eplax, speziell im Bereich kundenspezifischer Geräte. Was hat Powerbox an Eplax besonders gereizt?

Die Expertise von Eplax und seine hochqualifizierten Mitarbeiter bereichern die Powerbox-Gruppe! Für uns ist diese Übernahme ein wichtiger Beitrag zur Umsetzung unserer Strategie, komplexe Power-Systeme in Einfachheit und hoher Qualität zu realisieren. Interessant war für uns vor allem auch die Stärke von Eplax im Industrie- und Bahnbereich. Ähnlich verhielt es sich im Fall Power Technics. Besonders interessant war dabei die große Erfahrung der Entwickler dort mit Lösungen für den Marinebereich. Durch die räumliche Nähe des niederländischen Standortes Etten-Leur zu Bremen haben sich für uns auch Synergieeffekte eröffnet.