100.000 Kunden bis 2020 Recom forciert mögliche Akquisitionen

Karsten Bier, Recom (rechts, im Gespräch mit Markt&Technik-Chefreporter Engelbert Hopf): »Unser Distributionsanteil liegt heute schon bei 60 Prozent, und er wird weiter steigen. Bis 2020 wollen wir die Schwelle von 100.000 Kunden weltweit erreichen.«

Nach Jahren dynamischen Wachstums wuchs die Recom-Gruppe 2016 „nur“ um 8 Prozent. Für 2017 strebt CEO Karsten Bier die Rückkehr zu 15 bis 25 Prozent Wachstum an. Neben organischem Wachstum sollen dazu nach Möglichkeit auch Zukäufe beitragen.

Markt&Technik: Bereits an seinen ersten Tagen im Amt hat Donald Trump begonnen, seine Wahlversprechen umzusetzen. Welche Gefahr geht von seiner protektionistisch geprägten Politik für die weltweite Elektronikbranche aus?

Karsten Bier: Auch wenn er jetzt erste Zeichen setzt, ist eine seriöse Einschätzung, wie weit er bei seinen Plänen gehen will, noch nicht möglich. Es ist sein legitimes Recht, nach Wegen zu suchen, neue Arbeitsplätze in die USA zu bringen. Die Frage ist nur: Findet die Supply-Chain wirklich dort statt? Auch die amerikanische Industrie hat einen großen Teil ihrer Produktion nach China verlagert. Ob sich das so einfach zurückverlagern lässt, bezweifele ich. Es stellt sich auch die Frage, ob zur Finanzierung all dieser Ideen eine weiter steigende Staatsverschuldung der richtige Weg ist. Die USA sind bisher gut mit der Arbeitsteilung gefahren, in der Heimat neue Technologien zu entwickeln und die Produkte dann marktkonform zu großen Teilen im Ausland zu produzieren.

Welche Bedeutung hat für Recom ganz konkret der nordamerikanische Markt? Welche Märkte treiben dort für Sie das Wachstum?

Unser Gruppenumsatz betrug im letzten Geschäftsjahr 64,8 Millionen Dollar. Davon entfielen 12,9 Millionen Dollar auf Nordamerika. Dort betrug das Wachstum gegenüber 2015 gut 12 Prozent. Unsere Ziele für 2017 liegen mit der Rückkehr zum durchschnittlichen Wachstum der Vorjahre wieder bei 15 bis 25 Prozent. Zu den Umsatztreibern in Nordamerika zählen für uns neben der E-Mobility vor allem Technologien im Bereich Energie und Infrastruktur.

Zu den jüngsten Neuvorstellungen Ihres Hauses gehört ein sehr umfangreiches Wandlerportfolio für Bahnanwendunen. Ist das für Recom der Eintritt in einen neuen Markt?

Nein, wir haben diesen Bereich bereits in der Vergangenheit bedient. Mit der Vorstellung unseres neuen Produktspektrums bieten wir nun aber das umfangreichste Modulportfolio in diesem Leistungsbereich für die Bahntechnik an. Getrieben wurde die Entwicklung von der enormen Nachfrage aus China. Wir sind hier bereits als Key-Stromversorgungs-Lieferant etabliert. Chinesische Bahnhersteller verlangen nach zuverlässigen Komponentenherstellern. Das ist auch ein Grund für die anspruchsvolle IRIS-Zertifizierung in unserem Werk in Taiwan. Aber auch in Europa und Nordamerika erwarten wir uns mit diesem Produktportfolio in Zukunft eine Reihe von Design-in-Erfolgen.

Etwas länger als gedacht hat die Einführung der Recom-DIN-Schienen-Netzteile gedauert. Wo lagen die Schwierigkeiten?

Letztendlich haben wir es geschafft, innerhalb von zwei Jahren eine komplette einphasige DIN-Schienen-Palette mit Leistungen von 45 bis 480 W auf den Markt zu bringen. Unser 120-W-Modell ist dabei das schmalste am Markt erhältliche mit aktiver PFC. Wir konzentrieren uns zunächst auf ein Basisportfolio von Standardprodukten und bieten parallel dazu kundenspezifische Lösungen an. Unser Ziel ist es, mit DIN-Schienennetzteilen in Zukunft einen substantiellen Umsatzanteil zu erzielen.

Dass es am Ende länger als gedacht gedauert hat, liegt unter anderem daran, dass Elektriker etwas andere Anforderungen haben als Elektroniker und wir uns zunächst darauf einstellen mussten. Im höheren Leistungsbereich sind Kunden zudem bereit, mehr in eigene Entwicklungen zu investieren, als im Kleinleistungsbereich der Module. Ich denke, wir haben jetzt einen guten Mix gefunden. Den Markt für dreiphasige Hutschienennetzteile sondieren wir, um gegebenenfalls aktiv zu werden.