Intersolar: Wege aus der Krise PV-Speicherkombinationen als Rettungsanker

Welche Konsequenzen zieht die Solarindustrie aus der derzeitigen Krise, und wie kann sie sogar gestärkt daraus hervorgehen? Eine Antwort: Systeme auf Basis hochkomplexer Elektronik zu entwickeln, die die Eigenverbrauch-Energieeffizienz erhöhen und dazu beitragen, die Energiewende gelingen zu lassen.

Die Diskussion um die Energiewende stand denn auch im Mittelpunkt der Intersolar in München. Die gegenüber dem Vorjahr deutlich geschrumpfte Ausstellerzahl machte bereits auf die besondere Situation der Solarindustrie aufmerksam. Allein 60 Insolvenzen im Bereich der Photovoltaik in Deutschland in diesem Jahr zeigen, dass die Industrie sich in äußerst schwierigen Zeiten befindet.

Was kann also die Photovoltaik dazu beitragen, dass die Energiewende gelingt? Laut Prof. Eike Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, sehr viel. Die Solarenergie werde langfristig den dominierenden Anteil der weltweit erzeugten Energie ausmachen und sich zur billigsten Energieform entwickeln. Etwas kurzfristiger sieht er gerade in der jetzt stattfindenden Verschnaufpause eine Chance für die Industrie hierzulande. Ein neue Generation von Solarfabriken könnte Module zu Preisen von 30 bis 40 Cent pro kW fertigen. »Die Firmen hierzulande verfügen über die Techniken, es kommt darauf an, dass wir die Fabriken jetzt in Europa auch bauen.«

Debatte um Strafzölle

Würden Strafzölle auf chinesische Module der Industrie kurzfristig helfen? Prof. Eike Weber hält davon eher nichts. Den Welthandel wegen einer vergleichsweise kleinen Branche zu gefährden, hält er für nicht sinnvoll. Vehement für die Einführung von Strafzöllen sprach sich dagegen Milan Nietzschke aus, President der Initiative »Pro Sun« und Sprecher von Solarworld. Seine Argumentation: Chinesische Modulhersteller betreiben Dumping, das verstößt gegen internationale Handelsabkommen, und Verstöße müssen sanktioniert werden, um die heimische Industrie zu schützen. Das sei kein Protektionismus, sondern angewandtes Handelsrecht. Damit stand er in der Podiumsdiskussion zu diesem Thema auf der Intersolar allerdings recht isoliert da.

Peter J. Desmet, Mitglied der Alliance for Affordable Solar Energy, ist genau entgegengesetzter Meinung: »Die einzige Strategie für die Zukunft ist, Grid Parity zu erreichen. Mit 50 Prozent Einfuhrzöllen liefern wir uns weiter der Einspeisevergütung aus.« Dr. Florian Wessendorf vom VDMA ist ebenfalls skeptisch: »Einfuhrzölle würden den Markt noch weiter verunsichern und die Investoren erst recht zögern lassen.« Jerry Stokes, CEO von Innotech Solar, gibt sich ebenfalls sehr vorsichtig: »Protektionismus ist für niemanden vorteilhaft, ein Wirtschaftskrieg nützt keinem.« Und er spricht sich dagegen aus, ein Feindbild aufzubauen. Niemand in China habe die Parole ausgegeben: »Greift Europa an!« Stokes sollte es wissen, immerhin war er bis vor kurzem Präsident Europa von Suntech.

Eigenverbrauch erhöhen, Netze stabilisieren

Wie regiert die Solarindustrie selber auf die derzeitige Situation? »Systeme, Systeme, Systeme!«, lautet die Parole. Was sich schon auf der Intersolar im vergangenen Jahr abzeichnete, hat sich zum Mainstream entwickelt: Die Integration von Batterien in die Photovoltaik verspricht gleich mehrere positive Effekte: Der Eigenheimbesitzer kann damit seinen Eigenverbrauch auf 60 bis 80 Prozent erhöhen und sich damit langfristig von der Preisentwicklung für Strom unabhängig machen. Bindet er einen Energiemanager ein, der auch noch die Geräte im Haushalt und Wärmespeicher und Heizung steuert, dann kann er zusätzlich Energie sparen. Und zur Netzstabilisierung könnten die Batterien ebenfalls beitragen, nicht umsonst ist eine Schnittstelle als Voraussetzung für die Förderung der Batteriespeicher vorgesehen, die es erlaubt, die Batterien auch von außen zum Wohle des Netzes zu steuern. Wie solche Systeme aussehen könnten, das war auf der Intersolar auf einer Vielzahl von Ständen zu sehen. Modul- und Wechselrichterhersteller beschäftigen sich genauso damit wie Batteriehersteller und Integratoren. Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich diese Systeme tatsächlich zum Rettungsanker der Solarindustrie entwickeln.

Jürgen Trittin zeigte sich auf seinem Messerundgang jedenfalls beeindruckt von den Innovationen, die er auf den Ständen der Aussteller auf der Intersolar bewundern konnte. »So kann die Energiewende gelingen - 100% erneuerbare Energien« - unter dieses Motto stellte Trittin dann auch seine Rede auf der Intersolar. Zentral sei es, den CO2-Zertifikatehandel wieder zu beleben, so dass er seine Steuerungsfunktion wieder übernehmen könne und es unattraktiv würde, billigen Kohlestrom auf alten, ineffizienten Kraftwerken zu produzieren. Das würde auch dem Anstieg der EEG-Umlage entgegenwirken. Zweitens bräuchte ein dezentrales Energiesystem gut ausgebaute Netze. Um die finanzieren zu können, sei es erforderlich, nicht mehr die kWh zu bezahlen, sondern die Bereitstellung von Kapazitäten. »Ja, ich spreche das Wort von der Flatrate für Strom aus«, so Trittin. Das dies die vier großen Netzbetreiber stemmen könnten, daran hat er allerdings seine Zweifel: »Wir brauchen einen Bundesnetzversorger in öffentlicher Verantwortung«, so Trittin. Insgesamt gelte: »Die erneuerbaren Energien dürfen nicht in den Markt gepresst werden, der Markt muss den Erneuerbaren angepasst werden!«

Im Moment aber drückt die Industrie in Deutschland der hohe Strompreis - und vor allem die Aussicht auf weiter steigende Preise. Umweltminister Peter Altmaier wollte den steigenden Preisen mit seiner berühmten Strombremse begegnen. Wie auch immer die Betroffenen dazu stehen - vor der Wahl wird daraus nichts mehr.
Was allerdings alle fordern: Möglichst schnell handeln! Das war der Tenor auf dem diesjährigen Jahreskongress des ZVEI in Berlin, auf dem die Energiewende ebenfalls das zentrale Thema bildete.