Photovoltaik-Forum PV-Markt: »Über Jahre hat die Gier den Verstand gefressen«

Die Teilnehmer des Energie&Technik-Roundtables »Photovoltaik« analysierten den deutschen PV-Markt und diskutierten über Zukunftsstrategien.

Nach Jahren des Booms steckt die deutsche Photovoltaik-Branche seit 2011 in Turbulenzen und sucht dringend nach neuen Business-Konzepten. Auf dem Energie&Technik-Roundtable »Photovoltaik« analysierten Branchenexperten den deutschen PV-Markt und diskutierten mögliche Zukunftsstrategien.

Was würde passieren, wenn 2014 in Deutschland nur noch die Hälfte aller neuen Autos verkauft würde? Mit dieser Frage wirft Dr. Henning Wicht, Director and Principal Analyst Photovoltaic bei IHS iSuppli, zu Beginn des Round-Table-Gesprächs über die Situation des deutschen Photovoltaik-Marktes ein Schlaglicht auf den aktuellen Zustand der ehemaligen Boom-Branche. Nach einem Installationsvolumen von 7 GW im Jahr 2012 ist der Markt im Vorjahr auf ein Volumen von 3,3 GW geschrumpft. Ein Volumen, das Dr. Wicht auch für 2014 für mehr als realistisch hält.

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Stimmen aus der deutschen PV-Branche

Die auf dem Energie&Technik-Forum versammelten Branchenexperten nahmen kein Blatt vor den Mund.

Rückblick: Als 2008/09 die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise die Verkaufszahlen auf dem deutschen Automobilmarkt nach unten drückte und mal wieder das Aus von Opel im Raum stand, handelte die Bundesregierung. Man mag unterschiedlicher Ansicht darüber sein, wer letztlich zu den Profiteuren der von der schwarz-roten Bundesregierung eingeführten Verschrottungsprämie zählte, aber die Politik wurde aktiv und versuchte die Zukunftsfähigkeit einer ihrer wichtigsten Industriebranchen zu sichern. Ein Engagement, das die darauf folgende schwarz-gelbe Bundesregierung vermissen ließ, als die ehemalige Boom-Branche Photovoltaik, etwa seit 2011, in einen massiven Restrukturierungs- und Konsolidierungsprozess eintrat, ausgelöst unter anderem durch reduzierte Einspeisevergütungen und steigenden Wettbewerbsdruck, vor allem aus China.

Besonders paradox: Eigentlich müssten die erneuerbaren Energien seit der von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gefolge der Fukushima-Katastrophe proklamierten Energiewende und dem damit verbundenen unumkehrbaren Ausstieg aus der Kernenergie endgültig auf der Gewinnerstraße sein. Weit gefehlt: »Erneuerbarer Strom stört heute die guten Kohlekraftwerke, auf die man sich wenigstens verlassen kann«, beschreibt Andreas Schlumberger, Leiter Unternehmenskommunikation bei Kaco new energy, den öffentlichen Diskurs. »Die Diskussion um erneuerbare Energien ist in Deutschland mit viel Elan in eine reine Kostendiskussion hineingesteuert worden«, stellt er nüchtern fest, »und vor diesem Spielhintergrund läuft es darauf hinaus, dass wir ohne ein faires Energiemarktdesign nie ein faires EEG bekommen werden«.

Vom eigenen Erfolg kaltgestellt, so könnte man die aktuelle Situation bezeichnen. »Bilanziell können wir heute den Strombedarf in Deutschland mit Photovoltaik decken«, stellt Thomas Vogel, Geschäftsführer der FS Frankensolar Projektmanagement, fest, »aber in der Realität funktioniert das leider nicht. Wir brauchen eine Grundlast, die darstellbar ist, und das schaffen PV und Wind nur in Kombination mit anderen Formen der Stromerzeugung«. Für Vogel beschäftigt sich die PV-Branche daher etwas zu sehr mit der eigenen Nabelschau. »Was wir in diesem Land wirklich brauchen, ist eine Energiewendediskussion, die alle erneuerbaren Energien beinhaltet, und keine davon losgelöste Photovoltaik-Diskussion.«

Doch wie kam es eigentlich zur heutigen Situation? Als der deutsche PV-Markt 2009/10 immer neue Rekordinstallationsniveaus erreichte, stand schlicht nicht genügend Material zur Verfügung, erinnert Dr. Wicht: »Da wurde alles draufgeschraubt, was irgendwie verfügbar war, und als es lief, war es am Markt akzeptiert.« Gemeint sind damit vor allem die PV-Module aus China. Vor ihrem Einsatz schreckten die Installateure zuvor angesichts fehlender oder geringer Erfahrungswerte zurück. Im Gefolge begann 2009/10 der Siegeszug chinesischer PV-Modul-Hersteller auf deutschen Dächern und PV-Flächen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt begannen die Probleme der deutschen PV-Hersteller.