Interview MTM Power mit Investitionen und einem Patent

Zusammen mit dem technischen Geschäftsführer Steffen Heinrich, nahm Hilmar Kraus am 25. März in Wien die Auszeichnung als bester Lieferant in der Kategorie »Commodity Parts« durch Siemens Rail Systems entgegen.
Zusammen mit dem technischen Geschäftsführer Steffen Heinrich, nahm Hilmar Kraus am 25. März in Wien die Auszeichnung als bester Lieferant in der Kategorie »Commodity Parts« durch Siemens Rail Systems entgegen.

Stillstand gibt es für Hilmar Kraus, Gründer und Geschäftsführer der MTM Power, nicht: Für 5 Millionen Euro wird pünktlich zum 25-jährigen Firmenjubiläum 2016 in Mellenbach eine dritte Fertigungshalle entstehen, in der das Unternehmen Lösungen für die Ladetechnik produzieren wird. Außerdem wurde ein Patent für den thermoselektiven Vakuumverguss registriert.

Markt&Technik: MTM Power wurde vor kurzem von Siemens Rail Systems als bester Lieferant in der Sparte »Commodity Parts« ausgezeichnet. Welche Bedeutung hat diese Auszeichnung für Sie?

Hilmar Kraus: Für uns ist dieser Preis eine ganz besondere Auszeichnung. Als mittelständischer Spezialist konnten wir uns gegen internationale Konkurrenz durchsetzen. Für mich ist das die Bestätigung, dass wir mit unserem Konzept der Fertigung in Deutschland, hoher Liefertreue und einem kompromisslosen Qualitätsanspruch absolut richtig liegen. Der Dank gebührt darum allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens, die diesen Erfolg möglich gemacht haben.
Auszeichnungen wie diese fördern sicherlich das Image eines Unternehmens, doch wie sieht es mit der Auftragsentwicklung aus?

Aktuell weisen unsere Auftragsbücher einen Bestand von rund 10 Millionen Euro auf. Wir streben für das Geschäftsjahr 2014 eine Umsatzsteigerung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr an, unser Ziel liegt damit bei 20 Millionen Euro. Wenn wir das schaffen, wollen wir im nächsten Jahr noch eine Schippe drauflegen und streben dann für 2015 eine Steigerung um 25 Prozent auf 25 Millionen Euro an. Diese Ziele hängen jedoch von einer stabilen Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Ein Wiederaufflammen der Eurokrise etwa könnte das Erreichen der gesetzten Ziele verzögern.

Ihr größtes Umsatzsegment stellt die Bahntechnik dar. Wie hoch ist die Zahl der dort zum Einsatz kommende Wandler? Sehen Sie Chancen, Ihre Marktstellung in diesem Bereich noch weiter auszubauen?

In einer einzigen Lokomotive finden Sie bis zu 22 verschiedene Wandler. Betrachten Sie einen kompletten Zug, kommen Sie auf eine Zahl von 70 bis 80 Wandlern. Das reicht von Türsteuerungen über Beleuchtungsapplikationen etwa in LED-Technik bis hin zu Applikationen in Klimaanlagen oder Sitzheizungen. Und die Bahntechnik ist ja auch ein »Never-Ending-Business«, Stichwort Refurbishment. Aktuell überholt die Bahn beispielsweise 41 ICE-3-Züge in Nürnberg. Turnusgemäß erfolgt dabei der Austausch von Komponenten und Systemen, um einen weiteren problemlosen Nutzungszyklus zu gewährleisten. Ich sehe daher gute Chancen, dass wir in Zukunft bis zu 50 Prozent des Unternehmensumsatzes mit Produkten für die Bahntechnik erzielen.

Ihr Exportanteil liegt derzeit bei 40 Prozent, Sie wollen ihn weiter stärken. Sehen Sie dazu in den BRIC-Staaten die größten Chancen und würden Sie eventuell so weit gehen, in einem dieser Wachstumsmärkte auch vor Ort zu fertigen?

Aktuell gehen 60 Prozent unseres Exports nach Europa, die restlichen 40 Prozent verteilen sich auf die USA und China. Das größte Potential für uns im Bereich Bahntechnik und Transportwesen sehe ich langfristig in Russland, China und Südafrika. Dort stehen für die nächsten Jahre große Investitionsprogramme an. Weniger optimistisch bin ich dagegen für immer wieder genannte Zukunftsmärkte wie Indien und Brasilien. Es ist möglich, dass sich die Rahmenbedingungen dort noch ändern, aktuell sieht es dort für Bahntechnik aber nicht sehr verheißungsvoll aus. Eine Fertigung in einem dieser Länder würde ich aber nur in enger Zusammenarbeit mit Kunden wie Siemens oder Alstom aufbauen, wenn man mit einem solchen Anliegen an uns heran tritt. Ob es dazu in Zukunft kommt, wird sich zeigen.

Lassen sich die von Ihnen gesetzten Wachstumsziele für die nächsten Jahre mit den vorhandenen Produktionskapazitäten realisieren, oder planen Sie einen weiteren Ausbau der Produktion in Mellenbach?

Wir werden in diesem Jahr rund 350.000 Wandler produzieren, und dieses Volumen im nächsten Jahr wohl auf 500.000 Geräte steigern. Da wir den Produktbereich Ladetechnik als neues Produktfeld ausbauen wollen, sowohl für Anwendungen im Bereich E-Mobility, vor allem aber für Bahnapplikationen im Leistungsbereich von 30 bis 40 kW, benötigen wir für die Fertigung dieser Hochleistungswandler und Umrichter eine eigene Halle. Wir werden darum 2016 eine dritte Fertigungshalle in Mellenbach errichten. Aktuell gehen wir dafür von einem Investitionsvolumen von rund 5 Millionen Euro aus.

Zum 25-jährigen Unternehmensjubiläum kommt mit dem Bau der neuen Produktionshalle noch einmal eine deutliche Steigerung der Mitarbeiterzahl auf Sie zu. Mit wie vielen neu geschaffenen Arbeitsplätzen rechnen Sie?

Aktuell beschäftigen wir rund 190 Mitarbeiter in Mellenbach. Davon sind fast 30 allein im Bereich Hard- und Softwareentwicklung sowie in unserem EMV-Labor beschäftigt. Wenn wir dann die neue Halle beziehen, gehe ich davon aus, dass wir noch einmal etwa 30 bis 50 neue Mitarbeiter einstellen werden. MTM Power dürfte dann endgültig einer der größten industriellen Arbeitgeber in der Region sein, und hat sich, vielleicht zur Überraschung des einen oder anderen, als überaus stabiler Arbeitgeber erwiesen.

Sie spielen damit auf die problematischen Jahre nach der Gründung im Jahr 1991 an. Welches waren in Ihren Augen die besonders kritischen Jahre für das Unternehmen?

Hätten wir 1993/94 nicht, der Not gehorchend, Trafos für Halogenlampen gefertigt, würde es das Unternehmen heute nicht mehr geben. Die Aufbauphase war schwieriger, als wir das zu Beginn erwartet hatten. Der Erfolg kam letztlich Schritt für Schritt. Geschafft hatten wir es in meinen Augen dann schließlich, als wir die Gabelstapler-Sparte von Linde als Kunden gewinnen konnten. Dass wir heute die Marktbedeutung haben, die unter anderem durch den »Star« von Siemens Rail Systems bestätigt wird, hat in erster Linie damit zu tun, dass es uns gelungen ist, ein großes, letztlich auf Modulen basierendes Produktportfolio am Markt zu etablieren, wir aber gleichzeitig in der Lage sind, Sonderlösungen und Modifikationen, etwa nach Bahn-, oder Industrieanforderungen, mit großer Flexibilität hinsichtlich Realisierbarkeit und Stückzahlen zu realisieren.

Eine wichtige Rolle spielte für Sie dabei immer der thermoselektive Vakuumverguss. Inzwischen ist es Ihnen sogar gelungen, dieses Verfahren patentieren zu lassen.

Ja, auch wenn das einige am Markt über die Jahre nicht für möglich gehalten haben, hat sich unser langer Atem in dieser Sache letztlich doch ausgezahlt: Seit kurzem haben wir nun mit dem EP 1 987 708 ein Patent auf die Vakuumvergusstechnologie, und in den USA haben wir ein Patent auf unsere IP67-Geräte erhalten, das U.S. Patent No. 8,263,880. Wir werden diese Patente nutzen, um gegen diejenigen vorzugehen, die der Ansicht sind, unser Know-how einfach abkupfern zu können. Wir werden uns den Wettbewerb sehr genau ansehen und dann gegebenenfalls aktiv werden.

Aktiv war zuletzt auch Ihre Entwicklungsabteilung, die sowohl im AC/DC- wie im DC/DC-Bereich eine Reihe von Neuentwicklungen vorangebracht hat. Wann werden diese Produkte auf den Markt kommen?

Im AC/DC-Bereich sind wir bereits mit der Entwicklung unserer neuen 150-W-Plattform gestartet. Die 250-W- und 500-W-Plattformen befinden sich kurz vor dem Start der finalen Definitionsphase. Dasselbe gilt für eine neue Modulserie, deren Projektname bislang PMAX lautet und die Ausgangsleistungen von 15 bis 60 W mit hoher Leistungsdichte liefern wird. Im Bereich DC/DC-Wandler bringen wir mit der neuen PMG/PCMGS14 einen bahntauglichen Konverter mit einer kleinen Leistung von 14 W auf den Markt, der auf Applikationen im Führerstand, in Brandschutzwarnanlagen und in der Lüfterversorgung zielt. Ein richtiges Schwergewicht stellt dagegen unsere neu entwickelte Sinuswechselrichterplattform MPDAC dar, die Leistungen von 750 bis 3000 VA abdeckt. Unser ehrgeiziges Ziel bei der Entwicklung: alle im Bahnbereich üblichen Bordnetzspannungen nach EN 50155 mit nur ein oder maximal zwei Eingangsspannungsbereichen abdecken zu können.

Können Sie sich neben Bahn- und Industrieapplikationen weitere Tätigkeitsfelder für die MTM Power vorstellen? Trendmärkte wie etwa Renewable haben Sie ja in der Vergangenheit kaum interessiert.

Die Antwort mag Sie überraschen, aber ich halte die Schifffahrtsindustrie für uns für absolut interessant. Speziell durch Bau der Kreuzfahrschiffe in den deutschen Werften ist hier in den letzten Jahren ein Markt entstanden, der für unser Produktspektrum absolut interessant ist. Wir werden sehen, wie sich das in den nächsten Jahren für uns entwickelt.