Stromversorgungsbranche Guter Start ins neue Geschäftsjahr

Branchenbarometer Stromversorgungen: Stimmung der Vorkrisenjahre kehrt zurück.
Branchenbarometer Stromversorgungen: Stimmung der Vorkrisenjahre kehrt zurück.

Trotz eines aktuellen Käufermarktes kehrt der Optimismus der Vorkrisenzeit in die deutsche Stromversorgungsbranche zurück.

»Die Wirtschaft ist aktuell nicht so schlecht, wie sie manche gerne reden möchten«, so Markus Schmitz, Einkaufsleiter bei Schukat, »auch wenn immer wieder neue Krisenherde auftauchen«. Nach Einschätzung von Bernhard Erdl, Gründer und President von Puls, »haben sich die Unternehmen inzwischen an die politischen Unsicherheiten in Europa gewöhnt, und gehen ganz normal ihren Geschäften nach«. Selbst das gefürchtete »Fiscal Cliff« in den USA zeigt, wie Erdl betont, »bislang noch keine konkreten Auswirkungen auf den Märkten«. Aus den Äußerungen der Branchenexperten lässt sich aber auch ziemlich deutlich herauslesen, dass der deutsche Stromversorgungsmarkt in den ersten Monaten dieses Jahres immer noch tendenziell ein Käufermarkt ist.

Am deutlichsten, was den Unterschied von 2013 zu 2012 angeht, wird Gustav Erl, General Manager der TDK-Lambda Germany. »Sowohl unsere Auftragseingang, als auch unser Umsatz lagen in den ersten zwei Monaten dieses Jahres um 10 Prozent über dem Vorjahresniveau«, berichtet er, »wir spüren zudem eine Steigerung bei den R&D-Investitionen unserer Kunden. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer leichten Steigerung unserer Neuprojektquote in diesem Jahr, im Vergleich zu 2012«. Als einer der größten, am deutschen Markt agierenden Stromversorgungs-Anbieter, dürfte TDK-Lambda damit den Trend der Branche für 2013 vorzeichnen.

Oliver Walter, CEO von Camtec, wird deutlich, wenn es um die Klagen einiger Wettbewerber über ein nach wie vor verhaltenes Orderverhalten geht: »Das ist klagen auf sehr hohem Niveau«. »Natürlich war 2012 ein Jahr der Konsolidierung, des etwas niedrigeren Wachstums«, so seine Einschätzung, »aber wir verzeichnen weiterhin einen stabilen Auftragseingang«.  Nach Einschätzung von Nicole Hauschild, Operative Manager der M+R Multitronik, bleibt die verschärfte Wettbewerbs- und Preissituation des Vorjahres auch im erkennbaren Marktaufschwung dieses Jahres erhalten.

Obwohl der ehemalige Boom-Markt der Erneuerbaren Energien spätestens seit den Fördereinschnitten der Vorjahre viel von seiner Attraktivität verloren hat, stellt das Segment für einige Anbieter wie etwa inpotron Schaltnetzteile nach den Worten des Gründers und geschäftsführenden Gesellschafters Hermann Püthe, »einen weiterhin guten Markt dar«. Andreas Mielke, Geschäftsführer der Eplax weist darauf hin, dass in diesem Bereich speziell eine rege Nachfrage nach kundenspezifischen Lösungen gegeben sei. Mielke gibt aber auch zu, »dass sich der Drive sowohl im Bereich der Offshore-Windenergie als auch im Bereich der Solaranwendungen deutlich verlangsamt hat«.

Das höchste Wachstumspotential dieses Jahres messen die Power-Experten dem Bereich der Power-Lösungen für den LED-Beleuchtungsmarkt zu. Dieses Marktsegment ist den Worten des Produktmanagers Uwe Daro, von Schukat, bereits im letzten Jahr überproportional gestiegen, »und wir gehen davon aus, dass die LED-Beleuchtungstechnik auch in diesem Jahr unsere Stromversorgungsaktivitäten stark prägt«. Wie dynamisch sich dieses Marktsegment verhält, zeigt die Beschreibung von Jörg Traum, Geschäftsführer der Emtron: »Unsere Lagerbestände werden jeweils innerhalb weniger Tage leergeräumt«. Zu einem immer stärkeren Treiber des Power-Geschäfts, entwickelt sich nach den Worten von Christian Bernard, Vertriebsleiter DACH für Gaia Converter, der Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel und der Infrastruktur. Eine Entwicklung, die sich nach Aussage von Branchenkennern nicht nur auf den deutschen und europäischen Power-Markt beschränkt.

Angesichts der aktuell wieder auf einem niedrigen Niveau angekommenen Lieferzeiten für aktive und passive Bauelemente, sowie elektromechanische Komponenten, scheinen die Stromversorgungshersteller derzeit keine zeitlichen Probleme im Fertigungsbereich zu fürchten. Allerdings gibt es durchaus auch Hinweise darauf, dass es etwa immer wieder zu Engpässen bei der Versorgung mit Relais kommt. Auch weist Jürgen Höhle, Geschäftsführer der Etasyn darauf hin, dass es nach wie vor durchaus Lieferzeiten von bis zu 16 Wochen für ausgewählte aktive Bauelemente gibt, »und bei Elektrolyt-Kondensatoren kann das sogar bis zu 20 Wochen dauern«!

Ungeachtet partiell auftretender Probleme, sind die Hersteller von Standardstromversorgungen derzeit in der Lage problemlos vom Lager ab zu liefern, und sollte es sich mal um Versionen mit seltener gewünschten Ausgangsspannungen oder anderen Features handeln, bewegen sich die Lieferzeiten laut Erl, »aktuell immer noch bei 4 bis 6 Wochen«. Auch wenn es um Sonder- oder Einzelanfertigungen geht, bewegen sich die Lieferzeiten auf einem Niveau, das sich nach Angaben von Bernard, »aktuell immer noch 4 bis 6 Wochen«. Vor diesem Hintergrund verwundert es wenig, wenn Schmitz angesichts der zur Zeit gut gefüllten Lager frühestens zum zweiten Halbjahr wieder mit einem Anstieg der Lieferzeiten rechnet.

Wenig bis gar keine Impulse erwarten die deutschen Stromversorgungsbauer und -anbieter, 2013 aus Südeuropa. »Wenn ein Land eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent und mehr erreicht«, so Karsten Bier,CEO von Recom Electronic, »dann ist die jeweilige Wirtschaft de facto kaputt«. In ihrer Mehrzahl geben die befragten Unternehmen zu Protokoll, keine, oder nur wenige direkte Geschäftsbeziehungen zu Kunden in Ländern wie Portugal, Spanien, Griechenland, oder Italien zu unterhalten.