Kolumne Grillmaster Flash

Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien.
Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien.

Sommerzeit ist Grillzeit. Die Rinder werden komplett wahnsinnig, die Vögel haben Grippe und der Cholesterinpegel der Grill-Freaks steigt wie...

...die Elbe im Frühling. Egal oder besser: Wurscht. Wir grillen. In einem Reihenendhausgarten nicht viel größer als eine Tischtennisplatte. Es wird serviert. Die Ehegattinnen stellen flugs die mit Rucola gefüllten Salateimer auf die PVC-folienbedeckten Tische.

Die Männer scharen sich um die Feuerstelle. Grill anwerfen ist Männersache. Die Grillexperten fachsimpeln Hand links im Hosensack, Hand rechts am Bier aus dem selbst kühlenden Fass (endlich mal sinnvolles Hightech!). „Oh mei, so wird des nie was“, raunzt einer der Pyrotechniker und weiß „da fehlt noch ein halber Liter Spiritus“. Zisch – er, der Spiritus Rector, übernimmt jetzt das Grill-Kommando. Man sieht gleich, dass es sich hier um einen echten Grillmaster handelt: verchromte Grillzange, Schürze mit Monogramm und dem Aufdruck „Grillgott“ (siehe Gewinnspiel unten) und so wie er angibt, wurden bereits mehrere Grillsaucen und einige Marinaden nach ihm benannt.

Inzwischen gibt der Blasebalg vom Schlauchboot aus der Garage sein Letztes. Doch die Glut bleibt cool. Also wieder rein in die Garage, die besser ausgestattet scheint als manche große Baumarktfiliale. Raus mit der Kabeltrommel, den Föhn aus dem Bad geholt – jetzt geht´s los: Kohlestaub und Funkenschlag erfüllen die Luft wie in einem chinesischen Bergwerk. Endlich offenes Feuer.
Jetzt kommt die Stunde des Grillzangen-Mozarts: „Du, probier´ mal, ob´s schon durch ist.“ Er hält mir ein Bluttriefendes Gewebeteil eines verendeten Paarhufers unter die Nase. „Na, bisschen braucht´s wohl noch!“ Plopp, die Vegetarierin am Tischende kann kein Blut sehen und kippt gleich ohnmächtig vornüber in ihren Gurkenauflauf. Es wird dunkel. Zeit für die Mückenlichter, die die aufmerksame Gastgeberin extra im Hunderterpack bei Ikea angeschafft hat. Der Salat welkt im Eimer dahin, die Fleischplatte leert sich, es bleiben nur noch Würstel. „Weißt du eigentlich, was alles drin ist in diesen Darmtrakten ermordeter Tiere, die Ihr Würstel nennt?“, fragt mich die wieder belebte Vegetarierin vorwurfsvoll. Wenn ich das wüsste, würde ich sie wohl kaum essen, denke ich und hol mir noch schnell zwei Paar Nachschlag, bevor die letzte Glut erlischt. Ich liebe Grillen.

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