Emerson-Studie Fehlendes Bewussstein für mögliche Stromausfälle

Dr. Peter Koch, Emerson Network Power

»Moderne DCIM-Lösungen ermöglichen ein umfassendes Monitoring und Management 
der gesamten Infrastruktur.«
Dr. Peter Koch, Emerson Network Power »Moderne DCIM-Lösungen ermöglichen ein umfassendes Monitoring und Management der gesamten Infrastruktur.«

Ein USV-System fängt innerhalb eines Jahres durchschnittlich mehr als 1500 Zwischenfälle in der Stromversorgung ab. »Das ergab unsere Auswertung der Daten von über 3000 USV-Systemen«, sagt Emerson-Manager Dr. Peter Koch. Für die sichere Stromversorgung eines Rechenzentrums sei ein Notfallplan deshalb unerlässlich.

Stromausfälle sind heutzutage in Deutschland selten, denn die Energieversorgung ist stabil, gleichwohl sind Spannungsschwankungen aber auch hierzulande keine Seltenheit. Ganz gleich, wie unbedeutend diese Spannungsschwankungen auch sein mögen, so können sie genauso wie Stromausfälle ohne Absicherung durch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) den Betrieb elektronischer Geräte wie Server oder Netzwerkkomponenten »empfindlich stören und die gesamte Infrastruktur sowie alle Prozesse in Unternehmen zum Stocken oder gar Ausfall bringen«, betont Koch, Vice President solutions & complexity management Racks & Integrated Solutions bei Emerson Network Power in EMEA. Mögliche Folgen sind Ausfallzeiten, Datenverlust, Produktionseinbußen, verärgerte Kunden und letztlich Umsatzverluste.
Deshalb lohne es sich, bereits vor einem Störungsfall alle notwendigen Schritte zu definieren, um im Ernstfall gerüstet zu sein und die Ausfallsicherheit zu gewährleisten. Damit USV-System und Generatoren jederzeit einsatzbereit sind, sollten in einem »Business Continuity«-Plan klare Vorschriften festgehalten werden.

Ein Plan für alle Fälle


Um für einen Störfall optimal gerüstet zu sein, müssen bereits im Vorfeld grundlegende Entscheidungen getroffen werden: Ab wann wird die Last heruntergefahren? Ab wann soll ein Generator die Stromversorgung übernehmen? Bei der Festlegung dieser Abläufe muss zudem die Wahrscheinlichkeit eines wiederholten Einsatzes eines USV-Systems berücksichtigt werden. »Es ist wichtig, im Rahmen einer regelmäßigen Wartung dafür zu sorgen, dass die Batterie ausreichend geladen ist – insbesondere, wenn das USV-System gerade erst im Einsatz war«, sagt Koch. Dies gilt auch für die Fälle, bei denen zusätzlich ein Dieselgenerator oder ein System auf Basis von Brennstoffzellen zum Einsatz kommt.

Ressourcenplanung


Neben den in einer Notfallsituation anfallenden Aufgaben sind in einem »Business Continuity«-Plan auch die permanent erforderlichen Vorsorgemaßnahmen und die Materialien festzuhalten, die jederzeit verfügbar sein müssen – wie etwa die Anzahl der für den Notfall sofort verfügbaren Ersatzbatterien. Liegen zwischen zwei Stromausfällen nur wenige Stunden, nimmt das Aufladen der Batterien der USV-Systeme zu viel Zeit in Anspruch: »Besser ist es, die Batterien zu ersetzen«, erläutert Koch. Kommt bei der Überbrückung eines längeren Stromausfalls zusätzlich ein Dieselgenerator zum Einsatz, ist dafür Sorge zu tragen, dass stets genügend Kraftstoff vorhanden ist, der Dieseltank muss also rechtzeitig wieder aufgefüllt werden.
Fehlerquellen bergen auch die einem USV-System oftmals vorgeschalteten Generatoren: Das können kaputte, fehlerhafte oder leere Batterien für deren Start sein oder auch zu wenig Kühlmittel oder defekte Sensoren. Es ist außerdem möglich, dass der Generator irrtümlicherweise nicht auf Autostart eingestellt ist, sondern auf Handbetrieb. Oder es wurde der Nothalt in Folge einer Wartung oder eines Service-Einsatzes ausgelöst und nicht wieder zurückgesetzt. Um dies zu vermeiden, sollte der »Business Continuity«-Plan eine »regelmäßige Wartung von USV und Generator inklusive Überprüfung des Dieseltanks bzw. der Batterien vorschreiben«, mahnt Koch.

Einsatz von DCIM


Schwerwiegende Folgen durch Unterbrechungen der Stromversorgung lassen sich einfach vermeiden, wenn Unternehmen sich auf den Ernstfall vorbereiten: »Moderne DCIM-Lösungen (Data Center Infrastructure Management) ermöglichen ein umfassendes Monitoring und Management der gesamten Infrastruktur«, versichert Koch. Dazu zählen sowohl die IT- als auch die Facility-Komponenten wie etwa Kühlung und Beleuchtung. DCIM bezieht in Echtzeit gemessene Daten mit ein, berücksichtigt auch Veränderungen der virtuellen Infrastruktur, erfasst kritische Wechselbeziehungen im Rechenzentrum und erlaubt auf diese Weise eine dynamische Optimierung der gesamten Infrastruktur. Schwankungen in der Stromversorgung kann so im Vorfeld entgegen gesteuert werden, sodass sich Unterbrechungen und Ausfälle der Energiezufuhr verhindern lassen.

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