Varta Microbattery Erfolgreich abseits der High-Runner-Märkte

Herbert Schein, Varta Microbattery: »Energiespeicherung ist das Wachstumsthema des nächsten Jahrzehnts! Ausgehend von unserer Kernkompetenz Mikrobatterie werden wir unsere R&D-Stärke zukünftig mit Kooperationspartnern zur Erschließung neuer Wachstumsmärkte nutzen.«

Herbert Schein, CEO von Varta Microbattery, will die R&D-Stärke des Unternehmens verstärkt zur Erschließung von Zukunftsmärkten nutzen, wie E-Mobility, Organische Elektronik, Energie-Zwischenspeicherung im Bereich Erneuerbarer Energien und neuartige Elektronikdevices. Mittelfristig liegt das Umsatzziel bei 200 Mio. Euro.

Markt&Technik: Auf dem Weltmarkt herrscht Mitte 2010 ein Überangebot an Batterien und Akkus. Wie kann sich ein Nischenspezialist wie Varta Microbattery auf diesem Käufermarkt gegen die Big Guys der Branche, die sich Markanteile mit Kampfpreisen erkaufen, behaupten?

Herbert Schein: Wir bedienen die klassischen High-Runner-Märkte nicht, Varta Microbattery zeichnet sich vor allem durch sein Innovationsstreben aus. Wir bieten Produkte an, die sich durch einzigartige Eigenschaften auszeichnen und damit gerade für Nischenapplikationen wie maßgeschneidert sind. So ist beispielsweise einzig Varta Microbattery dazu in der Lage, eine Batterie für wieder aufladbare Hörgeräte anzubieten.

Welches ist der wichtigste Umsatzbereich für Varta Microbattery, und wo sehen Sie für die Zukunft die größten Wachstumschancen für Ihr Unternehmen?

Wir erzielen weit über 60 Prozent unseres Umsatzes auf dem OEM-Markt. Der Rest verteilt sich auf den Retail Markt, vor allem Hörgerätebatterien oder Silberoxidbatterien. Während es sich beim OEM-Geschäft, vor allem um Nickelmetallhydrid-Knopfzellen handelt, kommen Silberoxidbatterien vor allem im Medizinbereich zum Einsatz, etwa bei Insulinpumpen. Für die Zukunft erwarten wir ein kontinuierliches, weiteres Wachstum bei Hörgerätebatterien und ein noch größeres Wachstum bei Produkten für den Metering Markt.

Aufgrund Ihrer Varta-Vergangenheit verfügen Sie über eine für einen Nischenanbieter wohl einmalige weltweite Präsenz. Wie verteilen sich die Umsätze von Varta Microbattery international?

Europa steuert mit 50 Prozent nach wie vor den größten Teil des Umsatzes bei. Asien liegt mit 30 Prozent klar vor dem US-Markt mit 20 Prozent. Zu berücksichtigen ist dabei sicherlich, dass viele Design-Ins für Produkte, die in Asien produziert werden, in Europa erfolgen. Mittelfristig wird sich für uns an dieser Umsatzverteilung nur wenig ändern. Daran ändern auch Erfolge, wie die Tatsache, dass wir es geschafft haben, in Japan kurzfristig zum Marktführer für Hörgeräte zu werden, nur wenig.

Wie stellt sich aktuell Ihre Position auf dem Hörgeräte-Batterienmarkt dar? Wie hoch ist derzeit Ihre Jahresproduktion in diesem Bereich?

Weltweit werden in diesem Jahr etwa 800 Mio. Hörgerätebatterien produziert. Unser Produktionsziel liegt im nächsten Jahr bei 400 Mio. Hörgerätebatterien. Wir wollen diesen Marktanteil weiter ausbauen. Während der Markt jährlich um 4 bis 6 Prozent wächst, streben wir ein höheres Wachstum an.

Sie sprachen zu Beginn von wieder aufladbaren Hörgeräten. Wie sehen die Anforderungen für solche Batterien aus, und welche Verbesserungsmöglichkeiten bieten Hörgerätebatterien heute noch?

Etwa alle zwei Jahre wird die Kapazität der Batterien gesteigert. Wir werden in diesem Rhythmus unsere neuen Batterien vorstellen und deren Performance um 10 Prozent steigern. Wieder aufladbare Hörgeräte erlauben dem Träger eine ein- bis zweitägige Nutzung ohne den bisher üblichen Batteriewechsel. Die hier eingesetzten Batterien müssen eine Zyklenfestigkeit von einem Jahr aufweisen.

Sie setzen auf quecksilberfreie Batterien, auch im Hörgerätebereich. Spielt hier nur der Clean-Tech-Aspekt eine Rolle?

Wir beliefern nun seit mehr als einem Jahr den amerikanischen Markt mit quecksilberfreien Silberoxidzellen und quecksilberfreien Hörgerätebatterien. Neben dem genannten Clean-Tech-Gesichtspunkt möchte ich auch noch erwähnen, dass wir bei unseren quecksilberfreien Hörgerätebatterien eine besonders hohe und extra stabile Spannungslage erzielen.

Seit Ende 2009 bieten Sie mit »CellPac Plus« einen speziellen Batterie-Pack-Service für OEM-Kunden an und seit einigen Monaten auch Standardpack-Lösungen. Welches Zukunftspotenzial sehen Sie in diesen Aktivitäten?

Der CellPac Plus Service wird seit der Markteinführung sehr gut angenommen und übertrifft sogar noch unsere Erwartungen, so dass wir von einem absolut überproportionalem Wachstum sprechen können. Ich halte es daher für möglich dass es uns in drei, vier Jahren gelingen wird, unser Package-Geschäft, das bislang etwa 20 Prozent zum Unternehmensumsatz beitrug, zu verdoppeln.

Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern des im April ins Leben gerufenen Kompetenznetzwerks Lithium-Ionen Batterien (KLiB). Welche Aufgabe fällt Varta Microbattery in diesem Netzwerk zu?

Alle Mitglieder des Kompetenznetzwerks Lithium-Ionen Batterien sind Teil der Wertschöpfungskette für diese Batterien. Ziel des nationalen Netzwerkes ist die Stärkung der Zulieferindustrie Deutschlands über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Vermarktung von Lithium-Ionen Batterien. Die Mitglieder streben den Aufbau und die effiziente Nutzung einer gemeinsamen Infrastruktur für Forschung/Entwicklung, Fertigung und Prüfung an; Synergieeffekte sollen genutzt und einheitliche Standards erarbeitet werden. Wir verfügen über ein umfangreiches und relevantes Lithium-Ionen Batterie-Know-how. Gemeinsam mit den Partnern entwickeln und testen wir neue Materialien. Varta Microbattery ist eines der wenigen Unternehmen, das in der Lage ist, im Lithium-Ionen-Bereich F&E auch in Produktion umzusetzen.