BMZ: Bau der größten Akku-Pack-Fertigung in Europa liegt genau im Zeitplan »Energy Storage entwickelt sich rasanter als erwartet«

Sven Bauer, BMZ: Wenn sich der Trend fortsetzt, dürfte sich Energy Storage in Deutschland bis 2020 zum größten Absatzmarkt für Akku-Packs entwickeln und damit hauptverantwortlich dafür sein, dass sich unser Akku-Bedarf allein bis 2017 auf 120 Millionen Zellen verdoppeln wird.

Mit einer Investition von 45 Millionen Euro in den Bau der größten Akku-Pack-Fertigung in Europa rüstet sich Sven Bauer, Gründer und CEO der BMZ, für das erwartete Marktwachstum durch Energy-Storage und E-Mobility.

 Der neue Entwicklungs-, Produktions- und Verwaltungsstandort in Karlstein soll 2020 in der Lage sein, jährlich bis zu 80 Millionen Lithium-Ionen-Akku-Packs zu produzieren.

Markt&Technik: Herr Bauer, am 2. Februar haben Sie den ersten Spatenstich für Europas größte Akku-Pack-Fertigung gesetzt. Läuft alles nach Plan?

Sven Bauer: Wir liegen absolut im Zeitplan. Es läuft wirklich wie am Schnürchen. Die ersten Hallen werden Mitte Oktober und Mitte November dieses Jahres fertiggestellt. Mit der Produktion beginnen können wir dann im ersten Quartal 2016. Wir haben auch schon mit der Rekrutierung neuer Mitarbeiter begonnen. Für die etwa 100 neuen Beschäftigten, die wir dabei im ersten Schritt brauchen, können wir derzeit aus rund 2000 Bewerbungen auswählen.

Sie haben anlässlich des ersten Spatenstichs angedeutet, dass vielleicht doch nicht die gesamte Produktion am neuen Standort konzentriert wird. Gibt es hier eine neue Entwicklung?

Unser ursprüngliches Ziel war es, angesichts der auf mehrere Standorte verteilten Produktion und Entwicklung die Wege durch die Konzentration auf einen zentralen Standort deutlich zu verringern. Wegen der überraschend hohen Nachfrage nach Energy-Storage-Lösungen insbesondere im Bereich der PV-Strom-Zwischenspeicherung wollen wir uns aber nun doch die Option einer weiteren Nutzung unserer bestehenden Produktionskapazitäten offenhalten. In welchem Umfang wir diese Option tatsächlich ausüben werden, hängt davon ab, wie sich der Markt entwickelt. Aber im Extremfall werden wir die neuen Produktionsstätten bis 2017 erst mal ausschließlich mit Neugeschäft füllen.

Diese Entwicklung kommt etwas überraschend. Noch im letzten Jahr sah es so aus, als ob der Energy-Storage-Markt, speziell mit Blick auf die PV-Strom-Zwischenspeicherung, nur sehr langsam anlaufen würde. Was hat sich in der Zwischenzeit geändert?

Unsere Projekte im Bereich Energy Storage entwickeln sich tatsächlich deutlich schneller als geplant. Das gilt sowohl für die PV-Strom-Zwischenspeicherung – hier haben die Großhändler und Systemhäuser, mit denen wir in Kontakt stehen, deutlich mehr geordert, als geplant – als auch für den Bereich E-Mobility. Eines von vielen Beispielen ist hier der Flughafen Frankfurt. Der will künftig mehrere Dutzend Elektrobusse einsetzen. Wir liefern die dafür benötigten Energiespeicher, die den Heckantrieb dieser Busse realisieren.
Im Bereich PV-Strom-Zwischenspeicherung profitieren wir stark von der kontinuierlich steigenden Nachfrage nach für einen typischen Vier-Personen-Haushalt vollkommen ausreichenden 6,5-kW-Lösungen. Unsere Lithium-Ionen-Zwischenspeicher sind nicht nur besonders kompakt, sie kosten auch etwa ein Drittel weniger als bisher auf dem Markt erhältliche Lösungen. Das hat dazu geführt, dass uns bislang für 2015 schon über 6000 Bestellungen vorliegen.

Widersprüchliche Meldungen gibt es auch zu E-Mobility. Einerseits drückt der niedrige Ölpreis auf die Bereitschaft, in E-Mobility zu investieren, andererseits hat Manz vor kurzem den Verkauf einer Fertigungslinie für Big-Package-Batterien bekannt gegeben.

Bei BMZ gehen wir fest davon aus, dass sich der E-Mobility-Markt konstant weiterentwickeln wird. Das könnte schon im Laufe der nächsten Monate zu einer Verknappung bei den 18650er-Zellen führen, denn von den fast einer Milliarde 18650-Zellen, die Panasonic produziert, geht bekanntlich ja ein beachtlicher Teil direkt an Tesla. Bisher lassen die anderen namhaften Hersteller keine große Bereitschaft erkennen, ihre weltweiten Produktionskapazitäten kurzfristig aufzustocken. Wenn sich der Bedarf allein nur von Tesla wie geplant entwickelt, ist die Giga-Factory also dringend notwendig!

Sehen Sie vor diesem Hintergrund in absehbarer Zeit steigende Lieferzeiten und Preise auf die Kunden zukommen?

Bei den 18650-Zellen liegt die Standard-Lieferzeit heute bereits bei fünf bis sechs Monaten. Angesichts der weltweit voll ausgelasteten Fertigungskapazitäten wird sich das allmählich in Richtung sieben, acht oder neun Monate verschieben. Im Zuge dieser Entwicklung wird es dann wieder zu Kunden-Priorisierungen kommen. Konkret heißt das, kleinere Abnehmer, die nicht 2, 3 oder 5 Millionen Zellen ordern, werden leer ausgehen. Nimmt man dann noch die Euro-Abwertung hinzu, könnten sich die Preise für 18650-Zellen bis zum Jahresende um 20 bis 30 Prozent erhöhen. Eine Alternative wäre eventuell der Umstieg auf Pouchzellen, wie sie etwa LG anbietet.