Markteinschätzungen Deutscher Stromversorgungsmarkt wächst einstellig

Auch wenn der deutsche Stromversorgungsmarkt in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein gesundes Wachstum zeigte, so beginnen sich doch die Auswirkungen der Ukraine-Krise in den Auftragsbüchern niederzuschlagen. Das Aus für ein Wachstum im Jahr 2015? Die Branche nimmt Stellung.

Auch wenn der deutsche Stromversorgungsmarkt in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres ein gesundes Wachstum zeigte, so beginnen sich doch die Auswirkungen der Ukraine-Krise allmählich in den Auftragsbüchern der Branche niederzuschlagen. Für 2015 erwartet die Branche aktuell ein niedrigeres Wachstum als in diesem Jahr.

Bei Book-to-Bill-Raten, die bei einer aktuellen Umfrage dieser Zeitung unter führenden Anbietern von Stromversorgungen von 1,0 bis 1,5 reichen, dürfte sich eigentlich niemand beklagen. Im Prinzip haben die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres, ungeachtet verschiedener, nicht vorhersehbarer regionaler Krisen in den letzten Monaten, die Erwartungen der Power-Spezialisten erfüllt. Das bestätigt auch Wolfgang Reichelt, Geschäftsführer der Block Transformatoren: »Die Prognosen für 2014 haben sich in den ersten beiden Quartalen eingestellt, im dritten und vierten Quartal beobachten wir eine leichte Abschwächungstendenz.« Wenn die deutschen Power-Spezialisten klagen, dann auf hohem Niveau: Die Umsätze wachsen zwar, aber nicht die Margen.

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Optimistische Stromversorgungsbranche

Optimistische Stromversorgungsbranche

Währens sich die Book-to-Bill-Rate bei den Standardgeräte-Herstellern wie TDK-Lambda (1,05), Recom Electronic (1,1) und Friwo (1,06) nahe dem Wert 1 bewegt, kann das Book-to-Bill-Verhältnis bei Spezialisten für kundenspezifische Lösungen wie der Autronic Steuer- und Messtechnik durchaus über 1,5 liegen. Gemeinsam ist allen, dass der Markt 2014 offenbar in Summe durchaus im mittleren einstelligen Bereich wächst. Keines der befragten Unternehmen erwartet für 2014 ein niedrigeres Umsatzniveau als im Vorjahr.

Wie in den Vorjahren zeigt sich auch 2014 unter den Befragten wieder eine deutliche Spreizung, was die Zuwachsraten betrifft. So erwartet Gustav Erl, Geschäftsführer der TDK-Lambda Germany, aufgrund der Markteinführung neuer Produktlinien und eines erfolgreichen Verdrängungswettbewerbs für dieses Jahr ein Wachstum von 3 bis 4 Prozent. TDK-Lambda ist aber auch einer der größten und am weitesten verbreiteten Stromversorgungs-Hersteller am deutschen und europäischen Markt.

Wenn Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile, und Steffen Heinrich, Geschäftsleiter Technik bei MTM Power, für 2014 von zweistelligen Zuwachsraten sprechen, dann dürfte das vor allem damit zu tun haben, dass sie fast ausschließlich im Bereich kundenspezifischer Lösungen aktiv sind. So liegt die Book-to-Bill-Rate bei MTM Power deutlich über 1, wie Steffen berichtet. Für das letzte Quartal 2014 geht er von einer gleichbleibenden Geschäftsentwicklung aus, mit weiter leicht steigendem Auftragseingang.

Im Fall inpotron Schaltnetzeile wird es 2014 wohl auf ein 15-prozentiges Umsatzwachstum hinauslaufen. »Damit liegen wir deutlich über unseren Erwartungen zu Jahresbeginn«, gibt Püthe zu. Verantwortlich für die Zuwächse sind vor allem Neuprojekte, unter anderem aus dem Bereich LED-Beleuchtung. Für ihn sind es die passenden Nischen, auf die man sich als Hersteller konzentrieren muss: »In unserem Fall sind das eben vor allem die Medizintechnik und die LED-Beleuchtung, aus diesem Grund sehe ich unser Unternehmen auch im nächsten Jahr zweistellig wachsen.« Ähnlich sieht das Jürgen Hähle, Geschäftsführer der Etasyn: »Weil wir fast ausschließlich kundenspezifische Netzteile entwickeln und fertigen, sind wir direkt von wenigen Kunden abhängig«, erläutert er, »zwei Drittel unseres Umsatzes erzielen wir im Bereich Medizintechnik«. Bei einem Book-to-Bill-Verhältnis von 1 : 1 und Auftragszusagen in Höhe des Umsatzes 2014 blickt er weiter optimistisch in die Zukunft.