Wachstum auf hohem Niveau Deutsche Akku-Pack-Hersteller erhöhen ihre Produktionskapazitäten

Die Teilnehmer des Branchenforums »Aktuelle Trends und Entwicklungen in der Akku-Technik« der Markt&Technik
Die Teilnehmer des Branchenforums »Aktuelle Trends und Entwicklungen in der Akku-Technik« der Markt&Technik

Der Bedarf an Batterie- und Akku-Lösungen steigt kontinuierlich, und die deutschen Batterie- und Packaging-Spezialisten bauen ihre Fertigungskapazitäten aus - trotz einiger widriger Umstände.

Auch im Bereich der Batterien und Akkus haben die Kunden nicht über die Preissteigerungen gejubelt, die sich aus der Kursverschiebung des Euro zum Dollar ergeben haben, wie die Teilnehmer des Forums »Aktuelle Trends und Entwicklungen in der Akku-Technik« bestätigen, letztlich führte aber auch hier in vielen Fällen kein Weg an Preiserhöhungen vorbei.

Für einige sehr wettbewerbsintensive Produktsegmente scheint das aber nicht zu gelten. So verweist Marco Nover, Sales & Distribution Team Leader Regional Sales bei BMZ, darauf, »dass einige Lieferanten ihre Marktanteile behalten wollen und deshalb Preissteigerungen nicht weitergegeben haben.« Es gibt aber auch das andere Extrem: »Wenn wir die Preiserhöhung nicht schlucken würden, bekämen wir keine Zellen.« »Es ist teilweise abhängig vom Wettbewerb«, bestätigt auch Oliver Sonnemann, Sales & Marketing Director Energy 1 Department bei Panasonic Automotive & Industrial Systems Europe. So diskutieren die in China stehenden Blei-Batterie-Fertigungen schon mit Europa, wenn der Euro schwach wird: »Die versuchen natürlich, das auszugleichen.«

Anders sieht es offenbar bei den Lithium-Ionen-Fertigungsstätten in Japan und China aus. Der harte Wettbewerb zu den koreanischen Hersteller hat hier bewirkt, dass die Fabriken die Auswirkungen der Euro-Schwäche bislang geschluckt haben. »Wenn man auf der einen Seite seit dem ersten Quartal 2014 eine Euro-Abwertung um 19 Prozent hat und gleichzeitig der Preis für Blei um 10 Prozent sinkt, dann ist das eine kommunikative Herausforderung gegenüber dem Kunden«, meint denn auch Raphael Eckert, Group Sales Manager bei Yuasa Battery Europe.

»Wenn wir die Verteuerungen, die durch den schwächeren Euro entstanden sind, direkt an unsere Kunden weitergeben würden, dann müssten wir teilweise um bis zu 20 Prozent im Preis raufgehen«, beschreibt Thilo Hack, Director Industrials Solution bei Ansmann, das Dilemma, in dem viele Batterie- und Akku-Spezialisten stecken. Was man nicht weitergeben kann, nimmt man darum auf seine Marge.

Besonders heftig zu spüren bekommen hat die Auswirkungen der Währungskapriolen zu Jahresbeginn die Schweizer Firma TEFAG Elektronik. »Als die Nationalbank am 16. Januar das bis dahin geltende Kurszielband aufgehoben hat, war das schon ein Schlag für die Schweizer Wirtschaft«, versichert Geschäftsführer Werner Suter, »statt mit einem Kurs von 1,20 rechnen wir jetzt mit 1,04.« Davon, Gleitklauseln in seine Verträge einzubauen, hält er aber nach wie vor nichts: »Da wäre ich dann nur jeden Tag damit beschäftigt, die Preise anzugleichen.« Stattdessen konzentriert er sich auf die Optimierung seiner Lieferkette. Offenbar mit Erfolg, liegt die TEFAG doch gegenüber dem Vorjahr bei einem Plus von 10 Prozent.

Mit Zuwächsen rechen 2015 alle Diskussionsteilnehmer. Zu unterscheiden ist dabei nur zwischen Wechselkurs-beeinflusstem Umsatzplus und Wechselkurs-bereinigtem Umsatzplus. Nover und Sonnemann gehen von zweistelligen Umsatzzuwächsen aus, wobei im Fall BMZ 10 Prozent wohl eher die untere Grenze sein dürften, wohingegen Sonnemann die Spanne bei 5 bis maximal 10 Prozent sieht. Ein stabiles Wachstum von 8 bis 10 Prozent für 2015 erwartet Rainer Hald, CTO der Varta Microbattery: »Vielleicht können wir diese Marke sogar noch etwas übertreffen.« Mit 8 bis 10 Prozent rechnet er auch für 2016. Getrieben wird das Wachstum in Ellwangen nach wie vor von Hörgerätebatterien, aber zunehmend auch von kleinen Lithium-Batterien für Applikationen wie Stereo- und Bluetooth-Headsets. Vor diesem Hintergrund fließen die diesjährigen Investitionen am Standort Ellwangen von 20 Millionen Euro auch vor allem in den Ausbau der Produktionskapazitäten für kleine Lithium-Batterien.

Bei Ansmann investiert man derweil 2 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigungskapazitäten für Akku-Packs. Das klare Ziel dieser Maßnahme, so Hack, ist es, sich auf diesem Gebiet als klare Nummer 2 hinter BMZ am Markt zu etablieren. Währungsbereinigt geht man in Assamstadt von einem Wachstum für dieses Jahr von 10 Prozent aus. Zweistellig will auch die VRI Batterie Technik wachsen, wie Jan Hetzel, Bereichsleiter Technik, versichert. Nach dem Bezug des neuen Firmengebäudes Anfang dieses Jahres steht bei VRI Batterie Technik nun die doppelte Produktionskapazität zur Verfügung. Dieses Potenzial gilt es auszulasten. »Wir sind da durch eine Vielzahl von Design-Ins im letzten Jahr auf dem besten Weg«, versichert Hetzel, »und planen für dieses Jahr mit einem zweistelligen Wachstum. Eine Zielmarke, die man sich auch bei Jauch Quartz zum Ziel gesetzt hat, wie Daniel Panzini, Leiter Geschäftsbereichs Batterien unterstreicht: »In einigen Sparten läuft es sehr gut, da liegen wir bei 11 bis 12 Prozent.«

Nicht ganz so gut wie im letzten Jahr ergeht es Dynamis Batterien. Das hat aber, wie Josef Pfeil versichert, »vor allem damit zu tun, dass wir im letzten Jahr ein Wachstum von 29 Prozent erreicht haben. Aktuell liegt man bei einer Wachstumsrate von 10 bis 15 Prozent. Als Ziel hat man sich bis zum Ende des Jahres ein Plus von 20 Prozent gesetzt. Für den Boom des letzten Jahres waren nach der Erläuterung von Pfeil vor allem Medizintechnik- und Metering-Lösungen verantwortlich. Zurückhaltend zur wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Jahr äußert sich Holger Schuh, Managing Director der Saft Batterien: »Wir sehen zum einen ein stabiles Wachstum, gleichzeitig zeigen sich aber auch ein paar Wolken am Himmel.« Schuh verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf das unter den Wirtschaftssanktionen gegen Russland leidende Zuggeschäft: »Da werden dann gleich mal ein paar hundert Züge weniger gebaut, die dann auch keine Batterien brauchen.« Neben Regionalmärkten wie Südamerika, die nicht optimal laufen, hat auch die Nachfrage aus der Öl- und Gas-Industrie nachgelassen.

Ein Exportplus von 30 bis 40 Prozent, wie es die Firma GS Elektromedizinische Geräte bisher in diesem Jahr erzielt hat, zeigt, dass High-End-Medizintechnik-Anwendungen als Zielmarkt für Akku-Lieferanten mindestens genau so interessant sind wie andere Boom-Märkte des Mobilitätstrends. Seit zehn Jahren, so Günter Stemple, Gründer und President des mittelständischen Unternehmens, setzt GS auf Lithium-Ionen-Lösungen, »davor haben wir Nickel-Cadmium verwendet«. An diesem System schätzt er vor allem die hohe Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit: »Unser Erfolg unter anderem auf dem amerikanischen Markt ist neben der Auswahl dieses elektrochemischen Systems sicher auch darauf zurückzuführen, dass wir den Akku als Bestandteil unseres Geräts betrachten und entsprechende Akku-Management-Systeme in unseren Modulen verwenden«, versichert Stemple. Im Fall der Defibrillatoren beträgt die Ladezeit 5 bis 6 Sekunden. In diesem Zeitraum werden 200 bis 400 Joule geladen. Dass die Pulsbelastung der Zellen bei einem Defibrillator höher sein könnte als in einer Bohrmaschine, ist ein Irrtum. Während bei den Defibrillatoren 18650-Rundzellen zum Einsatz kommen, hat sich GS bei der Konstruktion einer mechanischen Reanimationsmaschine, die 100 Hübe pro Minute mit bis zu 600 N Kraft aufbringt, für Lithium-Polymer-Zellen entschieden. Entscheidend ist dabei der Formfaktor. Seinen Jahresbedarf an Battery-Packs beziffert Stemple auf bis zu 20.000 Stück.

Medizintechnik, so Dr. Jürgen Heydecke, Managing Director, Batteries and Power Solutions, »hat die Entwicklungen von Batterien und Akkus schon immer in Richtung höherer Zuverlässigkeit getrieben, denken Sie in diesem Zusammenhang nur an Implantate.« In Richtung höherer Temperaturen registriert Dr. Heydecke derzeit vor allem Entwicklungstrends aus dem Fahrgastraum des Autos: »Da müssen Lithium-Ionen-Akkus auch noch bei +85 °C ladefähig sein und dürfen auch bei +130 bis +140 °C nicht dick werden. Das ist eine Herausforderung!«