Interview mit Vicor-CEO »Der Übergang zum Power-Components-Markt ist unabwendbar«

Dr. Patrizio Vinciarelli, Vicor (li): »Mit den VIA-Brick-Modulen bringen wir im nächsten Jahr die ChiP-Power-Modul-Technologie in Form kompleter Plug-and-Play-Lösungen auf den Markt.«
Dr. Patrizio Vinciarelli, Vicor (li): »Mit den VIA-Brick-Modulen bringen wir im nächsten Jahr die ChiP-Power-Modul-Technologie in Form kompletter Plug-and-Play-Lösungen auf den Markt.«

Konsequent treibt der Vicor-Gründer und CEO Dr. Patrizio Vinciarelli seine Vision kompakter, leistungsstarker und effizienter Power-Components voran. Der Markteinführung der ChiP-Modul-Technologie folgt mit den VIA-Bricks eine Plug-and-Play-Lösung, die auf der ChiP-Modul-Technik basiert.

Markt&Technik: Ihre jüngsten Quartalsergebnisse zeigen: Vicor hat sich von den Schwierigkeiten, die durch die US-Haushaltsdiskussionen mit verursacht wurden, erholt. Ihr Umsatz dürfte 2014 wieder bei über 200 Millionen Dollar liegen . . .

Dr. Patrizio Vinciarelli: Der Rückgang nach einem Umsatz von 252 Millionen Dollar im Jahr 2011 stellte eine enorme Herausforderung dar. Umsätze von 218 Millionen Dollar im Jahr 2012 und 199 Millionen Dollar im Jahr 2013 zwangen uns im ersten Quartal 2013, Produktion und Mitarbeiterzahl zu reduzieren. Inzwischen hat sich die Situation für uns deutlich positiver entwickelt. Bis zum Ende des dritten Quartals haben wir in diesem Jahr ein Umsatzvolumen von knapp 165 Millionen Dollar erreicht. Angesichts weiter steigender Auftragszahlen bin ich optimistisch, was unseren Jahresumsatz 2014 angeht.

In diesem Jahr ist zwar einiges durch Akquisitionen in der Stromversorgungs-Branche in Bewegung gekommen, doch die Entwicklungsanstrengungen Ihres Wettbewerbs konzentrieren sich noch immer primär auf die Weiterentwicklung existierender Produktkonzepte. Ein Branchentrend zu Power-Components ist noch nicht erkennbar.

Vinciarelli: Auf diese Weise werden weiterhin eine Vielzahl sehr vergleichbarer Produkte produziert, die sich auch technisch wenig unterscheiden. Dieser Umstand dürfte auch für einige der Probleme verantwortlich sein, die zuletzt am Markt aufgetreten sind. Ich bin aber weiter der festen Überzeugung, dass ein Wandel vom Power-Supply- zum Power-Components-Markt innovativen Unternehmen eine große Chance bietet, sich nachhaltig am Markt vom Wettbewerb zu differenzieren.

Jüngstes Beispiel für Ihre Art, sich vom Wettbewerb zu differenzieren, war die Vorstellung der ChiP-Power-Modules. Wie hoch waren die Entwicklungskosten für diese 2013 vorgestellten und seit 2014 erhältlichen Produkte?

Vinciarelli: Wir investieren jährlich 15 Prozent unseres Umsatzes in R&D und beschäftigen etwa 20 Prozent unserer Mitarbeiter im Bereich Research & Development. Das Ziel unserer Anstrengungen ist dabei immer die Steigerung der Effizienz und der Leistungsdichte. Seit wir 2005 die VI-Chips auf den Markt gebracht haben, summieren sich unsere Forschungsausgaben auf ein Volumen, das sich auf 200 Millionen Dollar zubewegt.

Das besondere an der ChiP-Power-Technologie ist ihre im Fertigungsprozess basierte Skalierbarkeit. Sie sind zu Beginn des Jahres 2014 mit einem 1,2-kW-DC/DC-Modul gestartet. Bis zu welcher Leistungsgrenze werden Sie diese Technologie in Zukunft führen?

Vinciarelli: Je nach Applikation und Anforderungsprofil unserer Kunden können wir die Fertigung dieser Produkte in Richtung kleinerer Module, oder auch sehr leistungsfähiger Produkte verändern. Eine Möglichkeit wäre ein 1,8-kW-Modul, eine andere ein 2,5-kW-Modul mit einem Wirkungsgrad von 98,5 Prozent. Ich sehe auch durchaus die Möglichkeit, in dieser Technologie bis 3 kW zu gehen, und ein Modul zu realisieren, dessen Power-Verluste bei weniger als 1 Prozent liegen. Eine andere Möglichkeit wäre auf diese Weise ein PFC-Modul zu realisieren, dessen Leistung wird dann aber in einer Region von etwa 400 W liegen. Aber das sind Zukunftspläne, jetzt beschäftigen wir uns erst einmal damit, die Serienproduktion weiter hochzufahren und neue Anwendungsbereiche für diese Powermodule zu finden.

Die ChiP-Power-Technologie ist die jüngste Ihrer Produktreihen. Wie hoch ist hier inzwischen das Produktionsvolumen und welchen Beitrag leisten die anderen Produktlinien zum Umsatz des Unternehmens?

Vinciarelli: Aktuell fertigen wir etwa 15.000 bis 20.000 Module der ChiP-Power-Technologie in der Woche. Unser Jahresziel liegt bei rund 1 Million ChiP-Module. Bezogen auf den Gesamtumsatz des Unternehmens haben im letzten Jahr die Bricklösungen mit rund 163 Millionen Dollar den bei weitem größten Anteil beigesteuert. Unsere VI-Chips rangieren mit 33,2 Millionen Dollar auf Rang 2, und das Picor-Geschäft trug im Vorjahr etwa 2,8 Millionen Dollar zum Umsatz bei. Ein Blick auf die jüngsten Quartalsergebnisse zeigt, das sowohl und VI-Chip-, als auch das Picor-Geschäft kontinuierlich wachsen. So entsprach allein das Volumen des Picor-Geschäfts im 3. Quartal 2014 fast dem Gesamtvolumen des Vorjahres in diesem Bereich. De Anteil des VI-Chip- und Picor-Geschäfts an unserem Gesamtumsatz, wird in den nächsten Jahren weiter steigen.