Markt&Technik-Forum »Batterien 2011« Das Batteriegeschäft ist zum Designgeschäft geworden, das Elektronik und Ladetechnik beinhaltet

Fukushima und die Folge belasten die Batteriebranche nur partiell, nach wie vor hohe Rohmaterialpreise machen denjenigen, die auf Preiserosion setzen 2011 einen Strich durch die Rechnung. Das Thema Selten Erden belastet die NiMH-Sparte. Einen beispiellosen Boom erleben die Batteriekonfektionäre derzeit im Bereich E-Bikes.

Punktuell haben sich im Gefolge von Fukushima Verlängerungen der Vorlaufzeiten ergeben. Angesichts hoher Rohstoffpreise ist trotz Käufermarkt 2011 kaum mit einer Preiserosion bei Batterien und Akkus zu rechnen.

E-Bikes sind in, sie gelten als trendy. Wehe dem Bike-Hersteller, der den Trend verschläft und kein entsprechendes Modell im Sortiment hat. Haftete Elektrofahrrädern in der Vergangenheit noch das Odium einer Fahrradlösung für ältere oder kranke Menschen an, so ist mit der Wortverkürzung auf E-Bike eine deutliche Verjüngung des Zielpublikums erfolgt.

Bilder: 10

Stimmen aus der Batterie-Branche

Auf dem Markt&Technik-Forum »Batterien 2011« waren der E-Bike-Boom und steigende Rohstoffpreise heiße Themen.

Was sich auf Leit-Messen wie der »Euro Bike« als Branchentrend manifestiert, schlägt sich auf der Angebotsseite in 400 Euro teuren E-Bikes aus dem Baumarkt auf der einen Seite und sündteuren High-End-Lösungen etwa im Custom-Bike-Bereich auf der anderen Seite nieder. Für die Batterie- und Akku-Hersteller sowie die Konfektionäre bedeutet diese Entwicklung vor allem eins: volle Auftragsbücher. Natürlich spielten E-Bikes auch in der Vergangenheit schon eine Rolle, aber doch eher die einer Nischenlösung. Die Applikationsgräber für Akkus hießen Handy, Laptop und Power-Tools.

»Der E-Bike-Markt zählt mit Sicherheit zu den Applikationsbereichen, die in letzter Zeit regelrecht explodiert sind«, stellt Rolf Heiner fest, Manager bei Sanyo Component Europe, CRM Division OEM, CRM Department, PowerTool and German Sales Section, »dieser Markt kommt nicht aus dem Nichts, aber von einem noch vor fünf Jahren sehr niedrigen Niveau«. Sein Kollege Helmut Siegmann, Sales & Marketing Director Industry & Devices Department bei Panasonic, verweist in diesem Zusammenhang auf die Zahl von 300.000 E-Bikes. Eine Zahl, die auch noch die Importe nach Europa beinhaltet. »Heute dürfte diese Zahl deutlich höher liegen, aber ob es 400.000 oder mehr sind, müssten eigentlich die Bike-Hersteller am besten wissen.« Oder auch die Batterie- und Akku-Konfektionäre, denn die wissen offenbar angesichts des Auftragsansturms gar nicht mehr, wie sie der Auftragsflut noch einigermaßen termingerecht Herr werden sollen.

»Wir sind komplett ausgelastet, bräuchten dringend mehr Produktionskapazitäten und haben deshalb bereits mit dem Outsourcing begonnen«, beschreibt Martin Donnert, Vertriebsbeauftragter des Batterien-Montage-Zentrums, BMZ, die Lage bei Europas wohl größtem Konfektionär. »Jeder Bike-Hersteller muss jetzt ein E-Bike auflegen, um weiter mitspielen zu können«, schildert er die Situation am Markt, »das hat den Bedarf explosionsartig wachsen lassen«. Der Flaschenhals, auch das stellt Donnert fest, liegt nicht in der Versorgung mit passenden Zellen, sondern schlicht im Bereich der Konfektionier- und Schweißkapazitäten. »Wir könnten gleich noch mal zwei Stockwerke auf unsere Fertigungsstätte draufsetzen, um das alles im eigenen Haus machen zu können«. Da das nicht geht, sieht man sich eben in der Branche um, wer noch Kapazitäten frei hat. Auch bei REVA fährt man angesichts des E-Bike-Booms inzwischen schon Zwei- bis Drei-Schicht-Betrieb, berichtet Jan Hetzel, zuständig für den technischen Vertrieb und Application Engineering bei REVA. »Da geht es jetzt richtig zur Sache, wir erhalten Anfragen von Wunschkunden, die sich bislang auf Standardlösungen aus China verlassen haben und jetzt ihr eigenes Design und ihre eigene Elektronik einsetzen wollen«.

Warum nur das Akku-Pack und die Lade-elektronik machen, und nicht gleich ein komplettes E-Bike? Diese Frage hat man sich bei Ansmann gestellt. Bisher versorgte das Unternehmen andere Anbieter mit der Ladeelektronik, im Mai nun hat Ansmann, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Firmenjubiläum feiert, eine eigene Produktionshalle für die Batteriekonfektion und die E-Bike-Fertigung eröffnet. »Die Auftragsbücher sind voll«, sagt Thilo Hack, zuständig für die Bereichsleitung Vertrieb in der Ansmann-Division »Industrielösungen«, »der Markt ist aber auch sehr unterschiedlich. Er reicht vom Massenmarkt bis zu Spezialfahrrädern«. Wie breit das Spektrum am E-Bike-Markt ist, macht Hans-Martin Baum, Leiter des technischen Vertriebs bei Dynamis Batterien deutlich: »Es gibt da Billigangebote mit 6 Ah und 300 bis 500 Wh, aber auch Lösungen, die mit 24 bis 36 V aufwarten und dem Anwender 18 Ah bieten.« Da die Akkus über zwei, drei Handelsstufen gehen, heißt das für den Endkunden: Er zahlt 300 bis 500 Euro für seine E-Bike-Akku-Lösung.

Vor einigen Jahren noch, erinnert sich Baum, erhielt man dafür einen NiMH-Akku, der nach zwei Jahren ausgetauscht werden musste, heute kommen Lithium-Ionen-Lösungen zum Einsatz. Dass angesichts des Einstiegs von Schwergewichten wie Bosch in den Pedelec-Markt die Geschäfte vor allem auch für die mittelständischen Batteriekonfektionäre so gut laufen, führen die Vertreter der Konfektionäre darauf zurück, dass Anbieter wie Bosch zwar hervorragende Lösungen anbieten, aber eben aufgrund ihrer Größe Tanker seien. »Wir dagegen sind Speedboote«, macht Donnert den Unterschied lachend deutlich, »und auf dem sehr volatilen E-Bike-Markt muss man eben auch schnell und flexibel agieren und reagieren können«.

Dass man angesichts des Booms derzeit so mit Produktionsengpässen zu kämpfen hat, machen die Diskussionsteilnehmer auch an der Sogwirkung des Jahres 2009 fest. Unter dem Primat des Cash-is-King und der unsicheren Zukunftsentwicklung wurden damals Lagerbestände und Produktionskapazitäten heruntergefahren. Es wurden allerorts Sicherheitsmechanismen eingerichtet. Ein Jahr später hatte sich die Situation wieder komplett gedreht. Nach Ansicht der versammelten Branchenexperten wird 2010 jedoch kein einmaliger Peak sein. Alle Diskussionsteilnehmer sind von der Nachhaltigkeit des Aufschwungs 2010 überzeugt. Bei vielen sind die Auftragsbücher für 2011 bereits voll, mit ei-nem deutlichen Rückgang der Aufträge 2012 rechnet keiner der versammelten Experten.