Batteriekonfektion BMZ: »Die Zelle ist die Basis, das Know-how steckt im Package«

Sven Bauer, BMZ: »Als Systempartner und Konfektionär liegt unser Kern-Know-how im Bereich hochintegrierter Lösungen. Auf diese Weise sind wir in der Lage, kostengünstigere Lösungen anzubieten als der vor allem auf analoge und diskret aufgebaute Lösungen setzende chinesische Wettbewerb.«
Sven Bauer, BMZ: »Als Systempartner und Konfektionär liegt unser Kern-Know-how im Bereich hochintegrierter Lösungen. Auf diese Weise sind wir in der Lage, kostengünstigere Lösungen anzubieten als der vor allem auf analoge und diskret aufgebaute Lösungen setzende chinesische Wettbewerb.«

20 Jahre nach der Gründung hat sich die BMZ zum größten unabhängigen Batteriekonfektionär Europas entwickelt. Gründer und CEO Sven Bauer hat ehrgeizige Wachstumspläne für 2014 und erläutert, auf welche Trends er dabei setzt.

Markt&Technik: Von 280 auf 350 Millionen Dollar Umsatz in diesem Jahr. Sie haben sich für 2014 einiges vorgenommen. Welche Trends treiben dieses Wachstum?

Sven Bauer: Aktuell wird dieses Wachstum bei uns vor allem getrieben durch Mobilitäts-Applikationen. Sehr schnell entwickelt sich dabei Automotive, aber auch die Nachfrage aus den Bereichen Gabelstapler, Bagger, Kehrmaschinen oder Scooter steigt deutlich. Hinzu kommt ein dank des regenarmen Frühlings sehr gutes Pedelec- und E-Bike-Geschäft. Dieser Bereich entwickelt sich sogar so gut, dass die meisten Hersteller nicht nur ihren kompletten Lagerbestand abverkauft haben, sondern massiv nachbestellen.

Einer der Umsatzbringer der letzten Jahre waren Gartengeräte. Setzt sich das fort?

Ja, aber auf unterschiedliche Art und Weise: Während die großen Hersteller in diesem Bereich konsequent auf eine Plattformstrategie setzen, also eine Batterielösung entwickeln lassen, die dann für die verschiedensten Anwendungen adaptiert wird, ist das für die kleineren Hersteller kein gangbarer Weg. Hier beziehen sich unsere Aufträge immer auf einzelne Lösungen. Das Potenzial im Garten ist noch lange nicht ausgereizt. Ging es zu Beginn darum, unabhängig vom Stromkabel zu werden und damit den Aktionsradius und die Beweglichkeit zu erhöhen, steht heute die Geräuschminimierung im Vordergrund. Denken Sie an das Geräusch einer klassischen Motorsäge oder an einen Laubbläser. Ich halte es durchaus für möglich, dass wir in Zukunft durch Vorschriften zur Lärmeindämmung einen weiteren Zuwachs bei batteriegestützten Gartenwerkzeugen sehen werden.

Ein Marktsegment, das in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt, ist die Medizinelektronik. Spiegelt sich das auch im Bereich batteriegetriebener Lösungen wider?

Es geht darum, den Menschen auch im fortgeschrittenen Alter ein Leben in weitgehender Selbstbestimmung zu ermöglichen. Für uns schlägt sich das in einer steigenden Vielzahl etwa von Badewannen- und Treppenliften nieder. Das geht so weit, dass sich der Arzt heute Cloud-basiert darüber informieren kann, wie viele Kilometer ein Patient im Rollstuhl zurückgelegt hat. Ziel all dieser Bemühungen ist es, ein intelligentes Netz elektronischer Geräte vor Ort im Haus des Patienten einzusetzen, die ihm ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Nach der jüngsten Novelle des EEG müssen PV-Anlageneigner mit weniger als 10 kWh eigenerzeugtem PV-Strom nun doch keine Abgabe auf diesen Strom zahlen. Wird damit nun der Markt für PV-Strom-Zwischenspeicherung nachhaltig belebt?

Ich führe die Tatsache, dass 2013 gerade mal knapp 10.000 dieser Systeme in Deutschland verkauft wurden, schlicht auf den hohen Preis der angebotenen Systeme zurück. Warum ist das so? In diesen Systemen kommen bislang im Fall Lithium-basierter Lösungen fast ausschließlich Zellen zum Einsatz, die ursprünglich für den E-Mobility-Markt entwickelt wurden und auch dessen Anforderungen entsprechen. Das ist Overengineering! In den Lösungen, die wir für namhafte Systemanbieter herstellen, setzen wir auf die SB-Limotive-Zellen. Aktuell sehe ich als Käufer die Überzeugungstäter, die sich soweit wie möglich unabhängig vom Stromnetz machen wollen. Mit einer 5 kW-Lösung lässt sich ein Autarkiegrad von rund 75 Prozent erreichen, 10 kW gehen dann schon in Richtung Autarkie.

Sie fertigen derzeit an drei Standorten in Deutschland, Polen und China. Erfordert die rasche Nachfragesteigerung zusätzliche Investitionen in den Kapazitätsausbau?

Wir sind dabei, in Deutschland auf 55.000 m2 vier neue Produktionshallen mit jeweils vier Fertigungslinien zu bauen. Zusätzlich errichten wir noch ein neues Verwaltungsgebäude. In Summe werden wir in Deutschland bis 2020 rund 45 Millionen Euro in den Ausbau der Fertigung stecken. In Polen errichten wir auf 46.000 m2 bis 2020 drei neue Fertigungshallen. Dort belaufen sich die Investitionen auf insgesamt 25 Millionen Euro. Darüber hinaus sind die Vorbereitungen in den USA nun fast abgeschlossen, und wir werden dort in Norfolk-Virgina Beach im Herbst dieses Jahres mit der Produktion von Batterie-Packs beginnen.

Sie dürften mit Sicherheit schon das eine oder andere Übernahmeangebot für BMZ bekommen haben. Wie sehen Sie die Wettbewerbsfähigkeit der BMZ gegenüber großen Konfektionären, etwa aus China?

Es hat in den letzten Jahren immer wieder Versuche gegeben, die BMZ zu übernehmen, wir haben all diese Angebote abgelehnt. Das ist der Vorteil als nicht börsennotiertes Unternehmen: Wir können nicht einfach gegen unseren Willen geschluckt werden. Im Wettbewerb zu chinesischen Konfektionären sehen wir uns gut aufgestellt, wobei ich darauf hinweisen möchte, dass der technisch interessante Wettbewerb in Taiwan sitzt. Dort gibt es einige Unternehmen, die über ein großes Maß an Know-how verfügen. Wie wir nutzen sie China vor allem als Fertigungsstandort. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass vieles in China noch analog und diskret aufgebaut wird. Wir dagegen setzen auf hochintegrierte Lösungen mit ausgefeilten Softwareanteilen. Das gilt für die Batterie-Packs ebenso wie für unsere Ladegeräte und spiegelt sich auch in unserem hohen Entwickleranteil wider. Wir beschäftigen weltweit rund 140 Mitarbeiter im Bereich Entwicklung und R&D, das sind etwa 10 Prozent unserer gesamten Belegschaft.