Puls: 2017 erfolgreichstes Jahr bisher Auf dem Weg zur digitalen Fabrik

Bernhard Erdl, Puls: »Durch die Erweiterung unserer Produktion in Suzhou, die Integration von Etasyn sowie die Gewinnung eines neuen, 30-köpfigen Entwickler-Teams in Wien erreicht unsere Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit ein neues Level.«

Überdurchschnittliches Wachstum sowohl hinsichtlich des Umsatzes als auch der Mitarbeiterzahl kennzeichnet für Puls das Jahr 2017.

Mit der Akquisition von Etasyn und der Gewinnung eines leistungsfähigen, 30-köpfigen Entwickler-Teams in Wien sieht sich Bernhard Erdl, Gründer, CEO und President der Puls-Gruppe, bestens gerüstet, um nicht nur bis 2020 die Umsatzschwelle von 200 Millionen Euro zu erreichen, sondern auch Produktspektrum und Produktion nachhaltig an den Bedürfnissen der Industrie 4.0 auszurichten.

Markt&Technik: Erst die Akquisition von Etasyn, jetzt die Übernahme der 30 ehemaligen Entwickler von Artesyn Embedded Technologies in Wien – das Jahr 2017 verläuft sehr dynamisch für Puls. Wurden die Umsatzziele für das laufende Geschäftsjahr und 2018 inzwischen angepasst?

Bernhard Erdl: Wir streben für 2017 einen Gruppenumsatz von 160 Millionen Euro an. Betrachten wir das organische Wachstum für 2017, läge es bei 18 Prozent. Zählt man die Akquisition hinzu, erreichen wir im laufenden Geschäftsjahr ein Umsatzwachstum von 25 Prozent. Für das Jahr 2018 planen wir derzeit mit einem Forecast von 10 Prozent. Unser Ziel ist es, bis 2020 einen Gruppenumsatz von 200 Millionen Euro zu erreichen. Trotz der diversen globalen Konfliktpotenziale bin ich aus heutiger Sicht überzeugt davon, dass wir dieses Ziel erreichen werden.

Voraussetzung für das angestrebte Umsatzwachstum ist sicher auch die Verdoppelung der Produktionskapazität in China. Wie hoch ist dort der Invest und welches Produktionsvolumen wird Puls dann weltweit erreichen?

Unser Produktionsvolumen lag bisher bei rund 2 Millionen Geräten im Jahr. Mit Investitionen von rund 8 Millionen Euro haben wir unsere Produktionskapazitäten in Suzhou in den letzten Monaten verdoppelt. Ab 2018 steht uns dann eine globale Produktionskapazität von etwa 3 Millionen Geräten zur Verfügung. Bislang produzieren Chomutov und Suzhou jeweils etwa die Hälfte unserer Geräte. In Zukunft wird sich der Anteil etwas verschieben: zwei Drittel in China, ein Drittel in Tschechien. Im Zuge der Erweiterung in Suzhou haben wir auch alternative Standorte in Asien diskutiert. Wir haben uns unter anderem aber aus Gründen der Materiallogistik dafür entschieden, unser existierendes Werk zu erweitern. Da die Produktionsstraßen in Chomutov und Suzhou nahezu identisch sind, können wir im Fall von Naturkatastrophen oder Ähnlichem sehr schnell reagieren und Produktion umshiften.

Im Sommer ist es Puls gelungen, 30 ehemalige Artesyn-Entwickler in Wien für sich zu gewinnen. Damit steht der Konzentration der Fertigung an zwei Standorten, eine immer stärkere Verteilung der Entwicklungskapazitäten auf verschiedene Standorte gegenüber – ein Widerspruch?

Aus meiner Sicht nein. Ich bin vielmehr der Ansicht, dass eine gewisse Selbstständigkeit gerade kleinere Entwicklungsstandorte deutlich beflügelt. Auch wenn unsere Entwicklerteams inzwischen auf fünf Standorte verteilt sind, so sind sie doch untereinander in hohem Maße vernetzt. Da findet ein intensiver Austausch statt. Insgesamt beschäftigen wir einschließlich des neuen Teams in Wien rund 100 Entwickler. Einige davon widmen sich ausschließlich der Vorausentwicklung. Zusammen mit einem Forschungs- und Entwicklungs-Etat, der 8 Prozent des Umsatzes entspricht, sehen wir uns gut aufgestellt, um schnell und flexibel auf neue technische Trends und Entwicklungen, etwa im Bauelemente-Bereich, reagieren zu können.

Speziell mit der Übernahme von Etasyn wächst die Kompetenz in den Bereichen Medizin- und Bahntechnik. Puls war in diesen Bereichen bislang bereits mit Hut-Schienen-Lösungen präsent. Wird die Bedeutung dieser Anwendungsbereiche in Zukunft wachsen?

Das Business im Bereich Medizin- und Bahntechnik unterscheidet sich stark von unserer Kernzielgruppe im Bereich Maschinen- und Anlagenbau. Doch mit Etasyn haben wir nicht nur Entwicklungs- und Fertigungskompetenz in diesem Bereich hinzugewonnen, sondern auch einen Vertrieb, der über den entsprechenden Zugang zu diesen Märkten verfügt. Ich gehe deshalb davon aus, dass Medizin- und Bahntechnik in fünf Jahren etwa 5 bis 10 Prozent zu unserem Gruppenumsatz beitragen werden.

Durch die Übernahme von Etasyn und den neu geschaffenen Unternehmensbereich Puls Vario verstärkt der Standardgeräte-Hersteller Puls nun auch sein Engagement im Bereich kundenspezifischer Lösungen. Welchen Umsatzanteil soll dieser Unternehmensbereich in Zukunft liefern?

In gewisser Weise kehrt Puls damit ja zu seinen Wurzeln zurück. Puls ist als Hersteller kundenspezifischer Lösungen gestartet, und erst Anfang der 1990er Jahre wurden wir dann zum Standardgerätehersteller. Wir werden auch in Zukunft nicht in dem Sinne kundenspezifische Lösungen anbieten, dass wir Stromversorgungen von Grund auf für Kunden neu entwickeln, sondern vor allem Hybridlösungen aus Standardkomponenten und kundenspezifisch modifizierten Geräten entwickeln, die auf die speziellen Bedürfnisse des Kunden abgestimmt sind. Dieser Value-Add-Ansatz bietet dem Kunden im Vergleich zu einer wirklich kundenspezifischen Lösung eine deutlich kürzere Time-to-Market und deutliche Preisvorteile. Schon heute trägt dieses Geschäft etwa 20 Prozent zum Gruppenumsatz bei. Ich gehe davon aus, dass wir in fünf Jahren etwa ein Drittel unseres Umsatzes mit diesem Konzept erzielen können.